Ludwigshafen Suche nach einem Konzept

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Erneut gibt es am TiG7 in Mannheim einen Wechsel bei der künstlerischen Leitung. Christine Bossert verlässt das Theaterhaus nach nur einer Spielzeit vorzeitig. Der Spielort der freien Szene erhält ab der kommenden Saison eine neue Leitungsstruktur und kündigt eine stärkere Professionalisierung an. Eine Doppelspitze soll es nun richten.

Christine Bossert gibt ihre Stelle nach nur einer Spielzeit wieder auf. Ihren unbefristeten Vertrag hat die Stuttgarterin Ende April zum Spielzeitende am 31. August gekündigt. Als Grund gibt Bossert an, dass die Funktionen der künstlerischen Leitung am TiG7 nicht eindeutig geklärt seien. „Ich bin für alles verantwortlich gewesen“, sagt sie. „Dabei bin ich ständig reglementiert, eingeengt, beobachtet, überwacht worden.“ Eigentlicher Entscheidungsträger sei ein kleiner Kreis aus dem Trägerverein. Dabei sei nie eindeutig klar gewesen, wie professionell das Theater arbeiten solle. Laiendarsteller seien auf die Bühne gedrängt und hätten ihren Einfluss über den Vereinsvorstand geltend gemacht. Sie habe sich in ihrer Theaterarbeit „torpediert“ gefühlt, sagt Bossert. Über dieselben Schwierigkeiten hatte schon ihre Vorgängerin Inka Neubert geklagt, als das Theater ihren Vertrag nicht verlängerte. Jetzt kehrt sie in der nächsten Spielzeit ans TiG7 zurück und soll gemeinsam mit dem freien Journalisten Bernd Mand die künstlerische Leitung übernehmen. Gemeinsam soll das Duo dem Theater eine professionellere Ausrichtung geben. Darauf hat das Kultusministerium in Stuttgart schon zu Inka Neuberts Zeit bestanden. Das TiG7 wird vom Land nämlich mit 50.000 Euro jährlich als Privattheater gefördert. Diese Förderung ist Theatern vorbehalten, die ausschließlich Profis beschäftigen. Außerdem erhält das freie Theater 110.000 Euro städtische Förderung, von denen es allerdings rund 60.000 Euro Jahresmiete wieder an die Stadt abführen muss. Wolfgang Gladrow, Mediziner im Ruhestand und Vorsitzender des Trägervereins, gibt zu, dass es schon verwundern könne, wenn das TiG7 Inka Neubert jetzt wieder engagiere. Das Theater und Inka Neubert hätten sich damals aber in gutem Einvernehmen getrennt. Bernd Mand, seinerzeit neben Christine Bossert einer von etwa 40 Mitbewerbern um die Stelle, sei nun gefragt worden, ob er die Leitung übernehmen würde. Weil er selbst keine Regieerfahrung hat, habe er Inka Neubert als gleichberechtigte Partnerin vorgeschlagen. Von der Doppelspitze verspricht sich der Vereinsvorsitzende nun, dass künftig eine Arbeitsüberlastung vermieden werde. In der Vergangenheit habe er sich als ehrenamtlicher Geschäftsführer um die Finanzen gekümmert. In Zukunft werde das Leitungsteam aber auch in dieser Hinsicht „völlig autark“ sein, betont Gladrow. Sich selbst sieht der Vereinsvorsitzende nur noch als „eine Art Kontrollinstanz“, wenn die Leitung jedes halbe Jahr einen Rechenschaftsbericht vorlege. Gladrow bestreitet entschieden, dass er oder ein anderer aus dem Vorstand jemals Druck auf die künstlerischen Leiterinnen ausgeübt hätten. „Wir würden ja an dem Ast sägen, auf dem wir sitzen“, sagt er. Auch Christine Bossert habe alle Stücke, die sie in der vergangenen Spielzeit aufführen wollte, auch aufführen können. Offenbar hat das Land als Förderer des Theaters aber auf Honoraren für die Darsteller bestanden. Von der nächsten Spielzeit an wird das Theater daher nicht nur wie bisher Regisseure und Techniker bezahlen müssen, sondern auch Schauspieler engagieren müssen, die von ihren Auftritten leben. Das überwiegend aus Amateuren bestehende TiG7-Ensemble werde zwar weiterhin in den Spielplan einbezogen, aber es werde seine Produktionen selbst finanzieren müssen, erklärt Gladrow. Wie viele Profi-Produktionen das Budget von 100.000 Euro hergebe, müsse die Zukunft zeigen, sagt Gladrow. Vorstellbar wären aber auch Koproduktionen mit anderen Theatergruppen der Region. Mit der Mannheimer Theaterakademie habe das TiG7 ja schon in der Vergangenheit zusammengearbeitet. Künftig werde sich das Haus aber noch mehr der freien Szene in der Region öffnen. Unterdessen hat Einhart Klucke, stellvertretender Vorsitzender des Trägervereins, angekündigt, dass er für das Ehrenamt nicht nochmals kandidieren werde. Sein Verzicht habe jedoch nichts mit den jetzigen Turbulenzen zu tun, sagt er. Er werde bald 70 und wolle den Generationenwechsel am TiG 7 einleiten.

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