Ludwigshafen
„Street Docs“ haben über 500 Sprechstunden angeboten
Nach rund 4500 Behandlungen an 518 Öffnungstagen feiern die Street Docs in Ludwigshafen Jubiläum. Seit zehn Jahren öffnen jeden Mittwoch die Behandlungsräume in der Dessauer Straße 43 (Nord), der Bayreuther Straße 89 (West) und in der Kropsburgstraße 13 (Mundenheim) für Patienten am Rande der Gesellschaft, die nicht krankenversichert sind. Das Projekt feierte am Samstag das zehnjährige Bestehen.
Bisher haben 34 ehrenamtliche Helfer das Projekt unterstützt. Eine davon war die zahnmedizinische Fachangestellte Doreen Gartmann. Sie arbeitete in der Zahnarztpraxis Dhom, vor eineinhalb Jahren hat sie ihren Arbeitgeber gewechselt. Gartmann fühlt sich der solidarischen Arbeit der Street Docs aber noch immer verbunden. 2015 hat Gartmann die Anfänge des Projektes miterlebt. Sie wird emotional, als sie an die Eindrücke der ersten Sprechstunde zurückdenkt: „Wir sind am Anfang ein bisschen überrannt worden, aber es war ein toller und spannender Tag.“ Ihre Arbeit bei den Street Docs hat Gartmann mittlerweile an ihre Kolleginnen abgegeben – unter anderem an Denise Koßmehl. Diese ehrte Nina Christahl von der Ökumenischen Fördergemeinschaft (ÖFG) bei der Feier in der Protestantischen Kindertagesstätte Hummelnest für ihr ehrenamtliches Engagement.
Unbürokratische Hilfe
Peter Uebel, einer der Projektbegründer, erinnerte während der Jubiläumsfeier an die Entwicklung und die Notwendigkeit einer solchen unbürokratischen und kostenfreien medizinischen Versorgung. „Das Projekt ist gewachsen. Es war uns wichtig, dass wir es auf feste Füße stellen und auf viele Schultern packen“, sagte der CDU-Politiker und Arzt. Zahnarzt Günther Dhom fügte hinzu: „Es geht wortwörtlich um den Menschen, der am Zahn hängt. Wir arbeiten gegen die soziale Stigmatisierung und sorgen gemeinsam mit den Sozialarbeitern vor Ort für eine hoffentlich nachhaltige Hilfe.“
Zum Jubiläum kamen auch Vertreter des öffentlichen Lebens in der Stadt, etwa Baudezernent Alexander Thewalt (parteilos), stellvertretend für Oberbürgermeisterin Jutta Steinruck (parteilos). Der evangelische Dekan Paul Metzger vertrat die ÖFG – neben dem Caritaszentrum Ludwigshafen und der Wohnbaugesellschaft GAG eine der Projektträger.
Beratungsstelle für Betroffene
Seit zwei Jahren bereichert außerdem die sogenannte Clearingstelle das solidarische Projekt. Das durch Landesmittel geförderte Programm versucht, Menschen, die nicht in eine Krankenkasse einzahlen, zurück „ins System zu bringen“. Es berät unter anderem Personen ohne Krankenversicherung oder mit ungeklärtem Versicherungsstatus, mit und ohne gültigen Aufenthaltsstatus.
„Nach wie vor ist es unser Ziel, so wenig Patienten wie möglich zu behandeln“, gab Uebel zu bedenken. Die Anzahl der Menschen, die durch das soziale Raster fallen, sei zu hoch.
Ein Interview mit Peter Uebel lesen Sie hier.