Ludwigshafen RHEINPFALZ Plus Artikel „Stromverschwendung“ am Weiher: Beachparty der besonderen Art mit internationalen DJs

Wie entspannt die Beachparty „Stromverschwendung“ sein kann, zeigen die Impressionen aus dem vergangenen Jahr.
Wie entspannt die Beachparty »Stromverschwendung« sein kann, zeigen die Impressionen aus dem vergangenen Jahr.

Los Angeles, New York, Ludwigshafen: Wie kommt es, dass das renommierte DJ-Duo Hidden Empire bei einem Festival am Willersinn-Weiher Zwischenstation einlegt?

Unter Palmen im Liegestuhl, warmer Sand zwischen den Zehen, ein Cocktail in der Hand und gechillte Beats im Ohr, der Blick schweift übers Wasser. Man könnte sich an einem Strand irgendwo im Urlaub wähnen – aber es ist der Willersinn-Weiher. Fans kennen diesen Charme. Trotzdem ist die Sunshine-Beach-Bar direkt neben dem Freibad vielleicht immer noch ein Geheimtipp in der Region. Zumal die Beachparty hier 2024 zum ersten Mal stattfand, mit rund 800 Musikfreunden gleich sehr gut nachgefragt war und der Ruf nach einer Fortsetzung laut wurde. Nun haben sich die Veranstalter dazu entschlossen, regelmäßig am letzten Samstag im August das Sommerfeeling musikalisch zu feiern. Wie bitte, unter dem Namen „Stromverschwendung“?!

Eine Schnapsidee mit Erfolg

„Der Name war mal eine Schnapsidee – einfach, damit man ihn im Ohr behält“, erklärt Samuel Großmann. „Man kann die Party als Energieumwandlung betrachten“, ergänzt sein Geschäftspartner der GbR SayaEvents, Christian Lumm. „Es ist ein Herzensprojekt, mit dem wir die Last des Alltags ablegen und schöne Momente als bleibende Erinnerung für uns alle schaffen wollen. Weil wir der Stadt Ludwigshafen kulturell was zurückgeben möchten.“ Beginnend um 14 Uhr wird in den Sonnenuntergang bis 23 Uhr gefeiert, in einer offenen Atmosphäre und mit einem altersmäßig bunt gemischten Publikum, betonen die Veranstalter. Anders als bei rein kommerziellen Veranstaltungen gebe es keinen separaten VIP-Bereich.

Samuel Großmann
Samuel Großmann

„Man darf sich frei fühlen“, sagt Christian Lumm und hat beobachtet: „Viele Frauen kommen gerne her, weil die Stimmung entspannt ist. Und auch der fitte Rentner ist als Fan der Musik mit dabei.“

Zuvor gastierten sie mit der Party in Frankenthal. Da sie aber beide Ludwigshafener sind, suchten sie hier nach einer passenden Location und wurden mit der Beachbar fündig. Dabei legen die Veranstalter in diesem Jahr noch eine Schippe drauf – nicht beim Sand, sondern beim Setting.

Da es nicht nur darum geht, Musik zu „konsumieren“, sondern in Kontakt mit anderen zu kommen, haben sie Marktstände eingeladen, die fürs Hippie-Ibiza-Gefühl sorgen: Dort können die Gäste nach Seidenhemden und Sommerkleidern, Makramee und Schmuck stöbern, sich beim Upcycling-Workshop erproben oder sich eine bleibende Erinnerung beim Tattoo-Stand stechen lassen. Auch am Sound wird nachjustiert.

Damit sich die Gäste zu feinsten elektronischen Beats barfuß im Sand in Ekstase tanzen können, besorgen die Veranstalter ein „überragendes Sound-System“ der Firma Void, das sonst in den angesagtesten Clubs genutzt werde, erzählt Christian Lumm. „Es klingt druckvoll und sehr klar. Ich habe da einen Spleen und lege Wert auf einen guten Sound.“

Christian Lumm
Christian Lumm

Verständlich, denn der 38-Jährige hat sich in der Region selbst einen Namen als DJ gemacht, der mit Drum’n’Bass eingestiegen ist, einst im Mannheimer MS Connexion am Pult stand und inzwischen genreübergreifend treibende Sounds von Techno bis House auflegt, etwa im Schwetzinger Club Basement und natürlich bei „Stromverschwendung“. Er wechselt sich ab mit DJ-Kollegen wie Alex Hertel, Florian Hoffmann und David Stutz, die in Clubs und Open-Air-Veranstaltungen in der Region gebucht werden. „Jungwinzer in der Pfalz ziehen mit elektronischer Tanzmusik viel Publikum auf ihre Höfe“, erklärt Lumm. Mit einem DJ-Wettbewerb wollen sie ihre Szene öffnen und beleben. Daher stehen die Gewinner – diesmal Paal 12 und Seymen, der sonst etwa bei einer Rooftop-Skybar in Frankfurt spielt – ebenfalls am Mischpult.

Große Nummer geangelt

Die Sensation aber ist der Gastauftritt von Hidden Empire, dem DJ-Duo aus Branko Novakovic und Niklas Schäfers, denen der Durchbruch mit Veröffentlichungen beim renommierten Label „Stil vor Talent“ gelang. Die beiden Kölner haben sich als Senkrechtstarter international ein hohes Ansehen erspielt. Ihre Tracks laufen auf der Plattform Beatport und sind in den Techno- und House-Charts vertreten. Weltweit von Mexiko bis Thailand werden besonders ihre Live-Auftritte gefeiert, bei denen sie die Partyleute von energetischen Klanglandschaften mitreißen lassen und durch die minimalistische aber auch melodische Musik auf eine emotionale Reise mitgenommen. „Das zu erleben, ist wie ein Initiationsritus. Wie wenn man zum ersten Mal Schokolade schmeckt“, sagt Lumm.

Dass sich die Veranstalter eine so große Nummer wie Hidden Empire überhaupt leisten können, liege daran, dass das DJ-Duo das kulturelle Engagement des kleinen Veranstalters für die Region zu schätzen weiß. Die beiden greifen für die Finanzierung in ihre private Tasche und müssen hoffen, dass sie mit den Eintrittsgeldern sowie kleineren Beträgen von Sponsoren zumindest die Kosten decken können. Im Hauptberuf arbeitet Christian Lumm Vollzeit in der Personalberatung, während Samuel Großmann als Informatiker für einen Aktienkonzern den Standort Limburgerhof leitet.

Clubfeeling aufleben lassen

Der gebürtige Karlsruher hatte „Stromverschwendung“ vor 13 Jahren gegründet, als er hergezogen ist und sich viele Freunde in seinem Umkreis mit Musik beschäftigten. „Als lokaler Musiker ist es schwer, in der Szene Fuß zu fassen“, beobachtet der 35-Jährige. „Entweder gibt es die globalen Bookingagenturen, die die Hallen vollmachen oder eine eingeschworene Szene in den Clubs. Daher haben wir uns selbst eine Bühne gebaut. Und weil es mir liegt, habe ich mich ums Organisieren gekümmert.“ Früher veranstaltete er monatlich eine Musik-Reihe, dann kam das Leben mit beruflichen Themen und der Corona-Zeit dazwischen. Um die ursprüngliche Idee wieder zu beleben, hat er sich zusammen mit Christian Lumm das neue Konzept mit der Open-Air-Veranstaltung überlegt.

Wenn der Sommer rum ist, wollen sie voraussichtlich eine Reihe an Club-Events in der Nähe des Mannheimer Wasserturms starten. Auch wenn die Leute weniger in Clubs gehen und viele Locations aufgegeben haben, sei das Clubfeeling schwer zu ersetzen und man dürfe die Hoffnung nicht aufgeben, sind sie überzeugt. „Man muss die Kulturfahne hochhalten. Solange es Menschen gibt, die das wollen und kommen und dankbar sind, gibt es Leute wie wir, die Zeit und Geld investieren.“

Termin

Beachparty „Stromverschwendung“ am Samstag, 30. August, von 14 bis 23 Uhr in der Sunshine-Beach-Bar neben dem Freibad Willersinn (Eingang am Parkplatz). Ab 18 Jahren. Tickets im Vorverkauf für 25 Euro und ab fünf Tickets 20 Euro, regulär 30 Euro über www.sayaevents.de

Das DJ-Duo Hidden Empire gastiert weltweit und wird für seine minimalistisch-emotionalen Klanglandschaften gefeiert.
Das DJ-Duo Hidden Empire gastiert weltweit und wird für seine minimalistisch-emotionalen Klanglandschaften gefeiert.
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