Ludwigshafen Starke Schultern für die Gemeinschaft

Experten in Sachen Sozialrecht: VdK-Kreisgeschäftsführer Frederic Grange mit Beraterin Tanja Keßler-Rudolphi.
Experten in Sachen Sozialrecht: VdK-Kreisgeschäftsführer Frederic Grange mit Beraterin Tanja Keßler-Rudolphi.

«Mitte.» Seit nunmehr 70 Jahren verhilft der Verband der Kriegsbeschädigten, Kriegshinterbliebenen und Sozialrentner Deutschlands (VdK) in Ludwigshafen seinen Mitgliedern zu ihrem Recht und organisiert gesellige Treffen, Ausflüge sowie Urlaubsreisen. Am 25. August wird in der Festhalle Oggersheim das Jubiläum gefeiert.

Ludwigshafen

, Fußgängerzone, Bismarckstraße 49. In hellen, lichtdurchfluteten und modern eingerichteten Geschäftsräumen residiert hier auf zwei Etagen der VdK. Nach dem Zweiten Weltkrieg als Selbstorganisation der Hinterbliebenen und Versehrten gegründet, versteht sich die Organisation heute als moderner Sozialverband. „Wir unterstützen im gesamten Sozialrecht“, sagt Kreisgeschäftsführer Frederic Grange. Also etwa in Sachen Schwerbehindertenrecht, gegenüber den gesetzlichen Krankenkassen, in der Pflege- und Rentenversicherung und gegenüber der Arbeitsagentur sowie dem Jobcenter. Vom Antrags- bis zum Widerspruchsverfahren verhilft der Verband seinen Mitgliedern zu ihrem Recht – und danach auch im Klageverfahren vor Sozialgerichten bis zum Landessozialgericht. In Ludwigshafen habe der Verband drei Berater, die über eine sozialversicherungsrechtliche oder juristische Ausbildung verfügen, erklärt Grange. So könne die Betreuung optimal gestaltet werden. „Wir haben zu dritt rund 50 bis 60 Beratungsgespräche und 80 bis 100 telefonische Anfragen in der Woche“, sagt Grange. 2017 habe das Team rund 700.000 Euro für die Mitglieder im VdK-Kreisverband erstritten. Dazu gehören auch die Außenstellen Frankenthal und Speyer, wo alle 14 Tage, und Böhl-Iggelheim, wo einmal im Monat eine Beratung angeboten wird. Der Gedanke der Selbsthilfe ist noch der gleiche wie in der Gründungszeit. Doch früher seien die Menschen aus Solidarität zum VdK gekommen, heute kämen viele eher mit einem Anspruchsdenken nach dem Motto „Was bringt das für mich?“, beklagt Grange. Der Kreisverband finanziere sich ausschließlich aus Mitgliedsbeiträgen. So sei es besonders ärgerlich, wenn Leute eintreten, sich beraten und vertreten lassen und nach Durchsetzung ihrer Ansprüche wieder austreten. Da sich dies häufe, werde bei Neumitgliedern nun eine Gebühr für die Beratung erhoben, berichtet der Geschäftsführer. Szenenwechsel zum Vereinsleben: Im schön gestalteten Hof zwischen der protestantischen Kirche und dem Oppauer Rathaus gibt sich der Ortsverband des VdK Oppau-Edigheim-Pfingstweide ein Stelldichein. Deftige Leckereien, Pfälzer Weine, Bier, Kaffee und Kuchen werden von den ehrenamtlichen Helfern angeboten. Das alljährliche Hoffest eine Woche vor der Oppauer Kerwe ist eins von zahlreichen Events, die der VdK-Ortsverband anbietet: Familiennachmittage, Muttertags- und Weihnachtsfeier sowie diverse Busfahrten stehen auf dem Programm. Auch die zentrale Veranstaltung zum Volkstrauertag darf im Kalender nicht fehlen. Fast 1000 Mitglieder habe der Ortsverband, erläutert Vorsitzender Udo Scheuermann (SPD), der zugleich Ortsvorsteher ist. „Die haben wir nur, weil wir uns um unsere Mitglieder kümmern.“ Die Leute suchten Geselligkeit, und die werde ihnen auch geboten. „Wir waren dieses Jahr mit zwei Bussen am Comer See“, berichtet der Ortsverbandsvorsitzende. Für das Hoffest biete der VdK gut 20 ehrenamtliche Helfer auf. Unter ihnen ist der rüstige Senior Georg Koob, für den Anpacken eine Selbstverständlichkeit ist. „Ich bin schon mehr als zehn Jahren dabei“, erzählt er. „Was die Oppauer da machen, ist vorbildlich“, findet der VdK-Kreisvorsitzende Uwe Bentz. Allerdings brauche es dafür Ehrenamtliche, die bei anderen Ortsverbänden leider fehlten. Durch den sozialen Umbruch, das länger und mehr Arbeiten und Abwälzen öffentlicher Aufgaben auf das Ehrenamt, werde dieses immer mehr ausgedünnt. Zudem würden die Mitglieder des VdK oft auch durch Alter und Krankheit ausgebremst. Umso unverzichtbarer sei das ehrenamtliche Engagement. „Wir wollen das Grundrecht des Artikels 1 Grundgesetz wahren“, sagt Bentz. „Die Würde des Menschen ist unantastbar.“ Daher verhelfe der VdK den Menschen nicht nur zu ihrem Recht, sondern baue sie auch wieder auf. Vielen falle es durch Krankheit und deren Folgen schwer, noch am sozialen Leben teilzunehmen. Gerade ihnen sollen nach der Vorstellung des VdK die Geselligkeit der Mitglieder, Vereinssprechstunden und Stammtische helfen.

x