Interview
Skatenight: Organisator Bernhard Miller über Baustellen und besondere Momente
Herr Miller, wie lief der Auftakt zur diesjährigen Skatenight-Saison?
Prima, mit rund 150 Teilnehmern bei der ersten Veranstaltung sind wir sehr zufrieden. Im Laufe des Jahres werden das erfahrungsgemäß noch mehr werden. Und die Stimmung war schon mal sehr gut. Was uns freut: Es waren viele Anfänger dabei, sogar einige Familien mit Kindern sind mitgefahren. Das macht Lust auf mehr.
Neun weitere Läufe sind in diesem Jahr geplant. Worauf dürfen sich die Skater freuen?
Wie beim Auftakt werden wir noch zweimal über die Parkinsel fahren. Dann geht es in die Außenbezirke, etwa in die Gartenstadt, nach Oggersheim oder in den Norden nach Oppau. Höhepunkte werden sicher wieder unsere Überlandtouren nach Altrip, Maxdorf und Mutterstadt sein. Wenn man bei Sonnenuntergang die Landstraße entlanggleitet, kommt richtig Stimmung auf. In diesem Jahr bedienen wir uns im Prinzip aus einem Pool von sieben Routen, die wir durchwechseln und variieren. Alle Strecken sind etwa 29 Kilometer lang, eine Überlandtour ist etwas länger. Start und Ziel ist immer am Hauptbahnhof. Um die vielen Baustellen in der Innenstadt zu meiden, geht es am Jacob-Von-Lavale-Platz los.
Sie haben die Baustellen angesprochen. Ist die Planung in diesem Jahr besonders schwierig?
2024 können wir keine Strecke fahren, die wir fertig im Kasten hatten. Wir müssen jede Tour der aktuellen Baustellenlage anpassen. Die Planung ist schon seit einigen Jahren eine Herausforderung und wird es sicherlich in den nächsten fünf bis sechs Jahren auch bleiben. Zum Glück werden wir hervorragend von der Stadt unterstützt. Die Verwaltung informiert uns rechtzeitig über geplante Baustellen und Straßensperrungen. Dafür sind wir sehr dankbar.
Worauf achten Sie noch bei der Planung der einzelnen Routen?
Im Organisationsteam sind wir alle Skater, die regelmäßig in ihrer Freizeit fahren und die Stadt gut kennen. Wir schauen nach attraktiven Strecken und wählen dafür Straßen aus, die in einem guten Zustand sind. Sie dürfen keine Schlaglöcher haben, im besten Fall ist der Belag neu. Man soll gut darauf gleiten können, außerdem soll sich niemand verletzen.
Wie groß ist der Organisationsaufwand für die Skatenights?
Dahinter steckt schon viel Aufwand. Wenn andere im Winter ihre Skates ins Regal stellen, sind wir weiter unterwegs, um die Straßen im Blick zu behalten und mögliche Routenkombinationen auszutüfteln. Hinzu kommen etwa die Absprachen mit der Stadt oder die Akquise von Sponsoren. Zum Glück sind wir ein sehr gut eingespieltes Team. Unsere Ordner, die mitrollen, sichern die Strecke ab. Die Zusammenarbeit mit der Polizei, die uns mit einem Streifenwagen und Motorrädern begleitet und die Straßen kurzzeitig für den Verkehr sperrt, läuft problemlos. Ein großes Dankeschön gilt auch dem Sanitätsdienst des Arbeiter-Samariter-Bunds, der uns begleitet. Meist bleibt es bei Stürzen bei kleinen Schrammen, auch dank der sehr guten Helmquote.
Die Strecken sind alles andere als kurz. Richtet sich das Angebot vor allem an ambitionierte Hobbyskater?
Echte Cracks gibt es nur wenige. Die meisten Teilnehmer sind normale Freizeitfahrer. Weil wir nach der Hälfte der Strecke eine Pause machen, in der man ein- oder aussteigen kann, sind die Touren auch für Anfänger gut zu schaffen. Teilnehmen kann jeder, der sicher auf Inlineskates oder Rollschuhen fahren kann. Es sind immer auch ein paar Skateboardfahrer dabei. Die brauchen dann schon eine sehr gute Kondition. Bei uns gilt die Devise: Jeder fährt sein eigenes Tempo. Langsamere sollten sich aber im hinteren Teilnehmerfeld halten.
Wie finanzieren Sie die Skatenights?
Das läuft alles über Sponsoreneinnahmen und den Getränkeverkauf, einen Beitrag erheben wir nicht. Wir wollen, dass die Skatenights für alle Teilnehmer kostenlos bleiben.
Wie sind Sie eigentlich selbst zum Skaten gekommen?
Tatsächlich über die Skatenight. Die Atmosphäre mit der Musik und den blinkenden Lichtern hat mich gleich gepackt, das begeistert mich noch heute. Wir haben immer einen DJ dabei, der den Tross in einem Wagen begleitet. Ein paar Teilnehmer nehmen in ihren Rucksäcken auch noch Bluetooth-Boxen mit, sodass eigentlich überall im Zug Musik zu hören ist.
Haben sich die Skatenights im Laufe der Jahre verändert?
Als die Ludwigshafener Skatenight 1999 vom Marketingverein initiiert wurde, war Inlineskaten ein richtiger Trendsport. Das waren damals riesige Veranstaltungen mit 3000 Teilnehmern. Das ist lange vorbei. Viele Teilnehmer hat uns dann noch mal die Corona-Pandemie gekostet. Worauf wir hier stolz sind: Während die Skatenights in Heidelberg und Karlsruhe gestorben sind, kommen wir im Schnitt inzwischen wieder auf 250 bis 300 Teilnehmer. An guten Tagen können es auch mal 400 sein. Ein weiterer Lichtblick: Die Verkäufe von Inlineskates ziehen wieder an.
Gibt es besondere Erlebnisse, die Sie mit der Veranstaltung verbinden?
Mir gefällt es, wenn sich einige Teilnehmer verkleiden oder verrückte Perücken aufsetzen. Am schönsten sind aber die Momente, wenn der Funke von den Skatern auf die Zuschauer am Straßenrand überspringt. Vor allem auf Kinder, die das zum ersten Mal sehen, wirkt das oft magisch. Die zücken dann erstaunt ihre Smartphones und filmen uns. Das ist immer wieder schön zu sehen.
Die Ludwigshafener Skatenight feiert 2024 ihr 25-jähriges Bestehen. Was ist zum Jubiläum geplant?
Im Juli soll es einen Aktionstag geben, natürlich bei einer Skatenight am Abend. Da soll es Livemusik und eine Verlosung geben. Zu viel wollen wir aber noch nicht verraten. Es gibt auch noch keinen genauen Termin, weil wir unter anderem auf die Spiele der deutschen Nationalmannschaft während der Fußball-Europameisterschaft achten müssen.
Zur Person
Bernhard Miller gehört dem erweiterten Vorstand des Vereins Rhein-Neckar-Skater an, der die Skatenights in Mannheim und Ludwigshafen ausrichtet. Der 46-jährige Ludwigshafener, der beruflich im Wissenschaftsmanagement tätig ist, engagiert sich seit 2009 im Organisationsteam für die Skatenights in den Schwesterstädten. Seit 2016/17 macht Miller das in führender Funktion.
Zur Sache
Bei der zweiten Skatenight am Mittwoch, 22. Mai, geht es ab 19.30 Uhr vom Hauptbahnhof aus in die Gartenstadt, wo auf vielen Nebenstraßen gefahren wird. Pause ist an der Blies, berichtet Bernhard Miller, Sprecher des Vereins Rhein-Neckar-Skater, der die Skatenights veranstaltet. Der zweite Teil der Tour führt dann zum Willersinn-Weiher und von dort aus über die Industriestraße zurück zum Ausgangspunkt. Weitere Skatenight-Termine sind der 5. und 19. Juni, 3., 17. und 31. Juli, 14. und 18. August sowie der 11. September. Treffpunkt ist immer um 19.30 Uhr am Hauptbahnhof, die Rückkehr erfolgt gegen 22 Uhr. Alle Infos zu den jeweiligen Routen sowie zu den Terminen findet man im Netz unter www.skatenight-ludwigshafen.de.