Fußball RHEINPFALZ Plus Artikel SV Südwest Ludwigshafen: Rekorde, Dusel und Teamspirit auf dem Weg zum Titel

Nach dem Spiel gegen Jockgrim stehen die Spieler des SV Südwest Ludwigshafen im Kreis zusammen.
Nach dem Spiel gegen Jockgrim stehen die Spieler des SV Südwest Ludwigshafen im Kreis zusammen.

Der SV Südwest Ludwigshafen steigt als Meister der Bezirksliga in die Landesliga auf. Trainer Ediz Sari spricht über das richtige Mix im Team und geliehenen Bayern-Dusel.

Es ist gerade einmal sechs Jahre her, da führte Trainer Frank Wieschalla den SV Südwest Ludwigshafen in die Landesliga. Eine Renaissance, die nur von kurzer Dauer war. Es gab Zoff, Wieschalla musste trotz sportlichen Erfolgs gehen. Der Traditionsverein stürzte danach bis in die A-Klasse ab, der SV Südwest war in den Niederungen des Amateurfußballs angekommen. Der Verein, der einst nur um Haaresbreite die Aufstiegsspiele zur Bundesliga verpasst hatte, kämpfte gegen die Bedeutungslosigkeit. Vor 55 Jahren hatte Südwest in der Tabelle vor dem FSV Mainz 05 und dem 1. FC Saarbrücken gestanden, nach der Serie 2023/24 musste man das Schlimmste befürchten.

Der Edelmann, der die vor sich hinsiechende Prinzessin wieder wachküsste, heißt Ediz Sari, ein Mann mit integrativen Fähigkeiten. Ohne den 56-jährigen Coach, der einst selbst ein vielversprechendes Talent des SV Südwest war, wäre der zweijährige Höhenflug nicht möglich gewesen. Und er soll noch nicht zu Ende sein, auch wenn die Luft in der Landesliga künftig etwas dünner werden wird. Die Bezirksliga-Meisterschaft haben die Blau-Weißen jedenfalls problemlos eingefahren. Nach Anfangsschwierigkeiten mit zwei Niederlagen im August und September (1:2 beim FV Dudenhofen II und 0:2 in Geinsheim) starteten die Ludwigshafener richtig durch und waren nicht mehr aufzuhalten.

23 Siege in Folge

„23 Spiele haben wir in Folge gewonnen. Das habe ich in 29 Trainerjahren nie zuvor erlebt“, staunt der Trainer und erinnert sich an 13 Siege hintereinander, die er einst mit Phönix Schifferstadt feierte. 23-mal in Serie ungeschlagen zu bleiben ist schon beachtlich, aber 23 Siege in Folge sind geradezu sensationell. Sicherlich, bei Südwest spielt mutmaßlich keiner für ein Handvoll Erdnüsse, aber das schmälert den sportlichen Erfolg nicht.

Vor allem auf eigenem Gelände, sei es der altehrwürdige Südwestplatz oder das in die Jahre gekommene Stadion, trumpfte die Mannschaft groß auf. „In den vergangenen zwei Jahren haben wir von 31 Heimspielen 30 gewonnen. Nur der LSC hatte uns beim 2:2 in dieser Spielzeit am Rande einer Niederlage“, verdeutlicht Sari. Niemand wundert sich darüber, dass der souveräne Titelträger die meisten Tore erzielte (103) und die wenigsten Gegentreffer einsteckte (27). Zur Winterpause noch punktgleich mit der TSG Jockgrim, hatte Südwest am Ende satte 18 Zähler Vorsprung vor dem Tabellenzweiten SV Geinsheim.

23 Nationen im Kader

Bemerkenswert und nicht hoch genug anzuerkennen: Südwest ließ die Zügel nach perfekt gemachter Meisterschaft nicht schleifen, niemand kann das Wort Wettbewerbsverzerrung in den Mund nehmen. Das ist, gerade im Amateurbereich, keine Selbstverständlichkeit. Und so schickte der Geinsheimer Trainer Rudi Brendel nach dem letzten Spieltag eine Dankesbotschaft nach Ludwigshafen. Südwest hatte dem SVG mit einem 2:1 gegen Jockgrim den Weg auf Rang zwei geebnet. „Die Serie war schon ein Antrieb“, räumt Sari ein, der von seinem langjährigen Weggefährten Gökhan Dogan als Co-Trainer unterstützt wird.

Nach Angaben des Trainers sind im Multi-Kulti-Kader der Südwestler 13 Nationen vertreten, was dem guten Miteinander eher zuträglich ist. „Die Mischung hat gestimmt. Wir haben erfahren, schlaue Menschen, die mit beiden Beinen im Leben stehen und führen, aber auch junge Wilde, die den nötigen Respekt haben“, beschreibt der Übungsleiter die Zusammensetzung des Teams. Um eine solch außergewöhnliche Runde zu spielen, benötigt man auch etwas Glück, das dem SV Südwest in der Rückserie half, die Partie in Queichhambach (2:1), gegen Altrip (1:0) und Bellheim (4:3) zu gewinnen. „Da hatten wir den Bayern-Dusel ausgeliehen“, sagt Sari und lacht. In allen drei Begegnungen gaben späte Tore den Ausschlag.

Respekt ist wieder da

Der große und leistungsstarke Kader versetzte das Trainerteam in die Lage, rotieren und jeden bei Laune halten zu können. 35 Akteure kamen zum Einsatz, nur Rechtsverteidiger Nicola Maillet stand in allen 30 Partien auf dem Platz. „Er hat sich nach der Umschulung vom Stürmer zum Verteidiger prima weiterentwickelt und war einer unserer Besten. Seine Schnelligkeit ist eine Waffe, und er selbst ist eine Maschine“, sagt Sari über seine Nummer neun. Diese Zahl gibt Hinweise auf Maillets früheres Betätigungsfeld. Auf 29 Einsätze brachten es Rodney-Francis Peprah und Piero Adragna, 26-mal spielte Herchie Koloko.

„Die Offensiven wechseln ständig ihre Positionen, da hält keiner starr seinen Platz“, nennt der 56-Jährige, der das bewährte 4-3-3-System situativ mit einem 4-2-3-1 ersetzte, die Flexibilität als wichtigen Eckpunkt. Sechs Spieler erzielten mindestens acht Treffer: Peprah (15), Julien Jubin (14), Kapitän Aymen Ghandour (13), Kelmend Azizi, Desmond Uyi (je 9) sowie Geri Hasa (8), der nach ausgeheilter Verletzung zum Aktivposten wurde. Das Herzstück ist das Dreier-Mittelfeld mit Ghandour, Adragna und Azizi, das Prunkstück die Innenverteidigung, die meist Talha Yazgan und Anas Itani bildeten. Und ganz wichtig ist Saris Erkenntnis: „Wir haben uns den Respekt der Gegner zurückerarbeitet.“ Das hätte vor zwei Jahren keiner zu sagen gewagt.

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