Ludwigshafen Sportverein wirbt um Migranten

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Ludwigshafen. Über immer weniger Nachwuchs klagen die meisten Sportvereine. Die Handball-Jugendspielgemeinschaft Mutterstadt/Ruchheim geht dieses Problem offensiv mit einem neuen Konzept an. Sie will über das Projekt „Handball und Integration“ Kinder aus Migrantenfamilien gewinnen.

Andreas Schneider

, zuständig beim TV Ruchheim für die Jugendspielgemeinschaft (JSG) Mutterstadt/Ruchheim, hat mal fünf Jahre für die BASF in Malaysia verbracht. Er hat sich dort nicht gerade unwohl gefühlt. Er hat aber auch erfahren müssen, dass es in einem fremden Land nicht unbedingt einfach ist, Einheimische kennenzulernen. Über seine Arbeitsstelle, über die internationale Schule, auf die seine Kinder gingen, konnte er Kontakte knüpfen. Mit der Bevölkerung Malaysias an sich war dies allerdings ziemlich schwierig. „Da musste man schon selbst aktiv werden“, erzählt der 56-Jährige. Die Zeit in Malaysia hat ihn deshalb auf gewisse Weise geprägt. So geprägt, dass er nun gerne anderen Menschen, die sich in einer ähnlichen Situation befinden wie er damals, helfen möchte. Seine Malaysia-Erfahrungen sind nicht der ausschlaggebende Grund gewesen, weshalb die JSG Mutterstadt/Ruchheim das Projekt „Handball und Integration“ ins Leben gerufen hat. Aber es ist der Grund, der ihn im tiefen inneren seines Herzens antrieb und antreibt. Die Jugendspielgemeinschaft hat momentan 19 Jugendmannschaften. Sie ist laut Schneider mit rund 200 Jugendlichen die größte Jugendabteilung im Pfälzischen Handball-Verband. Trotzdem haben sie in Mutterstadt und Ruchheim die Zeichen der Zeit erkannt, wissen, dass die demografische Entwicklung eher dazu führen wird, dass es in ein paar Jahren nur noch 170 oder 180 sind. Diese Entwicklung zu bremsen ist schwer. Das weiß Schneider. Aber trotzdem will man bei der JSG nichts unversucht lassen. Daher ist man – angetrieben von dem diesjährigen Sportspendenprojekt der BASF, bei dem man auch ausgezeichnet wurde – auf die Idee gekommen, das Projekt „Handball und Integration“ in Zusammenarbeit mit der Integrierten Gesamtschule Ernst Bloch Oggersheim (IGSLO) ins Leben zu rufen. Konkret sieht das nun so aus, dass einmal die Woche Fünftklässler, nach dem Start im November 2014 sind es mittlerweile schon 30 Schüler, für zwei Stunden von Trainer Steve Simms und IGSLO-Lehrerin Sandra Senk, frühere Handball-Bundesligaspielerin bei der TSG Ketsch, betreut werden. Die Betreuung umfasst dabei Hilfe bei Hausaufgaben oder Sprachunterricht, vor allem aber sollen die jungen Migranten natürlich spielerisch an den Handballsport herangeführt werden. Schneider ist überrascht über den Zuspruch in einer Sportart, die in vielen der Länder, aus denen die Migranten stammen, eher unbekannt ist: „Körperkontakte sind beispielsweise so eine Sache. Die Angst davor müssen sie erst überwinden.“ Ziel ist es, möglichst jedes Jahr ein paar Talente für die JSG Mutterstadt/Ruchheim zu gewinnen. Schneider weiß jedoch, dass dieser zweite Schritt, die Überführung in den Verein, schwieriger als der erste ist: „Für Migrantenfamilien sind Sportvereine oftmals etwas Unbekanntes.“ Die Schule hingegen sei ein Ort des Vertrauens. „Wir investieren viel, in der Hoffnung, dass wir irgendwann etwas zurückbekommen“, sagt Schneider. Die Kooperation soll im kommenden Schuljahr ausgebaut werden. Laut Schneider befindet man sich in Gesprächen mit IGS Mutterstadt und der Grundschule Mutterstadt. Der Ruchheimer ist trotz leiser Zweifel vom Erfolg des Projekts überzeugt: „Die Menschen mit Migrationshintergrund, die wir bei uns in der Abteilung schon haben, fühlen sich wohl. Migranten müssen nur den Schritt in den Verein wagen, das ist der schwierigste.“ Dass das in einem fremden Land, in einer fremden Kultur nicht einfach ist, das weiß er auch aus eigener Erfahrung …

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