Ludwigshafen
Streit um Kita-Neubau: FWG und BI warnen vor Eingriffen in den Mittasch-Park
Die Freie Wählergruppe (FWG) Ludwigshafen kritisiert den bisherigen Umgang der Stadtverwaltung mit dem Thema geplanter Kita-Neubau am Alwin-Mittasch-Park. Die Sorge vieler Bürger um die Grünfläche sei berechtigt. Seit Monaten liegen verschiedene Vorschläge für alternative Kita-Standorte auf dem Tisch – auch solche, die ohne zusätzliche Eingriffe in den Alwin-Mittasch-Park auskommen würden. Bis heute habe die Verwaltung aber nicht nachvollziehbar dargelegt, warum ausgerechnet der Randbereich des Parks der beste oder gar alternativlose Standort sein soll, kritisiert FWG-Chef Markus Sandmann.
Auf Nachfrage habe die Verwaltung den Freien Wählern zugesichert, dass keiner der alten Bäume im Alwin-Mittasch-Park gefällt werden soll. Es seien dennoch viele Fragen offen, etwa, wo genau die Kita gebaut und wie viel Fläche dadurch versiegelt werden soll. Ungeklärt sei ebenfalls, wie ausgeschlossen werde, dass dies nur der erste Schritt für eine weitere Bebauung im Park sein könnte. Die FWG fordert deshalb von der Stadtverwaltung mehr Transparenz und Dialog mit den Bürgern – auch wenn klar sei, dass es in Friesenheim einen dringenden Bedarf an zusätzlichen Kitaplätzen gebe.
Die FWG betont außerdem, dass der Alwin-Mittasch-Park eine wichtige Grün- und Klimaachse für Ludwigshafen-Nord und Teile der Innenstadt sei. Alte Bäume wirkten dort als natürliche Klimaanlagen, spendeten Schatten, kühlten durch Verdunstung die Umgebung und verbesserten die Luftqualität; zugleich sei der Park ein unverzichtbarer Erholungsraum in einem dicht bebauten Stadtteil.
Gespräch mit OB Blettner
Auch die Bürgerinitiative „Rettet den Alwin-Mittasch-Park“ kritisiert die Stadtspitze. Die frühere Oberbürgermeisterin Jutta Steinruck habe leider nie für direkte Gespräche zur Verfügung gestanden. „Dafür haben wir vor Kurzem ein längeres Gespräch auf unsere Initiative hin mit Oberbürgermeister Klaus Blettner geführt, der die alten Pläne seiner Vorgängerin nun umsetzen – sprich: eine Kita im Mittasch-Park – bauen lassen will“, so BI-Sprecherin Annika Wind. Vor diesem Hintergrund sei auch eine Schenkung des Parks der BASF an die Stadt zu sehen, die nach Kenntnisstand der BI kurz bevorstehe. Das Areal befindet sich noch im Eigentum des Chemiekonzerns.
Der Mittasch-Park sei als Kita-Standort nicht nur aufgrund seiner Bedeutung fürs Stadtklima ungeeignet. Ein Kita-Gebäude an der Leuschnerstraße sei auch aus verkehrstechnischer Sicht äußerst problematisch. Schon jetzt sei die Parkplatz- und Anlieferungssituation durch Elterntaxis der umliegenden Schulen und den Betrieb des nahen Klinikums und Feierabendhauses sehr angespannt.
BI hinterfragt Pläne
Die BI rechnet mit einem Flächenbedarf der Kita von 2200 Quadratmetern. Das Bauprojekt dürfte daher weit über den bisherigen Parkplatz am Parkrand hinausgehen. Fraglich sei zudem, ob auf dem Parkplatz überhaupt gebaut werden könne, weil darunter eine Fernwärmeleitung liege. Zudem würde eine zweistöckige Kita den Eindruck des Parks und auch das historische Bauensemble, bestehend aus Feierabendhaus, Hohenzollernhöfen und Friedenskirche, optisch negativ verändern, argumentiert die BI. Eine neuerliche Petition zum Erhalt des Parks sei bereits von über 1000 Menschen unterzeichnet worden.
Für die Aktivisten ist unverständlich, warum die Stadt nicht eine schon betonierte und bereits als Kita-Standort genutzte Fläche hinter dem Kinderhaus am Ebertpark als Alternative zum Mittasch-Park nutzen will. Rein flächenmäßig gebe es dort ausreichend Platz für die Module der geplanten neuen Kita. Zuvor müssten die seit Jahren leerstehenden, verschimmelten Container entsorgt werden.
Stadt prüft noch
Die Stadtverwaltung erklärt auf RHEINPFALZ-Nachfrage, dass die Prüfung alternativer Standorte noch andauere. „Die Stadtverwaltung wird die Ergebnisse ihrer Standortprüfungen voraussichtlich vor der Sommerpause der Öffentlichkeit vorstellen. Daraus ergeben sich dann auch die weiteren Planungen und eine Zeitschiene für deren Umsetzung“, so eine Sprecherin.
Die BI rechnete ursprünglich damit, dass Alternativstandorte schon in der Friesenheimer Ortsbeiratssitzung am 21. April zum Thema werden könnten, doch der Punkt findet sich auf der Tagsordnung nicht. Zuvor wollen die Aktivisten mit einer Menschenkette im Park am Samstag, 18. April, ab 15 Uhr auf ihre Anliegen aufmerksam machen. Die Organisatoren rechnen mit mehreren Hundert Teilnehmern.