Ludwigshafen Starke Frauen will keiner haben

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Das Wetter hat mitgespielt, und so konnte das Konzert mit dem lothringischen Chansonnier Marcel Adam wie geplant als Open-Air-Veranstaltung vor dem Palatinum in Mutterstadt stattfinden. In solchem Ambiente musizieren Adam und sein beiden Mitstreiter, der Akkordeonist Christian di Fantauzzi und der Gitarrist Christian Conrad, noch lockerer als in einem Saal. Und das Publikum ließ sich von der entspannten Atmosphäre anstecken.

„An einem so schönen Sommerabend singe ich keine allzu kopflastigen Lieder, sondern leichtere und schnellere“, versprach Marcel Adam dann auch zu Beginn. Der Lothringer ist ein vielseitiger Künstler, er ist Chansonnier, Liedermacher und vor allem ein begnadeter Entertainer. Er singt französisch, deutsch und elsässisch, eigene und fremde Lieder und Chansons, und er begleitet sich selbst auf der Gitarre. Allein seine Ansagen lohnen schon den Konzertbesuch. Man kann dem alerten und charmanten Mann mit dem Käppi auf dem Kopf und dem Pferdeschwanz, der die 60 schon überschritten hat, aber immer noch sehr jugendlich wirkt, stundenlang zuhören, beim Singen und beim Erzählen in seinem angenehm lothringisch-deutschen Tonfall. Man freut sich an dem jungenhaften Grinsen, das er immer auf dem Gesicht hat, wenn er augenzwinkernd eine seiner Geschichte erzählt, mit dem Publikum scherzt oder mal einen leicht frivolen Witz macht. Und alles kommt stets spontan und glaubhaft herüber. Manche Lieder sind fest eingeplant, andere scheint er aus der Laune des Augenblicks heraus auszuwählen. Schnelles Reagieren ist daher bei seinen Mitmusikern gefragt. Musikalisch kann Adam aus dem Vollen schöpfen. Neun Alben hat er bislang veröffentlicht, auch der Anekdotenschatz seines Buches „Kleinkunst ist kein Rock ’n’ Roll“ ist beachtlich. Den Abend begann er mit einem nachdenklichen Chanson von Joe Dassin, „Mon village au bout du monde“, gefolgt von Edith Piafs „Tu me fais tourner la tête“. Im heimischen Dialekt sang er über „s’ Onna uff de Bonk“, in dem er sich an die Kindheit mit seiner Großmutter im lothringischen Hambach erinnert. Ebenfalls eine Jugenderinnerung ist das bluesige „Geischderhuss“. Eine seiner CDs heißt „Starke Frauen“, von denen er sagt: „Wir Männer bewundern sie, awwer kenner will so enni han“. Und dann singt von der „Wilden Marilou“ oder zeigt sich mit offener Ironie als Fremdgänger, der selbst betrogen wird: „Noh de Liebe geh’ ich hämm zu minni Frau“. Besinnlich wurde es mit Heinz Rühmanns „Der Clown“. Ein Hauch von nostalgischer Wehmut kommt auf, wenn Adam die großen Chansons aus den 1960er und 1970er Jahren beschwört, als diese Liedgattung ihre hohe Zeit hatte und das Lebensgefühl bestimmte mit ihrer Verbindung aus Poesie, Lockerheit und Sozialkritik, Eigenschaften, die von jugendlichen Musikhörern heute nicht mehr unbedingt als cool empfunden werden. Und so ist auch etwas von Mahnung und Kritik dabei, wenn Adam etwa Reinhard Meys „Sommermorgen“ oder Hannes Waders „Heute hier, morgen dort“ vorträgt oder an klassische französische Chansons wie „Les neiges du Kilimandjaro“ von Pascal Danel oder Mort Shumans „Le Lac majeur“ erinnert. Einen wichtigen Beitrag für den Erfolg des Konzerts lieferten auch die beiden Begleitmusiker, der Gitarrist Christian Conrad und der wunderbare Christian di Fantauzzi, der auf dem Akkordeon virtuose Soli spielte und auch zu Saxophon oder Mundharmonika griff. Am Ende stehende Ovationen und die Hoffnung, dass Adam und seine Begleiter wiederkommen.

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