Ludwigshafen Szene schwärmt vom „weißen Kenianer“
LUDWIGSHAFEN. Vor etwas mehr als einem Jahr hat Noah Sandor nicht gewusst, was ein Triathlon ist. Jetzt, zwölf Monate später, steht der Neunjährige aus Maudach als Sieger des BASF Triathlon-Cups Rhein-Neckar bei den Schülern C ganz oben. Bei seinem letzten Start in Heidelberg sicherte sich Noah Sandor diesen Sieg.
Die Triathlonsaison ist vorbei, aber das Training geht weiter. „Noch ein paar Läufe stehen an“, verrät Noah. Zum Gespräch mit der RHEINPFALZ trifft sich das Talent vor dem Hallenbad Maxdorf/Lambsheim. An sich würde Noah mit seinen Teamkollegen schwimmen, aber das Bad hat wegen Revisionsarbeiten geschlossen. Ein gut gelaunter Thomas Schlohmann, Lauftrainer der Maxdorfer Nachwuchs-Triathleten, begrüßt den Youngster. Die paar Regentropfen können die Dreikämpfer nicht vom Training abhalten. Ein Dauerlauf steht heute auf dem Programm. Die Übungseinheiten der Dreikämpfer sind vielfältig: Schwimmen, Radfahren, Laufen und Koppeltrainingseinheiten. Auch das Umziehen in den Wechselzonen muss regelmäßig trainiert werden. Das praktizieren die Sandors ganz unkonventionell. Noah funktioniert kurzerhand das Zuhause in eine Wechselzone um, legt Fahrradhelm, Startnummernband und alles, was er sonst noch so braucht, bereit. Papa Mario startet die Stoppuhr seines Handys und los geht’s. Immer und immer wieder. Aber nur so lange es auch Spaß macht, lautet die Devise. Angefangen hat alles mit einem Späßchen von Noahs Mutter: „Ich war samstags vor dem Ludwigshafener Stadtlauf noch schwimmen. Da meinte meine Mutter: Jetzt hast du schon fast einen Triathlon gemacht.“ „Triathlon? Was ist das?“ Noah wollte es genauer wissen. Nach den ersten Erklärungen war klar, das wollte er mal ausprobieren. Und so landete der Youngster bei der TSG Maxdorf. Dort erkannten die Übungsleiter um Cheftrainerin Henrike Block schnell sein außergewöhnliches Talent. Auf dem Rennrad saß Noah erstmals kurz nach Ostern. Zwei Triathlons waren in seiner ersten Saison geplant. Doch nachdem es so gut lief, er beim Schüler-Duathlon in Ludwigshafen gewann, war plötzlich der BASF Triathlon-Cup Rhein-Neckar ein Thema für Noah. Beim Iron Kids Triathlon in Heidelberg im September machte er den Sieg perfekt. Der Neunjährige ist eine Sportskanone und hat sehr viel Ehrgeiz, attestiert ihm Vater Mario. Hinzu kommt aber eine gewisse Leichtigkeit, die ihn auszeichnet, denn weder mit Zeiten noch mit Konkurrenten setzt sich Noah auseinander. „Ich mache mein Ding“, sagt der junge Mann, dessen Laufstil ihm schon den Beinamen der „weiße Kenianer“ einbrachte, selbstbewusst. Die Familie, zu ihr gehören Vater, Mutter und drei Brüder, sind stolz auf den Zweitjüngsten der San-dors, begleiten ihn so oft wie möglich auf Wettkämpfe. Bei der TSG Maxdorf fühlt sich Noah pudelwohl. Dort hat er zusätzlich zu seinen Trainern einen eigenen Paten, der ihm mit Rat und Tat zur Seite steht. „Mein Pate, der Jens Deiß, hat sogar schon bei einem Ironman mitgemacht“, erzählt der junge Sportler stolz. Und so ist das große Vorbild des kleinen Noah weder Olympiasieger Jan Frodeno noch Sebastian Kienle. Nein, sein Idol heißt Jens Deiß. Beim Maxdorfer Triathlon über die Mitteldistanz hatte er Deiß aber im Eifer des Gefechts nicht gesehen, obwohl der schnellster TSG’ler war. Noah war an der Laufstrecke als Helfer eingesetzt und versorgte die Triathleten mit Getränken. „Einer hat mir sogar eine Cola übergeschüttet“, sagt er lachend, fand die klebrige Angelegenheit damals aber wohl nicht so lustig. Was Noah anpackt, hat Hand und Fuß. So kickt er bei Alemannia Mau-dach, schwimmt in Mutterstadt und spielt Trompete. In der Schule macht er am liebsten Sport und Mathe. Und zwangsläufig – bei so vielen Erfolgen – macht er auch das Archivieren von Urkunden und das Aufstellen von Pokalen gerne. Nur das Abstauben überlässt er anderen. „Demnächst brauche ich wohl ein neues Regal, weil im ersten kein Platz mehr ist“, erklärt er. Im kommenden Jahr kommt Noah in die nächsthöhere Altersklasse. „Mal sehen, was da auf mich zukommt“, nimmt er es gelassen. Auch das zeichnet den jungen Mann aus, von dem die Triathlonszene schwärmt.