Ludwigshafen Tabulos wie immer

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Wegen geschmacklicher Entgleisungen ist er öfter mal in die Kritik geraten. Nun habe er sich verändert und vom Saulus zum Paulus gewandelt, behauptet Brachial-Comedian Ingo Appelt von sich. In seinem aktuellen Programm „Besser ... ist besser!“, mit dem er nun in Mannheim gastierte, zeigt er sich jedoch als ganz der Alte – und in Top-Form.

Eingangs gibt er sich noch politisch und leitet vom stürmischen Applaus, der ihn im Capitol empfängt, direkt über zur deutschen „Willkommenskultur“, die sich anfangs ja auch darin zeigte, dass ankommende Flüchtlinge euphorisch begrüßt wurden. Der Jubel und Transparente mit der Aufschrift „Refugees Welcome“ hätten bisweilen den Eindruck erweckt, es handele sich hier um eine Popband und nicht um Syrer, die knapp dem Krieg entkommen sind. Schilder mit der Botschaft „Danke, Deutschland!“ die die Eintreffenden hochhielten, habe er im Umfeld der Griechenland-Hilfe übrigens nie gesehen. Nach den Vorfällen in der Silvesternacht von Köln hat Volkes Stimmung sich gewandelt, beobachtet Appelt. Längst meldeten sich wieder die „Hasser“ zu Wort, die eine eingeschworene Gemeinschaft bildeten wie ehedem Grufties oder Punks. Sie lebten nach dem Motto: „Hasste was, biste was“ und verfügten mittlerweile über eine eigene Partei: die Arbeitsgemeinschaft der Denunzianten, kurz: AfD. Der selbsternannte Allround-Entertainer Appelt begann seine kabarettistische Karriere vor mehr als 25 Jahren noch als gelernter Maschinenschlosser. Damals war er gewerkschaftlich organisiert und bewies sein komödiantisches Talent bei Jugendkonferenzen der IG-Metall. Seit 1993 ist er hauptberuflich Komiker und auch dem Fernsehpublikum durch Auftritte bei „RTL Samstag Nacht“ und im „Quatsch Comedy Club“ bestens bekannt. 2000 bekam er bei ProSieben eine eigene „Ingo Appelt Show“ , die jedoch nach elf von 13 geplanten Folgen aufgrund „geschmacklicher Entgleisung“ abgesetzt wurde. Seit zwei Jahren ist der nunmehr 48-Jährige regelmäßig zu Gast in der Satire-Sendung „Nuhr im Ersten“ und Moderator der TV-Show „Kabarett aus Franken“. Wie schon zu seinen Zeiten beim Privatfernsehen, geht Appelt jedoch auch in Mannheim in erster Linie Themen an, die anderen die Schamesröte ins Gesicht treiben. Seinem Ruf als ungehemmter Comedyrüpel wird er auch im neuen Programm gerecht. Darin geht es auch weniger politisch als unanständig, dreckig und tiefschwarzhumorig zu. Ingo Appelts Themen sind fast alle unterhalb der Gürtellinie angesiedelt, Regionen, derer sich der gebürtige Essener so tabulos wie ausführlich annimmt. Mit genüsslichen Ausführungen über Ausscheidungsvorgänge, Menstruation und Sexualität lotet er die Grenzen des guten Geschmacks nicht aus, wie manche Kritiker schreiben, sondern trampelt sie rücksichtlos nieder. Angelehnt an den Comedian Mario Barth, den er auch parodiert, ist sein vordringliches Revier die komplizierte Beziehung zwischen Mann und Frau. Appelt, der große Spiellaune und Einsatz zeigt, erörtert den Standort der frustrierten Männer der Gegenwart, denen zunehmend die Felle davonschwimmen, weil nicht sie, sondern ihre Frauen das Sagen haben. Der Mann ist vom Ernährer und Beschützer zum Dienstleister abgestiegen. Männer sollen gleichermaßen Machos und Weicheier sein, kurz: „Matsch-Eier“. Und schon ist Appelt wieder bei seinem Lieblingsthema.

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