Ludwigshafen Stilles Gedenken an die Opfer zweier Explosionen

OB Jutta Steinruck (links) und Melanie Maas-Brunner bei der Kranzniederlegung.
OB Jutta Steinruck (links) und Melanie Maas-Brunner bei der Kranzniederlegung.

Bei zwei Gedenkveranstaltungen am Freitag haben Vertreter des Chemieunternehmens BASF und der Stadt Ludwigshafen gemeinsam an die Opfer der schweren Explosionsunglücke der Jahre 1943 und 1948 erinnert, die sich vor genau 75 und 80 Jahren ereignet haben.

Oberbürgermeisterin Jutta Steinruck (SPD) und Melanie Maas-Brunner, Mitglied des Vorstands und Standortleiterin der BASF in Ludwigshafen, legten an beiden Ehrenmalen auf dem Hauptfriedhof und dem Friedhof Friesenheim Kränze zu Ehren der Opfer nieder. Zu den Gedenkveranstaltungen kamen neben Vertretern des Konzerns, Mitarbeiter der Verwaltung sowie Stadt- und Ortsbeiräte. Sie nahmen teil an einer Zeremonie des schlichten und schweigenden Gedenkens.

Ungeheures Ausmaß der Zerstörung

„Der Sommer 1948 war ähnlich heiß wie in diesem Jahr. Die D-Mark war gerade eingeführt, nach zwei Hungerjahren die Ernährung endlich wieder gesichert. Da explodiert am 28. Juli um 15.43 Uhr auf dem Werksgelände der BASF ein Kesselwagen, der mit etwa 30 Tonnen Dimethylether befüllt war“, erinnerte Steinruck am „BASF-Ehrenfeld 1948“ auf dem Hauptfriedhof. Bei der Katastrophe seien 207 Menschen gestorben, 3818 seien teils schwer verletzt, 3122 Gebäude beschädigt worden, beschrieb sie das ungeheure Ausmaß der Zerstörung. Sogar in Worms hätten Fenster gewackelt.

Stelen, die an die Opfer erinnern.
Stelen, die an die Opfer erinnern.

Laut Steinruck waren unter den Toten auch zwei französische Mitglieder der Werksverwaltung. Denn die BASF habe damals unter der Zwangsverwaltung der französischen Besatzungsmacht gestanden. Bei der Bergung der vielen Opfer hätten neben den Kräften aus der Region auch Angehörige der französischen und der in Mannheim stationierten amerikanischen Armee umfangreiche Hilfe geleistet. Selbst in der kalifornischen Partnerstadt Pasadena habe man für die Opfer Spenden gesammelt, sagte die OB.

Kesselwagen überfüllt

Wie spätere Untersuchungen zeigten, war der Kesselwagen mit Dimethylether vermutlich überfüllt gewesen. Bei Temperaturen von 33 Grad an diesem Tag hatte sich im Kessel in der prallen Sonne hoher Druck aufgebaut. Durch eine undichte Schweißnaht konnte an einer Stelle Gas entweichen, die Gaswolke mischte sich mit der Luft und entzündete sich. Als der Kesselwagen dadurch umkippte, konnte eine große Menge Gas austreten. Es kam zu einer zweiten Explosion von gewaltigem Ausmaß.

Der Vorfall besitzt viele Parallelen mit einem Explosionsunglück, das sich in der BASF bereits fünf Jahre zuvor, am 29. Juli 1943, noch zu Kriegszeiten, ebenfalls mit einem Kesselwagen auf dem Gelände des damaligen Werks der IG Farben ereignet hatte. Dabei starben 64 Menschen, 526 wurden verletzt. „Unter den Toten befanden sich 17 Zwangsarbeiter“, sagte Melanie Maas-Brunner. Über dieses Unglück ist weit weniger bekannt. Eine Presseberichterstattung fand damals nicht statt, alles unterlag der Geheimhaltung.

BASF-Standortleiterin Melanie Maas-Brunner (vorne) und Oberbürgermeisterin Jutta Steinruck bei der Gedenkfeier auf dem Hauptfrie
BASF-Standortleiterin Melanie Maas-Brunner (vorne) und Oberbürgermeisterin Jutta Steinruck bei der Gedenkfeier auf dem Hauptfriedhof.

Wie später bekannt wurde, war ein Kesselwagen eines Güterzugs mit einem verflüssigten Gemisch aus leicht entzündlichem Butadien und Butylen befüllt. Auch hier wird als Ursache eine Überfüllung des Kessels in Kombination mit großer Sommerhitze angenommen.

Dank an die Blaulichtfamilie

Wie Maas-Brunner sagte, gelte es, an diesem Tag aller Opfer beider Explosionsunglücke zu gedenken. Viele Opfer seien in ihren Heimatgemeinden beigesetzt worden. Auf dem Friedhof in Friesenheim erinnern seit 2019 Inschriften auf dem Ehrenfeld an die Unglücke. Hier liegen die Opfer des Unglücks von 1943 begraben, die nicht identifiziert werden konnten.

„Das Schicksal der Opfer und ihrer Familien lässt uns bis heute nicht ruhen. Deswegen ist es uns ein besonderes Anliegen, an diese Menschen zu erinnern, und an die Risiken, mit denen wir trotz aller menschlichen Sorgfalt in einer Industriegesellschaft konfrontiert sind“, sagte Steinruck. „Es ist mir gleichzeitig ein Bedürfnis, denen zu danken, die damals geholfen haben, über tiefe Gräben hinweg, die durch den Zweiten Weltkrieg entstanden sind. Mein Dank geht darüber hinaus auch an die Menschen, die heute in der sogenannten Blaulichtfamilie alles tun, um die Sicherheit und den Schutz der Menschen in unserer Stadt zu gewährleisten“, fügte die OB hinzu.

x