Ludwigshafener Geschichte(n) RHEINPFALZ Plus Artikel Steiniger Weg für Frauen in die Politik

Frauen demonstrieren in der Landeshauptstadt München fürs Wahlrecht.
Frauen demonstrieren in der Landeshauptstadt München fürs Wahlrecht.

Das Ende der Monarchie und der damit verbundene Übergang zur ersten Demokratie auf deutschem Boden hat es 1918 ermöglicht, dass sich Frauen erstmals unmittelbar ins politische Geschehen einschalten konnten. Die Einführung des aktiven und passiven Wahlrechts war ein bedeutsamer Fortschritt auf dem Weg zur Gleichberechtigung – auch wenn dieser Weg in den unruhigen Jahren nach dem Ersten Weltkrieg holprig und dornig blieb.

Der 12. November 1918 bescherte den Frauen erstmals die Chance zum Einzug in die Parlamente auf allen politischen Ebenen. An diesem Tag verfügte der Rat der Volksbeauftragten, die damalige provisorische Regierung der Weimarer Republik, unter dem Vorsitz des späteren Reichspräsidenten Friedrich Ebert im Reichsgesetzblatt die Wahlberechtigung „aller mindestens 20 Jahre alten männlichen und weiblichen Personen“.

Für einige Frauen war das der Beginn einer politischen Karriere. 1919 zog als erste Frau der Pfalz die Ludwigshafenerin Therese Schmitt als Mitglied der Bayerischen Volkspartei (BVP) in den bayerischen Landtag in München ein. Ein Jahr später rückte die Ludwigshafener Hauptlehrerin Klara Barth (ebenfalls BVP) ins Münchener Parlament nach, dem sie bis 1933 angehörte.

In der verfassungsgebenden deutschen Nationalversammlung, die vom 6. Februar 1919 bis 21. Mai 1920 in Weimar tagte, saßen unter 423 Abgeordneten 37 Frauen (8,7 Prozent), aber keine einzige Pfälzerin. Die Pfalz wurde damals vertreten von den drei Ludwigshafener Abgeordneten Jakob Binder (SPD), Hermann Hofmann (Zentrum) und Fritz Raschig (DDP) sowie Johannes Hoffmann (SPD) aus Kaiserslautern, Johann Richter (Zentrum) aus Germersheim und dem fraktionslosen Karl Gebhart (Kusel).

Erstmals ein Kreistag gewählt

In der Pfalz wurde am 18. April 1920 erstmals ein Kreistag gewählt, der Vorläufer des heutigen Bezirkstags. Auf der SPD-Liste stand damals mit der 36-jährigen Rosine Speicher auch eine Ludwigshafenerin. Doch auf Listenplatz 14 ihrer Partei hatte sie keine Chance auf den Einzug ins Regionalparlament. Den schaffte nur Marie Foohs (BVP), Witwe eines Landgerichtsdirektors. Trotz zum Teil günstiger Platzierungen auf den Wahllisten ihrer Parteien scheiterten Fanny Riffel (Neustadt), Henriette Roth (Zweibrücken) und Anna Daum (Grünstadt) im ersten Anlauf. Als Nachrückerinnen wurden dann jedoch am 2. August 1921 Henriette Roth (für den Landauer Bürgermeister Friedrich Mahla), am 10. Dezember 1921 auch Fanny Riffel (für den Ludwigshafener Wilhelm Osterheld) Kreistagsabgeordnete, so dass schließlich drei Frauen gemeinsam im Pfälzer Parlament saßen, wo sie Berichten der damaligen Zeit zufolge „äußerst aktiv“ waren.

Die Ludwigshafenerin Therese Schmitt zog als erste Frau der Pfalz in den Landtag ein.
Die Ludwigshafenerin Therese Schmitt zog als erste Frau der Pfalz in den Landtag ein.

Bei den nächsten Kreistagswahlen im Jahr 1928 war für das weibliche Trio dann aber Schluss, keine schaffte den erneuten Einzug ins Parlament. Das gelang in diesem Jahr als einziger Frau der 56-jährigen Luise Harteneck (DDP) aus Landau, die sich ihre ersten politischen Sporen als Landauer Stadträtin (1920-1924) verdient hatte. Sie kapitulierte jedoch schnell vor der überwältigenden männlichen Übermacht und gab ihr Mandat zugunsten ihres DDP-Parteifreundes Heinrich Saul (Neustadt) auf.

Nach 1933 gab es für die kommenden rund 17 Jahre keine Frau mehr im Pfälzer Kreistag, der seit 1938 seinen heutigen Namen Bezirkstag trägt. Das ließ die Weltanschauung der Nationalsozialisten nicht zu. Erst bei der ersten Bezirkstagswahl nach dem Zweiten Weltkrieg am 16. Januar 1950 zogen auch wieder zwei Frauen ins Pfälzer Parlament ein: die beiden SPD-Politikerinnen Luise Herklotz (Speyer) und Ella Weiss (Frankenthal).

In Ludwigshafen hatten es Frauen in der Kommunalpolitik schwer, nach vorne zu rücken. Zwar hatten Politikerinnen wie Henny Roos (SPD) oder Betty Impertro (CDU) in ihren Parteien einen guten Ruf, aber in einflussreiche Ämter und Würden rückten sie nicht. Erst Eva Lohse (CDU) als erste Frau von 2002 bis 2018 im Oberbürgermeister-Sessel und nach ihr Jutta Steinruck (SPD, jetzt parteilos) brachen den Bann. Mit Cornelia Reifenberg (CDU) gehört eine weitere Frau zur Ludwigshafener Stadtführung. Der Weg von der ersten weiblichen bayerischen Landtagsabgeordneten aus der Pfalz von 1919 bis zur Gegenwart war eben holprig und dornig.

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