Ludwigshafen „Türme bekommen anderen Charakter“

Die Sanierung der beiden Sandsteinstürme der katholischen Kirche St. Ludwig in der Innenstadt ist deutlich aufwendiger als gedacht. Die seit einem guten dreiviertel Jahr laufenden Arbeiten werden nicht vor dem Sommer beendet sein. Die Kosten haben sich von 600.000 auf etwa 1,1 Millionen Euro erhöht.
Dekan Alban Meißner, der auch Pfarrer der Kirche ist, ist derweil richtig angetan vom Ergebnis der bisherigen Arbeiten: „Das wird alles wesentlich schöner als ich gedacht hatte.“ Ihn begeistere vor allem, dass nun der künstlerische Aspekt der ursprünglichen Turmgestaltung erkennbar werde. Am schon fast fertiggestellten Turm kann man bereits wieder das damals eingearbeitete Muster des im 19. Jahrhundert errichteten Bauwerks mit den roten und gelben Sandsteinen erkennen. „Vorher war alles gleichmäßig schwarz. Ich bin von den Arbeiten beeindruckt“, betont Meißner. „Die Türme bekommen einen ganz anderen Charakter, das wird viel freundlicher.“ Wer ums Kirchengelände in der Innenstadt läuft, kann nachempfinden, was der Pfarrer meint. Im Hof liegen Steine, die alle fein säuberlich nummeriert sind. Dieses aufwendige Puzzlespiel erklärt, warum die Arbeiten an den beiden gut 130 Jahre alten, aus Sandstein gebauten Kirchtürmen so langwierig sind. Meißner: „Es wird bei jedem Stein einzeln geschaut, wie stark seine Beschädigung ist. Je nachdem wird der Stein dann einzeln gereinigt, saniert oder ersetzt.“ Die Umwelteinflüsse haben den 54 Meter hohen Türmen ebenso zugesetzt wie Feuerschäden. Durch den Brand im Krieg entstanden auf dem Sandstein Stücke mit fingerdicken „Verbackungen“, hinter denen sich das Gemäuer nun aber auflöst. Diese Schäden werden nun behoben. Genügt die Reinigung der Steine, geschieht dies laut Meißner mit Wasser. Zu stark beschädigte Steine werden ausgetauscht. Die Sanierungsarbeiten beschränken sich derweil nicht auf das Äußere der zwei Kirchtürme. Da sich im Innern Brocken gelöst hatten, bekamen die Türme auch einen neuen Innenverputz. „Dadurch wird die weitere Auflösung des Steins verhindert.“ Ferner sind auch schon die Turmkreuze gesäubert und die Zifferblätter der Uhren erneuert worden. Mit dem Verlauf der Arbeiten ist Alban Meißner bisher rundum zufrieden. „Da der Winter mild war, konnte gut gearbeitet werden.“ Dass sich das Projekt nun deutlich in die Länge zieht (2014 hieß es, man wolle bis Dezember fertig sein) und deutlich teurer wird (1,1 Millionen statt 600.000 Euro) sei schlicht dem großen Aufwand geschuldet, da ja jeder Stein einzeln unter die Lupe genommen werde. „Die 600.000 Euro wurden damals genannt, weil da einfach nicht klar war, was an der Fassade genau gemacht werden muss. Das konnte man erst erkennen, als das Gerüst stand. Die Einzelheiten waren von unten nicht zu sehen.“ Meißner ist daher froh, dass die Gemeindemitglieder schon fleißig gespendet haben. „Bisher haben wir 50.000 Euro von Privatleuten bekommen, das ist toll“, betont der Dekan. 70 Prozent der Kosten trägt das Bistum, den Rest muss die Gemeinde mit ihren rund 2500 Katholiken schultern. Meißner würde sich daher über weitere Spenden freuen. Zugleich bedauert er es, „dass wir von den angeschriebenen Stiftungen nichts bekommen haben“. Der Pfarrer hofft, auf jeden Fall zum Tag des offenen Denkmals im September die renovierten Türme präsentieren zu können. Das Gemeindeleben werde bis dahin insofern beeinflusst, da vier Parkplätze wegfallen. Außerdem sei bei allen Gemeinde-Aktionen, die Geld erwirtschafteten, klar, „wofür wir die Einnahmen nehmen. Und anderes Notwendiges muss eben derzeit verschoben werden“. .