Ludwigshafen Sie fahren nach Berlin
«Mitte.» Drei Schüler des Carl-Bosch-Gymnasiums arbeiten an einem Roboter, der dem Besitzer beim Tragen helfen kann. Wenn ältere Menschen Einkäufe nach Hause oder Schüler dicke Bücher in die Schule schleppen müssen, soll ihnen eine selbst fahrende „Transportbox“ die Last abnehmen. Die Idee hat den Tüftlern eine Einladung zur Endrunde des Wettbewerbs „Invent A Chip“ eingebracht.
Die erste Runde des Wettbewerbs „Invent A Chip“ haben Ziyang Zhao (17), Miro Rashid (17) und Michael Binder (16) aus der zwölften Klassenstufe des Carl-Bosch-Gymnasiums erfolgreich überstanden: Sie wurden von einer Jury unter die zehn besten von 100 teilnehmenden Teams gewählt. Den alljährlichen Wettbewerb rund um die Erfindung eines neuen Chips – gemeint ist damit kein Spielgeld und auch nicht der Schlag beim Golf, sondern ein Computerchip – richtet der Verband für Elektro- und Informationstechnik (VDE) zusammen mit dem Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) aus – und zwar seit 2002. Teilnehmen können Schüler an allgemein- und berufsbildenden Schulen, die in dem Wettbewerb zu Chipdesignern werden und eine logische Schaltung bauen. Nach Angaben der Veranstalter beteiligten sich dieses Jahr bundesweit mehr als 2000 Schüler der Klassen acht bis 13. „Den Anstoß hat ein in unserer Schule aufgehängtes Plakat gegeben“, erzählt der 16-jährige Michael Binder. „Wir hatten daraufhin die Idee zu einer autonom fahrenden Box, die dem Besitzer folgt“, ergänzt der 17-jährige Miro Rashid. Für viele Menschen sei das Tragen von schweren Gegenständen unangenehm oder sogar ungesund. Die Transportbox soll den Leuten das Leben künftig ein bisschen leichter machen – der Gedanke steht hinter ihrem Projekt. Ein Fragebogen mit Konzept und Planskizze für den Wettbewerb sei schnell ausgefüllt und abgeschickt worden. Ende April kam dann die Antwort. „Wir wurden unter 2000 Fragebögen und 100 Chip-Ideen für die Teilnahme am Workshop in Hannover ausgewählt “, berichtet Rashid stolz. Die drei Jungs besuchen die zwölfte Klassenstufe am Carl-Bosch-Gymnasium und kennen sich aus dem Mathe- und dem Physikleistungskurs. Gemein ist ihnen auch der Spaß am Tüfteln. „Wir programmieren gern in unserer Freizeit“, erzählt Rashid, der in Mundenheim wohnt. Der 17-jährige Ziyang Zhao aus Rheingönheim bastelt auch gern am Computer und mit Lego-Robotern. Im Mai ging es dann für die drei zum viertägigen Workshop in die niedersächsische Landeshauptstadt. An der dortigen Leibniz Universität wurden alle nominierten Teams von Experten des Instituts für Mikroelektronische Systeme (IMS) erwartet. Hier bekamen die Teilnehmer das nötige Wissen vermittelt, um ihre Ideen in die Praxis umzusetzen. „Auf dem Programm standen die Grundlagen der Digitaltechnik bis hin zur Bedienung und Programmierung eines FPGA-Boards“, berichtet Rashid. FPGA steht für Field Programmable Gate Array. Dabei handelt es sich um eine transportable Hardware, auf die beliebige logische Schaltungen aufgespielt werden können. „Wir haben gelernt, wie Chips funktionieren und wie man mit der VHDL-Sprache Schaltungen entwirft“, fügt der 16-jährige Mutterstadter hinzu. VHDL steht für Very High Speed Integrated Circuit Hardware Description Language und ist keine Computer-, sondern eine so genannte Hardware-Beschreibungssprache. Eines der von ihnen programmierten Geräte durften die Ludwigshafener für die weitere Arbeit mit nach Hause nehmen. Mit der Entwicklung ihres Chips wollen sich die drei vor allem in der freien Zeit jetzt in den Sommerferien beschäftigen. Bis zum 21. September muss das Ergebnis für den Wettbewerb fertig sein. In Hannover wurde klar, dass sich auch die anderen neun Schülerteams viel vorgenommen haben. Ein Mikrochip soll es ermöglichen, Akkus länger und nachhaltiger zu nutzen. Ein anderer Chip soll mit Hilfe von Fenster-Jalousien Strom erzeugen. Durchaus auch von praktischem Wert ist das Vorhaben, mit einem Chip den noch vorhandenen Vorrat an Toilettenpapier im stillen Örtchen zu kontrollieren. Die Preisverleihung für die besten Ideen und Projekte findet während des „VDE Tec Summit“ am 13. und 14. November in Berlin statt. Dort stellen die jugendlichen Experten aus Wirtschaft, Wissenschaft und der Politik auch ihre Ergebnisse vor. Neben Geldpreisen bis zu 3000 Euro geht es für die Gewinner im Finale um die Aufnahme in das Auswahlverfahren für ein Stipendium der Studienstiftung des deutschen Volkes. Außerdem winken Kontakte zu Industrie und Hochschulen sowie die Präsentation der eigenen Projekte auf Messen wie etwa der Cebit in Hannover.