Ludwigshafen So wird vielleicht ein Schuh draus
Es gibt ihn auch in Ludwigshafen: den syrischen Arzt, der Asyl in Deutschland sucht. Tatsächlich sind die allermeisten Flüchtlinge aber nicht für den ersten Arbeitsmarkt qualifiziert. Die Agentur für Arbeit und das Jobcenter bemühen sich, sie so schnell wie möglich in eine Beschäftigung zu bringen. Dafür stehen rund 2,25 Millionen Euro zur Verfügung.
Bedarfsgemeinschaft, Bildungsabschluss und Bewilligungsbescheid: Selbst von Menschen, die nach einigen Monaten in Deutschland fleißig unsere Sprache gelernt haben, kann man nicht unbedingt erwarten, sich in der hiesigen Bürokratie mit ihren mitunter etwas sperrigen Begrifflichkeiten zurechtzufinden. Die Arbeitsagentur und das Jobcenter freuen sich daher über jeden Besucher, der seinen eigenen Übersetzer ins Arabische, Persische oder Englische gleich mitbringt. „Wir bemühen uns deshalb, noch am gleichen Tag ein erstes Gespräch mit ihm zu führen“, sagt Anja Hölscher, die Geschäftsführerin des Jobcenters Vorderpfalz. „Wir können nicht erwarten, dass er am nächsten Tag mit dem Dolmetscher wiederkommt.“ Ob die Agentur für Arbeit oder das Jobcenter für einen geflüchteten Menschen und seine Integration in den deutschen Arbeitsmarkt zuständig sind, ist von dessen Status abhängig. Solange das Asylverfahren noch läuft, wird er von der Arbeitsagentur betreut. „Das sind zurzeit über 600 Menschen in Ludwigshafen, Frankenthal, Speyer und im Rhein-Pfalz-Kreis“, sagt Daria Hartmann, Migrationsbeauftragte und Leiterin des im November 2015 gegründeten Teams Asyl und Flucht der Arbeitsagentur. Das Jobcenter kümmert sich um anerkannte Asylbewerber, in der Vorderpfalz zurzeit um etwa 1200 Menschen. Beide Institutionen haben für die Betreuung von Flüchtlingen deutlich Personal aufgestockt. Das Jobcenter hat 15 zusätzliche Mitarbeiter eingestellt, „und es sollen noch weitere kommen“, sagt Hölscher. Bei der Arbeitsagentur arbeiten im neuen Team Asyl und Flucht acht Männer und Frauen in den verschiedenen Geschäftsstellen. Sie sprechen neben Deutsch und Englisch auch Arabisch, Persisch und Dari, die Amtssprache Afghanistans. An manchen Tagen sprechen allerdings so viele Besucher vor, dass nicht für jeden immer gerade der passende Übersetzer zur Verfügung steht – weswegen der eingangs erwähnte eigene Dolmetscher in Person eines Freundes oder Angehörigen so wichtig ist. Kontakt findet die Arbeitsagentur zu Flüchtlingen auch bei Informationsveranstaltungen in Unterkünften und über Ehrenamtliche in der Flüchtlingshilfe. Den Durchschnittskunden beschreiben beide Institutionen als „männlich, jung, motiviert und mit sehr unterschiedlichen Bildungsqualifikationen“. In den Gesprächen geht es zunächst darum, die beruflichen Kompetenzen und die sprachlichen Fähigkeiten festzustellen. Danach können sie in Maßnahmen oder Praktika zur Vorbereitung auf eine Ausbildung vermittelt werden – und im besten Fall in eine Stelle auf dem ersten Arbeitsmarkt. Die fünf Integrationen in sozialversicherungspflichtige Beschäftigungsverhältnisse seit November wertet Hartmann als Erfolg. Es sei, sagt sie, „eine sehr idealistische Vorstellung, Kunden nach drei Monaten in den Arbeitsmarkt zu integrieren“. Ihre Kollegin vom Jobcenter gibt das Ziel aus, „zehn Prozent der Erwerbsfähigen zu integrieren“. Beide Institutionen betonen, dass Flüchtlinge generell nicht anders behandelt werden als einheimische Kunden – und dass gleichzeitig niemand fürchten muss, wegen der Betreuung Asylsuchender eine Leistung nicht zu bekommen. Dem Jobcenter Vorderpfalz steht rund eine Million Euro zusätzlich für die Betreuung der Flüchtlinge zuständig, das Budget der Arbeitsagentur Ludwigshafen wurde dafür um etwa 1,25 Millionen Euro aufgestockt. „Das ist genug Geld, es wird nicht zu einem Verteilkampf kommen“, sagt Hölscher. Und Hartmann betont: „Unser Maßstab sind die Gesetze, und die gelten für alle gleich.“ Auch beim Prinzip „Fördern und Fordern“ und bei etwaigen Sanktionen würden keine Unterschiede gemacht. In Ludwigshafen sieht man sich für die Herausforderungen durch die große Zahl an Zuwanderern gut gerüstet. Dank bisheriger Erfahrungen mit der kulturellen Vielfalt der Kunden, dank des 2011 gegründeten „Service-Point Migration“ , einer gemeinsamen Anlaufstelle von Agentur und Jobcenter, und dank vieler Tagungen und Arbeitskreise sei das Thema nicht neu. „Das müssen andere sich erst erarbeiten“, sagt Hölscher. Bei Bedarf könne man jederzeit intern umstrukturieren und mehr Mitarbeiter für die Betreuung Geflüchteter abstellen. Denn wie sich die Situation entwickeln wird, kann natürlich niemand vorhersehen. Wohin die Flüchtlinge ziehen, wenn mit ihrer Anerkennung die Residenzpflicht endet, welche politischen Entscheidungen in Berlin getroffen werden, ob in Syrien irgendwann Frieden herrschen wird – all das wird in Ludwigshafen genauso verfolgt wie anderswo. „Wir versuchen“, sagt Anja Hölscher, „einfach so gut wie möglich vorbereitet zu sein.“