Ludwigshafen SV Waldhof: Die Angst des Stürmers vor dem Jubel
«Duisburg.»Man kann es sich einfach machen und von einem Fluch sprechen, der über dem SV Waldhof liegt. Immerhin sieht es so aus, als können die Mannheimer in Aufstiegsspielen keine Tore erzielen. Auch im fünften Versuch im dritten Jahr gelang das beim 0:1 beim KFC Uerdingen nicht. Soll es etwas werden mit dem Aufstieg, muss die finstere Serie morgen, 14 Uhr, im Carl-Benz-Stadion beendet werden.
Wenn es einfach wäre und die Torlosigkeit in irgendeinem Hokuspokus begründet wäre, würde vermutlich schon ein Voodoo-Zauberer helfen, um den Fluch zu beenden. Aber es liegt eben nicht an wundersamen Kräften, sondern an Pech und Unvermögen, dass der SVW auch in Duisburg ohne eigenen Treffer blieb. „Das war das beste der fünf Aufstiegsspiele und auch die Partie, in der wir die besten Torchancen hatten“, sagte Michael Schultz. Der Innenverteidiger kann unbefangen über die Probleme beim Toreschießen sprechen, denn dieser Teil des Spiels gehört nicht zu seinen Kernaufgaben.
Hypothek fürs Rückspiel
Schultz sah aus einigen Metern Entfernung, wie die Teamkollegen in der Duisburger Arena beste Gelegenheiten ausließen und dadurch trotz einer starken Leistung mit einer Hypothek ins Rückspiel gehen. Klar ist: Die Mannheimer müssen im sechsten Aufstiegsspiel mindestens einen Treffer erzielen, um den Traum vom Aufstieg noch realisieren zu können. Das wird aber nicht nur schwer, weil sich die Uerdinger mit aller Macht gegen ein Tor wehren werden, sondern weil die eigene Torlosigkeit längst in den Köpfen der Akteure, des Umfelds und der eigenen Fans angekommen ist. „Ich würde mir Sorgen machen, wenn die Jungs sich nicht mehr trauen würden, aber sie laufen ja immer wieder aufs Tor zu“, erklärte Markus Scholz. Der Keeper des SVW glaubt, dass die Serie morgen ein Ende finden wird: „Irgendwann geht der Ball wieder rein und dann geht die Post ab.“ Zumindest die Spieler der Blau-Schwarzen, die nicht am Toreschießen gemessen werden, spüren die mentale Belastung nicht und sind bemüht, den Druck auf die offensiven Kräfte durch unüberlegte Aussagen nicht zusätzlich zu erhöhen.
Fehlende Durchschlagskraft vor dem Tor
Die durchwachsene Chancenverwertung, die zum unbefriedigenden Ergebnis in Duisburg gegen Uerdingen führte, ist aber kein Problem, das allein in der Situation eines Aufstiegsspiels begründet ist. „Das zieht sich schon durch die gesamte Rückrunde“, sagte der Sportliche Leiter Jochen Kientz. Gianluca Korte, Jannik Sommer und Nicolas Hebisch vergaben im ersten Aufstiegsmatch vier dicke Gelegenheiten – wie in einigen Partien der zweiten Saisonhälfte belohnten sich die Mannheimer nicht für einen guten Auftritt. „Die Jungs haben eine sehr gute Leistung gezeigt, sie sind bereit und fit, dass auch im Rückspiel zu machen“, sagte Bernhard Trares. Der Trainer wehrte wie schon so oft Fragen nach der fehlenden Durchschlagskraft vor dem Tor des Gegners ab. „Ich sehe keinen Grund, warum wir uns verrückt machen sollten“, erklärte der Fußballlehrer. Trares ist kein Mann für Hokuspokus: „Wir müssen jetzt nicht zaubern.“