Ludwigshafen Sozialdezernentin in Ludwigshafen: Bilanz nach 100 Tagen im Amt

Beate Steeg bei der offiziellen Ernennung zur Dezernentin am 19. März im Stadtrat.
Beate Steeg bei der offiziellen Ernennung zur Dezernentin am 19. März im Stadtrat.

Die ersten 100 Tage sind für die neue Sozialdezernentin Beate Steeg (59, SPD) fast wie im Flug vergangen. Sie hat zig Gespräche geführt und viele Einrichtungen besucht. Zugleich bringt sie neue Ideen auf den Weg. Steeg wächst in ihre Rolle hinein, ist voller Elan und freut sich auch auf ihren baldigen Umzug nach Friesenheim.

Eine Bildercollage ziert das Büro von Beate Steeg im Stadthaus Nord am Europaplatz. Ein Geschenk der Frankenthaler SPD. Dort hat die 59-Jährige über viele Jahre den Stadtverband geleitet und die Stadtratsfraktion angeführt. Diese Ämter hat sie zum Jahreswechsel abgegeben – damit sie in Ludwigshafen an die Spitze des Dezernats für Soziales und Integration rücken konnte. Die vielen Bilder und Zeitungsausschnitte der Frankenthaler Genossen sind eine schöne Erinnerung für Steeg. Sie drücken einerseits Wertschätzung aus und zeigen andererseits, dass es für sie im beruflichen und politischen Leben gut läuft. Das veranschaulicht die Überschrift „100 Prozent für Steeg“. Während dem glücklosen Parteichef und Kanzlerkandidaten Martin Schulz 2017 das einstimmige Votum „seiner“ Genossen gar nicht gut bekommen ist, hat sich Steeg viele Jahre an der Spitze der Frankenthaler SPD behauptet, sich dort sehr viel Respekt erarbeitet und ist nun noch eine Karriereleiterstufe nach oben geklettert. Die 59-Jährige war ab 2004 als Bereichsleiterin Steuerung schon eine wichtige Managerin des Dezernats. Seit 1. Januar steht sie nun an dessen Spitze – als Nachfolgerin des in den GAG-Vorstand gewechselten Wolfgang van Vliet (60, SPD). Mit ihm hat sie über viele Jahre eng zusammengearbeitet. Dass sie jetzt selbst die Chefin ist und als Dezernentin auch im politischen Rampenlicht steht, seien die „spannenden Momente“ ihres Rollenwechsels. Ansonsten beschäftige dieser sie nicht wirklich. Denn: „Seit wir am 2. Januar angefangen haben, gibt es einfach richtig viel Arbeit.“ Sie selbst spricht mit Blick auf die ersten 100 Tage über eine Phase des Reinwachsens. Dass sie das Dezernat, die Mitarbeiter und viele Kooperationspartner schon gut kenne, „ist auf alle Fälle ein Vorteil“. Da sie als Bereichsleiterin auch schon eine Führungsaufgabe hatte, sei sie es gewohnt, zu delegieren und Fäden zusammenzuführen. In ihrer Rolle als Dezernentin sei sie also „weiterhin Beate Steeg“. Ihren Führungsstil beschreibt sie als „kommunikativ und situativ“. Und klar sei: „Es geht nur im Team.“ Im Gespräch fallen zwei Eigenschaften besonders auf: Steeg, die seit 40 Jahren bei der Stadt arbeitet, kann herzlich lachen und im nächsten Moment ganz konzentriert ihre Themen und Positionen erläutern. Dass sie im Sozialbereich zu 92 Prozent Pflichtaufgaben erfüllen muss, also Bundes- und Landesgesetze umzusetzen hat, macht den Job für sie nicht unattraktiv. „Das ist natürlich ein Korsett. Aber es ist ja gut, dass wir die Sozialsysteme haben.“ Damit die Stadt im Sozialbereich weiter gut aufgestellt sei, müssten auch dringend weitere bezahlbare Wohnungen her. Bei diesem Thema ist Steeg ganz nah bei Oberbürgermeisterin Jutta Steinruck (55, SPD). Ohnehin sei die Arbeit im Stadtvorstand sehr angenehm. „Wir haben alle das Wohl der Stadt im Blick.“ Da sie die Arbeit Wolfgang van Vliets ja mitgestaltet und wertgeschätzt habe, setze sie grundsätzlich auf ein „Weiter so“. Aber nicht aus Bequemlichkeit, sondern „damit die Nahtlosigkeit gewährleistet ist“ für Projekte und Programme – was im Sozialbereich wichtig sei. Dass eine Neue eigene Ansichten, Ideen und Ansätze einbringe und dabei einen eigenen Stil habe, sei zudem völlig normal, findet sie. Deshalb führt Beate Steeg zig Gespräche mit ihren Mitarbeitern und den Partnern im Sozialbereich sowie den Ortsvorstehern und Kirchen. „Ich will wissen, wie sie die Situation beurteilen und wo sie Ansätze für Neues oder Anderes sehen.“ Das sei auch die Aufgabe im Bereich Integration. Nachdem es zunächst ab 2015 darum gegangen sei, den ankommenden Flüchtlingen ein Dach über dem Kopf zu geben, „rücken jetzt die Themen Ausbildung und Arbeit in den Fokus“. Zugleich, das betont Steeg ausdrücklich, „dürfen wir auch die anderen Gruppen nicht vergessen. Es geht ums Ausbalancieren aller Zielgruppen, die unsere Hilfe nötig haben“. Dass wegen der Verschuldung die Aufsichtsbehörden bei vielen freiwilligen Aufgaben den Riegel vorschieben, erschwere die Arbeit, räumt die Dezernentin ein. Sie betont für ihre Bereiche aber auch: „Ohne das Ehrenamt funktioniert vieles nicht, daher dürfen Kürzungen von Vereinszuschüssen nicht sein.“ Ebenso töricht wäre es ihrer Meinung nach, bei der Kriminalprävention den Rotstift anzusetzen. „Die aktuelle Debatte zum Berliner Platz zeigt ja die Brisanz des Themas.“ Gestalten müsse ihr Dezernat bei Pflichtaufgaben auch insofern, „da viele Programme nur befristet sind oder nicht passgenau angewendet werden können“. Wichtig ist ihr der Ausbau der Sozialarbeit in den Stadtteilen – sie freue sich schon auf das nächste „Soziale Stadt“-Projekt in Süd. Als Dezernentin wolle sie weiterhin oft zu Veranstaltungen gehen und viele Einrichtungen besuchen – etwa demnächst die Feuerwehr. „Das drückt für mich die Wertschätzung der Arbeit der anderen aus. Und ich will dort hören, was gedacht wird, was die Themen sind.“ Ihre Arbeitstage seien zwar lang, da sie aber ihre politischen Ämter in Frankenthal abgegeben habe, „sind die Tagesabläufe logistisch sogar einfacher als früher“. Das wird bald noch ein Stückchen besser. Denn Steeg will von Eppstein nach Friesenheim umziehen. „Dann kann ich auch mit dem Rad oder zu Fuß zur Arbeit.“

Blumen nach der Dezernentenwahl am 11. Dezember im Stadtrat.
Blumen nach der Dezernentenwahl am 11. Dezember im Stadtrat.
Mit Oberbürgermeisterin Steinruck (links) nach der Nominierung durch die SPD am 1. Dezember 2017.
Mit Oberbürgermeisterin Steinruck (links) nach der Nominierung durch die SPD am 1. Dezember 2017.
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