Ludwigshafen RHEINPFALZ Plus Artikel Spanische Künstlerin verewigt sich an einer Hauswand im Hemshof

Von der ersten Skizze bis zur letzten Spraydose: Ein Jahr lang beschäftigte sich die Künstlerin Lula Goce mit der Ludwigshafener
Von der ersten Skizze bis zur letzten Spraydose: Ein Jahr lang beschäftigte sich die Künstlerin Lula Goce mit der Ludwigshafener Hauswand.

Die Ludwigshafener Freiluft-Kunst-Galerie wächst weiter. Das Street-Art-Projekt „Muralu“ lässt in diesem Sommer weitere Gebäudefassaden mit fantastischen Wandmalereien erleuchten. Nach der Gartenstadt und der Valentin-Bauer-Siedlung ist nun der Hemshof Mittelpunkt des Geschehens. Geschmückt hat ihn die spanische Künstlerin Lula Goce Lopez.

Ein Cabrio nähert sich langsam dem Goerdelerplatz, stoppt, die Fahrerin zückt ihr Handy, hebt es schräg gen Himmel und macht ein Foto. Sie verweilt kurz und fährt weiter. Fußgänger und Radfahrer legen dieser Tage ein ähnliches Verhalten an den Tag. Der Grund dafür prangt majestätisch an der Hauswand, die sich an Ludwigshafen ältestes Restaurant, den Maffenbeier, anschließt. Hier entstand in den vergangenen Tagen ein Wandgemälde im Rahmen von „Muralu“, dem Street-Art-Projekt des Wilhelm-Hack-Museums.

„Muralu“ ist ein aus „Mural“, dem englischen Begriff für Fassadenmalerei, und Ludwigshafen zusammengesetztes Kunstwort. Lula Goce Lopez ist die neunte Künstlern, die eine Fassade in der Stadt schmückt. „Die größte Herausforderung war der Untergrund“, sagt die Street-Art-Künstlerin. Damit meint sie die Backsteinfassade, die sie nur mit Sprühtechniken bearbeitet. Farbroller oder Pinsel wären hier kein gutes Werkzeug gewesen, erklärt sie. Ihre jahrelange Erfahrung sei hier sicherlich hilfreich gewesen.

Erinnerung an eine Arbeit in New York

Beim Anblick ihrer bisherigen unzähligen Wandgemälde auf ihrer Webseite fällt eines im New Yorker Stadtteil Bronx mit ähnlichem Untergrund ins Auge, nur eben im amerikanischen XXL-Format. Das in Ludwigshafen dürfte ein Klacks dagegen gewesen sein. „Ja, es lief richtig gut“, schwärmt sie beim Besuch der RHEINPFALZ. Knapp eine Woche habe sie bislang gebraucht, nur noch wenige vorgezeichnete Konturen seinen auszufüllen. Zum Vergleich: Für ihr erstes Projekt veranschlagte sie noch drei Wochen.

Goce Lopez ist bekannt für ihre ausdrucksstarken Arbeiten, die Mensch und Natur zu einer poetischen Gesamtheit zusammenführen. Auf der Hemshof-Gebäudewand ist das eine junge Frau, die in Dialog mit entenartigen Paradiesvögeln tritt. „Man hat mir Details über den Stadtteil zukommen lassen. Der große Ausländeranteil des Stadtteils soll sich in dem Ganzen wiederfinden“, sagt sie und bezieht sich auf das Aussehen der jungen Frau mit dunklerer Haut und dunklem Haar. Gestern sei eine Frau vorbeigelaufen und meinte: „Das hätte ich mit elf sein können!“ Ein wirklich schönes Kompliment, wie Goce Lopez findet. Das Gemälde habe den Dialog mit der Umgebung bereits aufgenommen.

Botschaften für Passanten

Die zweite Inspiration sei das benachbarte Restaurant Maffenbeier gewesen, das den Beinamen „Gaststätte zur Jägerslust“ trägt. Es diente einst Jägern als Raststätte. Hierin liege die Symbolkraft der Fantasy-Enten. „Schon mal ,Herr der Ringe’ gesehen?“, fragt die Künstlerin. „Ein wenig haben mich auch die Elben darin inspiriert.“ Doch gräbt man tiefer, enthüllt die Schöpferin tiefere Bedeutungsschichten. „Respektiere dich selbst, achte auf die Umwelt und stoppe ab und zu, um eine Blume zu betrachten“ – dies möchte sie dem Passanten unter anderem mit auf den Weg geben, unterschwellig und nicht mit erhobenem Zeigefinger. Nein, als Aktivistin für spezielle Inhalte sehe sie sich keinesfalls.

Ihr halbes Leben hat Goce auf der Straße verbracht, im Dienste der jeweiligen Nachbarschaft, das prägt. Das Ludwigshafener Projekt hat sie insgesamt rund ein Jahr beschäftigt, von der ersten Skizze bis zur letzten Spraydose. Ausschlaggebend für die Künstlerwahl sei stets die künstlerische Signatur, die in die jeweilige Umgebung passen müsse, sagt René Zechlin, Direktor des Hack-Museums. „Wir wollen den urbanen Raum mitgestalten und Kunst nach draußen bringen. Es wird darüber gesprochen. Das ist gut, denn so erreichen wir mehr Leute.“ Das Street-Art-Projekt sei Teil einer für Herbst 2022 geplanten Ausstellung zur Bedeutung der Straße in der Kunst des 20. und 21. Jahrhunderts. Das Museum biete regelmäßig Touren zu den Wandmalereien an.

Spuren in vielen Städten hinterlassen

„Ich bin dankbar, dass ich so etwas als meinen Beruf ausüben darf“, resümiert Goce Lopez, die in Barcelona Kunst studiert hat und heute im Städtchen Baiona in der Region Galicien lebt. Durch die Kunst habe sie praktisch nebenbei die Welt gesehen: Paris, Brüssel, Grenoble, Miami oder New York. Dies sind nur ein paar Städte, in denen sie Spuren hinterlassen hat. In Deutschland hat sie sich in Hannover verewigt – und nun auch in Ludwigshafen.

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