Ludwigshafen RHEINPFALZ Plus Artikel Street Art am Bahnhof: Mates Wandbilder

Hübscher Blickfang: Einer Passantin in der Ludwigshafener Bahnhofsunterführung hat es Mates Graffito besonders angetan.
Hübscher Blickfang: Einer Passantin in der Ludwigshafener Bahnhofsunterführung hat es Mates Graffito besonders angetan.

Kunterbunte Liebesgrüße aus Mailand kann man sich derzeit bei einem Spaziergang entlang der Street-Art-Galerie im Ludwigshafener Hauptbahnhof anschauen. Der italienische Graffiti-Künstler Mate alias Martin Pinter Matteo hat sie bei seinem Aufenthalt im September hinterlassen. Die Stadt steht damit in einer Reihe mit Weltmetropolen, in denen er schon gewirkt hat: From Milano with Love.

Mate war alles andere als geizig, als er im vergangenen Jahr gleich zwei Wände im Hauptbahnhof zu Ludwigshafen mit seiner Fassadenkunst verschönert hat. Es sind die Gesichter attraktiver junger Damen, die der italienische Maestro in der Unterführung gemalt hat. Die Jahreszeiten spielten dabei ebenfalls eine Rolle, wie er im Gespräch verrät: „Meine Bilder repräsentieren Frühling und Sommer.“ Das ist aber noch nicht alles. Mit seinen lebensfrohen Farben hat er auch noch seinen Lieblingskapitalen ein Denkmal gesetzt, weil die beiden Damen, die er porträtiert hat, vor der Kulisse Berlins und Roms ihr Lächeln zeigen.

Wer dieser Tage an den Murals, wie solche großen Wandbilder heißen, vorbeiflaniert, bekommt mit jedem Schritt eine subtile Dosis Glück serviert. Die Porträts sind ein hübscher Blickfang, der viele Passanten davor verweilen lässt. So wie die junge Frau mit der markanten Afrofrisur, der es der Graffito einer strahlenden Blondine angetan hat, die wiederum in einem Feld voller Rosen und Sonnenblumen vor dem Brandenburger Tor steht. Die Szene wirkt, als würden das Bild und dessen Betrachterin zu einem einzigen Kunstwerk verschmelzen.

In vier Tagen zwei Wandbilder

Mate ist einer von mehr als zwanzig internationalen Graffiti-Künstlern, die im vergangenen Jahr hier im Auftrag der Deutschen Bahn aktiv waren. „Das war das erste Mal, dass ich in Ludwigshafen war“, erzählt er. „Es war eine tolle Zeit.“ Vier Tage habe er für seine beiden Wandbilder gebraucht, die er ausschließlich mit Sprühfarben aus der Dose gemalt habe. Für die Grundierung habe er eine Farbrolle benutzt. Ansonsten sei das alles ziemlich „old school“ abgelaufen.

Mate fing schon an der weiterführenden Schule in seiner Geburtsstadt Mailand an, sich für das Spiel der Farben zu interessieren. „Ich habe so oft wie möglich Fächer wie Fotografie, Grafik und Videotechnik belegt“, erinnert er sich. Seine Passion brachte ihn nach dem Abitur dazu, sich an der Akademie der Schönen Künste mit dem Schwerpunkt Chalkographie einzuschreiben. „Das Studium der traditionellen Technik hat mir dabei geholfen, meinen Weg zu finden, aber alles, was ich heute über Graffiti weiß, habe ich mir selber beigebracht“, sagt der Autodidakt. Die beste Universität für einen Graffiti-Künstler ist nach wie vor die Straße. Auf seinem Weg begegneten ihm bekannte Kollegen wie Daim, Loomit, Sneak und Reak, die ihn mit ihrer dreidimensionalen Maltechnik inspiriert haben. Mit den Jahren wurde sein eigener Stil deutlich figürlicher und entwickelte sich in Richtung Street Art.

Schön anzuschauen und eine Menge Charakter

Vor zwei Jahren haben „Mate“ und seine Frau die Entscheidung getroffen, ihren Lebensmittelpunkt nach Berlin zu verlegen. Die pulsierende Künstlerszene in der deutschen Hauptstadt hatte es ihnen angetan. Die Vorgeschichte seines jüngsten Engagements in Ludwigshafen reicht, wenn man es genau nehmen möchte, sechs Jahre zurück, als er Manuel Gerullis, den Gründer des Meeting of Styles-Festivals (MOS) in Wiesbaden, traf. „Das war bei einem Festival in Athen“, erzählt er. Später sei er regelmäßig der Einladung seines neuen Freundes in die hessische Landeshauptstadt gefolgt, um dort im Rahmen des MOS zu sprühen. 2020 übernahm Manuel Gerullis auch die Planung der Bildergalerie in Ludwigshafen.

„Manuel hat mich im letzten Sommer angerufen und gefragt, ob ich Zeit hätte, bei dem Projekt in Ludwigshafen mitzumachen“, erinnert sich Mate. „Ich habe sofort zugesagt, weil ich das nicht nur als Künstler äußerst reizvoll fand.“ Es sei darüber hinaus die Aussicht gewesen, mit kreativen Freunden aus verschiedenen Ländern zu arbeiten und Spaß zu haben, die ihn begeistert habe. Im September traf er schließlich in der Stadt am Rhein ein. Seine Murals, die nun Teil der Bildergalerie in jener Unterführung sind, sind die jüngsten Zeugen für den kreativen Weg, den er vor Jahren eingeschlagen hat. Sie sind schön anzuschauen, und sie haben eine Menge Charakter, was nicht nur Anhängern der modernen Dosenkunst sogleich ins Auge sticht. Keine Frage.

Zur Serie

Mit der Spraydose gegen die Tristesse: Das Kollektiv Buntic Media ist damit beauftragt worden, den Ludwigshafener Hauptbahnhof mit Murals zu gestalten. In unserer Serie stellen wir die Künstler und Werke vor.jel

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