Ludwigshafen Soziologen, die Spaß haben

Der Chor „Voices“ des MGV Frohsinn Rödersheim hatte „Herrenbesuch“. Hinter diesem Namen verbirgt sich ein Männerchor aus München, und zwar ein besonderer. Die beiden Chöre haben zusammen ein sehr schönes Konzert im Zentrum Alte Schule in Dannstadt gegeben.
Bei dem Chor „Herrenbesuch“, der in der Pfalz zu Gast war, handelt es sich in mehrfacher Hinsicht um eine besondere Truppe. Erstens, weil er komplett – auf der Bühne standen gut 20 Männer jeden Alters – aus Soziologen besteht, wie Vereinsvorsitzender Hans Jürgen Wieneke verriet. Und zweitens wegen der speziellen Musikrichtung. Seit ihrem Gründungsjahr 2006 machen sie Barbershop-Musik, wie sie vor den Zeiten des Radios in den USA entstanden ist. Immer vierstimmig, mit Sängern, den „Leads“, die die Melodieführung haben, während die anderen eine Basslinie dazu singen und wieder andere in der Höhe darüberliegende Verzierungen anbringen. Man sagt, diese Art des a-capella-Gesangs sei in den Friseurläden entstanden, wo die Kunden sich die Wartezeit mit dem Wiederholen populärer Songs vertrieben. Das konnten Gospel sein, Folksongs oder mehr oder weniger freche Songs herumreisender Revuetheatertruppen – worauf man gerade Lust hatte. So halten es auch „Herrenbesuch“, die musikalisch von Dominik Schaller geleitet werden: Ernst und heiter, deutsch, englisch, bayerisch – und probehalber auch mal pfälzisch, alles ging. Damit trafen sie sich mit dem Stil der „Voices“ unter der Leitung von Johannes Kalpers, deren Repertoire auch Lieder aus jeder Art von Genre enthält, das zu ihnen passt und ihnen Spaß macht. Es war warm im Zentrum Alte Schule, das sehr gut besucht war. Aber gemeinsames Schwitzen schweißte zusammen, schon gar, wenn es so viel zum Mitmachen, zum Lachen, Mitklatschen und Mitsingen gab. Die witzigen Moderationen von Gerhard Schaa für die „Voices“ und dem Rheinländer Wieneke für die Münchner trugen zur heiteren Atmosphäre ihren Teil bei. Die „Voices“ eröffneten den Abend mit einem Willkommenslied von Georg Friedrich Händel – wohl der älteste Komponist des Abends, gefolgt von einem romantischen schottischen Lied von Hamish McGunn („O where art thou dreaming“). Überraschend waren die drei altbekannten Volkslieder in der Interpretation der „Voices“: „Der Jäger längs dem Weiher ging“, „Als wir jüngst im Regensburg waren“ und „Kein schöner Land“. Völlig entstaubt und modernisiert, ohne dass auch nur eine Note verändert wurde, waren sie reines Vergnügen. Die beiden ersten, lustigen entwickelten sich zu kleinen Theateraufführungen. Das Auftrittslied der Herren aus München war eine eigene deutsche Version des „Y.M.C.A“-Songs der Village People, in dem sie für ihren Chor warben und zu den Proben einluden. Na, wenn das nicht wirkt! „Everything“ von Michael Bublé und „She’s always a Woman“ von Billy Joel zeigten, dass die Herren mit amerikanischem Swing und Jazz vertraut sind, „Java Jive“ aus der Prohibitionszeit ließ durchscheinen, dass das Lob vielleicht eher den Geistern, die man im Kaffee verstecken kann, galt. Der witzige Text von „Es ist gut, wenn du weißt, was du willst“ der deutschen Gruppe Ganz schön Feist bekam noch ein paar sprachliche Abwandlungen – auf bayerisch und pfälzisch etwa. Nach der Pause kamen zur Verstärkung der „Voices“ die Jugendlichen der „Swinging Teens“ mit auf die Bühne für zwei Songs, die Hans Jürgen Wieneke eingeübt hatte. Zwei Lieblingssongs der „Voices“ folgten mit „Durch die schweren Zeiten“ von Udo Lindenberg und einer bemerkenswert guten Version des amerikanischen Klassikers „Shenandoah“. Für diesen Block begleitete Eveline Hannappel am Klavier. Eine sehr bunte Mischung hatten „Herrenbesuch“ ans Ende gesetzt, vom Gospel „Roll, Jordan roll“ zum komödiantischen „Lass mich dein Badewasser schlürfen“, von Rainhard Fendrichs „Wois`d a Herz hast wi a Bergwerk“ zum Medley der Spider Murphy Gang, bei dem das Publikum lautstark in „Skandal um Rosie“ einstimmte. Dann blieb – nach den Zugaben – nur noch eins: gemeinsam feiern im Sängerheim in Rödersheim.