Mannheim RHEINPFALZ Plus Artikel „Stadt der Zukunft“: Wie es sich im Mannheimer Franklin-Quartier wirklich lebt

Daniel Hoever-Eckart, Anja Russow-Hötting und Sabrina Braun vom Bürgerverein „Mein Franklin“.
Daniel Hoever-Eckart, Anja Russow-Hötting und Sabrina Braun vom Bürgerverein »Mein Franklin«.

Aus Ex-Militärfläche mach Wohnraum: Rund 8000 Menschen leben mittlerweile im neuen Mannheimer Stadtteil Franklin. Doch den Bewohnern fehlt etwas ganz Wichtiges.

In Franklin gibt es neue Straßenbahn-Haltestellen, Hochhäuser in Buchstabenform, große Spielplätze, schicke Rad- und Laufwege. Was aus Sicht einiger Bewohner aber noch fehlt, ist das Miteinander, die soziale Infrastruktur. Daher hat sich nun der Bürgerverein „Mein Franklin“ gegründet.

Wenn es um die Frage geht, was ihnen am futuristisch anmutenden Quartier gefällt, sind sich die Bewohner Sabrina Braun und Daniel Hoever-Eckart schnell einig: der Charme durch die erhaltenen US-Kasernen, die Nähe zum Käfertaler Wald und die Idee, eine neue Heimat zu schaffen, bewog sie bereits 2018/19 dazu, den neuen Stadtteil zu beziehen. „Im Gegensatz zu alteingesessenen Stadtteilen hat man nicht das Gefühl, als Zugezogener zu gelten, wenn man mit allen gemeinsam bei null anfängt“, erklärt Braun.

Kein Fußballverein vor Ort

Diesen Pioniergeist, das Gefühl, dass Bewohner ihren Stadtteil gestalten, habe man zu Beginn auch gehabt. Ausgebremst durch Corona aber sei dieser Beteiligungsprozess in den letzten Jahren eingeschlafen. Einmal im Jahr werde zur Info-Veranstaltung der städtischen Tochtergesellschaft MWSP eingeladen. „Aber dort erfahren wir nur, was schon entschieden wurde“, so Hoever-Eckart. Man fühle sich nicht mehr mitgenommen und einbezogen. Dabei haben die Bewohner viele Ideen und Fragen, die das alltägliche Leben betreffen.

Beispiel Sport: „Meine Kinder fahre ich zum Fußball nach Feudenheim“, sagt Braun. Dabei gibt es in Franklin einen großen, blauen und nagelneuen Sportplatz, aber (noch) keinen entsprechenden Club. Viele Bewohner müssten für Vereinsaktivitäten in andere Stadtteile ausweichen. Genauso beim Einkaufen: Eisdiele, Frisör, Pizzeria, Biergarten. Vieles, was einen klassischen Stadtteil ausmacht, werde vermisst. Außer Bäckerei, Apotheke, Café in der Boulderhalle und einem Container-Supermarkt gebe es nicht viel für den täglichen Bedarf.

Grüner Hügel kommt

Zwar soll der „Grüne Hügel“ – ein begrüntes Nahversorgungszentrum – ab Mitte 2026 als Treffpunkt und wohnortnahe Versorgung für die Bewohner dienen. Doch was ist mit der Zeit bis dahin? „Sich begegnen und kennenzulernen ist hier gar nicht so einfach, wenn man keine Kinder oder einen Hund hat. Das gilt auch für die älteren Bewohner“, sagt Hoever-Eckart. Daher hat sich der Bürgerverein „Mein Franklin“ im Grunde aus Gartenzaungesprächen heraus gegründet. Um die Menschen, um Generationen zusammenzubringen und Franklin eine Stimme zu geben.

„Es geht uns um Formen der Vernetzung, wir wollen dem Stadtteil ein Gemeinschaftsgefühl, eine Seele geben. Die fehlt“, sagt Anja Russow-Hötting, die in der Wasserwerkstraße aufgewachsen ist, das in den 1950er Jahren entstandene Benjamin-Franklin-Village und seine gesamte Entwicklung also bestens kennt. Nun ist sie neben Braun und Hoever-Eckart eine von fünf Vereinssprechern.

Leere Kirche nutzen?

Kleine, soziale Initiativen, wie ein Lauftreff oder Yogakurse im Wald, wie das Künstlerhaus Barack oder das vom Nationaltheater genutzte Alte Kino gebe es bereits. Woran es aber mangele, seien Räume der Begegnungen. „Ein Gemeinschaftshaus, wo man auch mal Geburtstage feiern kann, wo man mit Veranstaltungen die hier lebenden jungen Familien, Alleinerziehende und Rentner zusammenbringen, sich austauschen und gemeinsam aktiv werden kann“, sagt Russow-Hötting.

Dafür bräuchte es keine Luxuslösung aus der Hochglanzbroschüre, sondern etwas Funktionales. Ein idealer Standort wäre die Franklin Church, die seit 2012 nicht genutzt wird. Die frühere Kirche für amerikanischer Soldatenfamilien könnte zum Bürgerzentrum werden. Mit einem interreligiösen Trägerverein, der sich schon lange um die Reaktivierung der Franklin Church bemüht, arbeitet man daher zusammen. Auch mit der MWSP suche man den konstruktiven Dialog.

Menschen miteinbeziehen

Der Stadtteil sei rasant gewachsen, die Konversionsfläche schnell entwickelt und bezogen worden. Neben dem Blick auf die Architektur müsse nun aber verstärkt der Fokus auf die Menschen geworfen werden. „Es geht um Lebensqualität und soziale Kontakte, gegen Isolation und Vereinsamung, für ein Mit- statt Nebeneinander“, so Braun. Auch eine gute Nachbarschaft mit (Alt-)Käfertal, also ein Austausch mit den bereits bestehenden Vereinen und Initiativen des Stadtbezirks, stehe auf der Agenda des Mitte Mai gegründeten Vereins, der inzwischen 68 Mitglieder umfasst.

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