Ludwigshafen Sichtbar spannend
Unter dem Stichwort Vielfalt könnte man den dritten Creole-Sommer zusammenfassen, der mit Musik, Tanz und Kunst nach Limburgerhof, Wachenheim und Ludwigshafen lockt. Beim Talent-Campus am vergangenen Samstag im Alten Rathaus Limburgerhof standen Workshops sowie regionale, ökologische und vegane Kost im Zusammenspiel verschiedener Kulturen im Mittelpunkt.
. Reggae-Musik erklingt vor einer Strandurlaubskulisse, wenn man den mit bunten Quadraten gestalteten Eingang passiert hat. Entspannt grillt Michael Müller, Leiter des Mehrgenerationenhauses und des Jugendkulturzentrums Limburgerhof, seine Bratwürste vor der von Workshopteilnehmern gestalteten Scheune. Die Würstchen stammen aus der Region, denn das passt zum Konzept. Wer will, kann nach seiner Wurst ein veganes Mango-, Erdbeer- oder Nugateis von einem Limburgerhofer Eishersteller essen oder sich am Büfett eindecken. Die Helfer bereichern die Veranstaltung mit eigenen Ideen, beobachtet Müller: „Sie machen es zu einem Erlebnis, weil unterschiedliche Kulturen einfließen.“ Ein Teil des Essens stamme von einer kurdischen Familie. „Wir versuchen, Menschen zusammenzubringen“, sagt Eleonore Hefner von Kultur Rhein-Neckar. „Die Gäste sollen eine gute Zeit haben, sich wohlfühlen, ins Gespräch mit neuen Leuten kommen.“ Das Konzept zieht. „Die Resonanz wird von Jahr zu Jahr besser“, freut sich Müller. Sogar aus Mannheim und Mainz reisten Gäste an. Zu der Mischung aus Fair-Trade-Produkten und den Ergebnissen der Workshops passt die Musik. „Musikstile aus verschiedenen Richtungen gehen eine neue Verbindung ein“, sagt Müller. So mischt das Weltmusikkollektiv, das in der Scheune auftritt, Stile unterschiedlicher Länder. Experimentierfreudig sind auch die Workshop-Teilnehmer. Eine Woche lang durften sich Kinder und Jugendliche bei Näh-, Koch-, Schmuck-, Radio-, Video-, Kunst-, und Foto-Workshop austoben. „Quadrate sind von allen Seiten sichtbar“, sagt Sabine Amelung, die zusammen mit Jörn Müller den Kunst-Workshop geleitet hat, zu den Objekten, die die Scheune schmücken. „Es ist eine feste Gestaltungsform, die aber viele Möglichkeiten bietet – vom Besprühen bis hin zu Gesichtern, Wassertieren, Smileys.“ So entstanden Würfel aus Holz, Pappe oder Leinwand mit Holzrahmen. In Stefanie Hohlüchtes Näh-Workshop wurden aus alten Jeans und Stoffresten schicke Taschen. Auch eine Wimpelkette und Filzeulen nähten die sechs Mädchen des Workshops. „Das hat total Spaß gemacht“, sagt Stefanie Hohlüchte. Ihre Schwester Dagmar Hohlüchte leitete den Foto-Workshop. Die Jugendlichen lernten die Bedeutung von Blende und Verschlusszeit. Außerdem sollten sie nicht nur hinter der Kamera agieren, sondern auch davor. Die Bilder bearbeiteten die Teilnehmer mit Fotoshop. „Das war superspannend. Einer der Jungen sah aus wie ein echtes Model. Da entstand die Idee, eine Werbung zu drehen“, sagt Hohlüchte. Menschen nahm auch der Radio- und Video-Workshop in den Fokus. „Wir haben drei Stunden gefilmt und 50 Stunden lang rund 1500 Szenen zusammengeschnitten“, sagt Workshopleiter Alexander Höfer. „Als ein Junge auf dem Klavier eine Melodie spielte, dachte ich: ,Wunderbar, die nehme ich!‘ Denn die passende Musik zu finden dauert meist am längsten.“ Matthias Kuhns Radio-Workshop schnitt aus Interviews, Musik, einer Doku über den Talent-Campus und der Vorstellung der Bands eine Radiosendung für das Fest zusammen, die im Internet unter „edura.fm“ zu finden ist. Emily Pfeiffer, die den Schmuck-Kurs leitete, legt Wert auf Ausdauer. Die Arbeit an den geknüpften Goldschmuckketten habe etwas Meditatives. „Ich habe dieses Thema wegen der Bettelarmbänder, die wieder im Trend sind, gewählt. Das ist eine filigrane Geduldsarbeit mit einem sehr schönen Ergebnis. Die Jugendlichen waren stolz darauf, durchgehalten zu haben.“ |udn