Mannheim RHEINPFALZ Plus Artikel Songs als Therapie: Paul Gerlinger ist bekannt für hintergründige Texte

Paul Gerlinger kommt auch ganz gut alleine klar. Seit der Auflösung des Duos Flourishless will er sich nicht weiter „auf Englisc
Paul Gerlinger kommt auch ganz gut alleine klar. Seit der Auflösung des Duos Flourishless will er sich nicht weiter »auf Englisch durchwursteln« und schreibt seine Texte konsequent auf Deutsch.

„Vielleicht sollten sich mehr Leute mal alleine hinsetzen und nachdenken“ meint Singer-Songwriter Paul Gerlinger. Der Mannheimer ist bekannt für hintergründige und melancholisch klingende Songs. Gerade hat er seine erste Single veröffentlicht: „Gut allein“ stellt das popmusikalische Klischee der Zweisamkeit in Frage – aus Überzeugung.

„Deine fröhlichen Texte sind immer noch melancholischer als meine traurigsten Lieder“, habe mal eine Songwriter-Kollegin zu ihm gesagt, erzählt Gerlinger im Gespräch. „Vielleicht ist das einfach mein Stil, so dass auch Sachen, die ich positiv meine so rüberkommen“, fügt er hinzu. Manche meinen, er sei depressiv, aber so sieht er sich nicht.

Tatsächlich ist sein Song „Gut allein“ weder Trübsal blasen, noch Jammern. Viel mehr klingt es nach einer selbstbewussten Botschaft eines introvertierten Menschen – Ähnlichkeiten zu Gerlinger sind nicht zufällig. Im Song singt das lyrische Ich des Sängers an eine Freundin, die sehr gerne in Gesellschaft anderer ist, was aber ihm selber nicht so liegt. Und so stellt er fest, dass es vielleicht doch keinen gemeinsamen Weg als Paar gibt. Aber im Gegensatz zu vielen Songs, in denen Alleinsein eine Katastrophe ist, singt er „ich war immer gut allein“ und bleibt gelassen. „Mir sagen Leute manchmal, ich sei so unsozial, wenn ich zuhause bleiben möchte und lieber meine eigenen Sachen machen möchte“, sagt der 25-Jährige. „Ich bin gerne mit Leuten zusammen, wenn ich das Gefühl habe, die Zeit mit ihnen gibt mir etwas.“

Produzent stellt Posaunen und Streicher dazu

Bis zum vergangenen Jahr war Gerlinger zusammen mit Phillip Valentin das Duo Flourishless. Valentin zog sich wegen Beruf und Familie aus der Musik zurück, Gerlinger macht allein weiter und ändert auch etwas am Stil: Er schreibt jetzt konsequent auf Deutsch. „Du wurstelst dich durch Englisch, dabei hast du doch eine Muttersprache, die du viel besser beherrschst“, habe er sich gesagt. Die Songs produziert und arrangiert Michael Herzer. Der Mannheimer ist studierter Kontrabassist und bekannt als Komponist und Produzent. Er hat Gerlingers Song mit Streichern und einer Posaune versehen, es gibt auch eine „kleine“ Version für die Bühne, bei der Herzers Tochter Juliane Cello spielt. Sie war schon beim Konzert auf der Sommerbühne der Alten Feuerwache im vergangenen Sommer dabei und erwies sich als gelungene Bereicherung des Sounds. Der singende sonore Ton ihres Instruments unterstreicht an den richtigen Stellen, auch geben manche gezupfte Akkorde oder Slides dem Gesamtklang neue Farbtupfer.

Ein ganz anderer Brotjob

Die deutschen Texte, die da schon zu hören waren, sind in Ton und Inhalt die konsequente Fortsetzung der bislang englischen Melancholie. Und auch da knarzt es in der Beziehungskiste: „Weil keiner aufsteht und geht, bleiben wir unzufrieden liegen und hoffen dereinst uns selbst zu besiegen ...“ Seine Songs seien eine Art Therapie, sagte Gerlinger vor dem Konzert. Die Stimmung war auch ohne aufgesetzte Fröhlichkeit toll, der Künstler bekam enorme Resonanz und jubelnden Applaus.

Tagsüber hat Gerlinger einen anderen Beruf, er ist Niederlassungsleiter einer großen Spedition in Mannheim. Transport und Logistikwesen hat er studiert, der Beruf mache ihm Spaß. Und gerade jetzt sei er froh darum, einen krisenfesten Job zu haben. „Ich habe die Freiheit, Musik zu machen. Ich muss es nicht machen, um meinen Lebensunterhalt zu verdienen“, sagt er. Und da im Moment auch keine Konzerte und Tourneen abzusehen seien, gebe es das auch keine Konflikte. Den Beruf wolle er weiter behalten.

Was die Musik betreffe, sei er zuversichtlich. Gerlinger hat noch weiteres Material fertig, die zweite Single „Kein Tag“ ist gerade herausgekommen, im Sommer soll eine EP folgen. Das sei die Strategie seines Labels Bube, Dame, König, Artist in Berlin. „Die Resonanz bis jetzt ist sehr gut, einige Radiosender haben den Song in die Rotation genommen“, sagt er. Bislang werde seine Musik digital vertrieben. Einen physischen Tonträger habe er derzeit nicht geplant, weil das kaufmännisch nicht sinnvoll sei.

Im Netz

Paul Gerlinger ist auf allen Streaming- und Downloadportalen zu hören. Zu „Kein Tag“ und „Gut allein“ gibt es auf Youtube Videos und eine Live-Version mit Juliane Herzer am Cello. Seine Homepage: https://www.paulgerlinger.de
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