Mannheim RHEINPFALZ Plus Artikel Sie sind wieder da: Das Achtziger-Musical „Rock of Ages“ im Rosengarten

Hymnen und Helden: Szene aus „Rock of Ages“.
Hymnen und Helden: Szene aus »Rock of Ages«.

Sex, Drugs & Rock ’n’ Roll. Von der heiligen Dreifaltigkeit der rebellischen Jugendkultur der achtziger Jahre wurde den Besuchern des Musicals „Rock of Ages“ im Mannheimer Rosengarten mehr als nur drei Akkorde serviert. Fast drei Stunden lang gab es den Soundtrack einer Generation auf die Ohren.

„Dreckig, laut und geil“ sollte es sein. Was das angeht, hatten die Produzenten des Musicals „Rock of Ages“ nicht zu viel versprochen. Denn sie zeichnen mit ihrem Stück ein Sittenbild vom Sunset Strip im Los Angeles der 1980er-Jahre, das mit seiner fiebrigen Atmosphäre die jungen Helden auf der Bühne begleitet. Das Publikum im Rosengarten sollte es einige Male nicht auf den Sitzen halten. Dafür sorgten die singenden und tanzenden Protagonisten, die an diesem Abend zu einem schweißtreibenden Soundtrack auftraten, der einer Zeitreise gleichkam.

Die Story, die sich im flackernden Rot- und Neonlicht der stilisierten Nachtclubs und anrüchigen Bars abspielte, erinnerte an das klassische Motiv von Romeo und Julia. Statt auf dem Balkon zu Verona begegnen sich die Liebenden Drew und Sherrie allerdings im Rockclub „Bourbon Room“, in dem sie für ein paar Dollar schuften und vom schnellen Ruhm träumen. Felix Freund ging in der Rolle des verliebten Barkeepers, der seinen Idolen aus der Welt der Rockmusik nacheifern möchte, ebenso intensiv auf wie sein Gegenüber Julia Taschler als liebenswerte Kellnerin, die einmal in die Stadt der Engel kam, weil sie eine gefeierte Schauspielerin werden wollte.

Es könnte alles so einfach sein

Die Darsteller bewegten sich in Lederjacken, Jeans und meist mit langen Haaren zur Live-Musik der Club-Band durch das Set. Jeder einzelne Part bis in die Nebenrolle hinein war mit mitreißend agierenden Künstlern besetzt, die den Sound der Luftgitarrenjahre nicht einfach nur imitierten, sondern Songs wie „We built this City“ von Starship oder „We ain’t gonna take it“ von Twisted Sister eine eigene gesangliche Note verliehen. Unter dem Dach des „Bourbon Room“, das skurrilen Figuren wie seinem Besitzer Dennis Dupree und dessen rechter Hand, dem selbst ernannten „Soundgott“ Lonny Barnett, eine Heimat ist, kommen sich Drew und Sherrie langsam näher.

Timothy Roller, der dem sympathisch durchgeknallten Barnett seinen Atem gibt, spielt auch noch den Erzähler, der die Fäden der Geschichte zusammenhält. Gewissermaßen die kommentierende Stimme aus dem Rock-n-Roll-Nirwana, die über allem schwebt und dabei mehr als einmal Heiterkeit beim Publikum erzeugt. Die Szene, in der er sich als wandelnder Blumentopf getarnt an das erste Date des Liebespaars anschleicht, hat eine Menge von dem berühmten Gag aus Monty Pythons „Das Leben des Brian“. Es könnte so einfach sein, wären da nicht die Irrungen und Wirrungen des (Rock ’n’ Roller-) Daseins.

Bitte hör nicht auf zu träumen

Auftritt der Swiss Connection, zwei Investoren aus der Schweiz, Vater und Sohn, die das „Bourbon Room“ aufkaufen und die Gegend am Sunset Strip gentrifizieren wollen. Als ein Benefiz-Konzert der Rockband Arsenal den Club retten soll, erleidet das junge Glück einen Bruch. Der exzentrische Leadsänger Stacee Jaxx mischt den Laden auf und macht sich an das naive Barmädchen heran. Dem Darsteller Sasha Di Capri schwingt bei seiner Performance ein Touch der lasziven Vulgarität des jungen Axl Rose mit. Der Song „Dead or alive“ ist ein Evergreen der US-Band Bon Jovi.

„Immer wenn man meint, die Liebe könnte die Mauern der Freundschaft aufbrechen, taucht er auf“, bemerkt Barnett mit dem ihm eigenen Sarkasmus dazu. Nach einem fatalen Quickie, passenderweise begleitet von einem Chor aus Cowgirls, der Klobürsten als Mikros benutzt, verlässt Sherrie den Club und heuert als Stripperin an. Dazu stimmen die Band und ein Bühnenchor aus allen Figuren mit „Here I go again“ von Whitesnake die Hymne der einsamen Wölfe aus den Achtzigern an. Die Zeitreise geht natürlich aber weiter und damit auch die herrlich überdrehte Suche der jungen Helden nach sich selbst und nach einander. Am Ende des Tages erhält jeder, was er verdient. „Sherrie, ich weiß nun, was ich will“, gesteht Drew seiner großen Liebe, ehe sich die beiden in die Arme fallen und im „Bourbon Room“ alle noch einmal das ikonische „Don’t stop believing“ anstimmen. Und die Moral von der Geschichte: Glaub’ an dich und deinen Traum.

Termin

Das Musical „Rock of Ages“ wird am Samstag, 4. Mai, 19.30 Uhr, noch einmal im Rosengarten in Mannheim aufgeführt.

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