Ludwigshafen RHEINPFALZ Plus Artikel Seltsames Spiel der Stereotype

Diskutierten über die Behandlung des Themas Liebe im Mainstream: (von links) der Filmemacher Mohammad Poori, die Lehrerin Özlem
Diskutierten über die Behandlung des Themas Liebe im Mainstream: (von links) der Filmemacher Mohammad Poori, die Lehrerin Özlem Avci und DJ Guy Dermosessian.

In einer neuen Reihe mit dem Titel „Ovel/Eibel“ ist es bei den Festspielen Ludwigshafen im Theater im Pfalzbau um das große Thema Liebe in der Populärkultur gegangen. Bei der Diskussionsrunde mit Teilnehmern unterschiedlicher Herkunft wurde dabei deutlich, dass das Thema nach wie vor äußerst klischeebehaftet ist. Und der künstlerische Umgang damit zudem von persönlichen Erfahrungen geprägt ist.

Liebe/Love Narratives“ sprachen die Künstlerinnen Gin Bali (Wuppertal), Kaleo Sansaa (Köln) und Sherryaeri (Frankfurt) über die unterschiedlichen Erzählungen zum Thema Liebe und die Verwendung des Begriffs in der Pop- und Clubkultur. Eine an Perspektiven reiche, weil diverse Runde, die von Guy Dermosessian moderiert wurde. Der in Beirut geborene DJ, der als Kurator unter anderem am Düsseldorfer Kunsthaus wirkt, hat die Reihe „Ovel/Eibel“ mit der Hamburger Lehrerin Özlem Avci und dem im Iran geborenen Filmemacher Mohammad Poori in Ludwigshafen auf die Beine gestellt.

Auch sie nahmen an der regen Diskussion teil, der sich im Laufe des Abends der Klang- und Performance-Künstler Daniel Dominguez Teruel anschloss. Dessen Video-Installation „Lovesong“ im ersten Stock des Pfalzbaus steht im Zusammenhang mit besagter Reihe und thematisiert den gesellschaftlichen Umgang mit der deutschen Nationalhymne, der demnach auch eine Art von Liebesbeziehung darstellt. Eine, die kompliziert sein und bisweilen zu Überforderung führen könne, da die Melodie auch untrennbar mit dem finsteren Kapitel der NS-Zeit verbunden sei. Der Künstler spricht diesbezüglich von einem „auditiven Trauma“.

Projekt an Integrierter Gesamtschule

Es ist eine Annäherung an das Thema Liebe mit den Mitteln der Populärkultur. Ein Thema von vielen, die im Mainstream verhandelt werden: Heimat, Familie, Gott und nicht zuletzt die körperliche Liebe werden täglich mit den Mitteln jener Sprache reflektiert. Die klassische wie auch die zeitgenössische Kulturgeschichte sei voller Klischees und Stereotype, die in der Popmusik kommerzialisiert würden, meinten die Diskutanten. Vieles spielt sich demnach auf einer eher subtilen Ebene ab. Andere Dinge, darunter rassistische und sexistische Regungen, kämen wiederum sehr bewusst in Alltag und Kultur zum Tragen.

Dabei gehe es immer auch um die sehr persönlichen Erfahrungen der Menschen, die mit solchen Narrativen aufwachsen und damit konfrontiert werden. Vor diesem Hintergrund waren Özlem Avci und Guy Dermosessian in der vergangenen Woche an der Integrierten Gesamtschule in der Ludwigshafener Gartenstadt zu Gast, um mit Schülerinnen und Schülern der 10. Klasse über das Thema Liebe und deren Perspektive darüber zu sprechen – ganz unabhängig von ihrem sozialen Status, der Identität und Herkunft. Die Ergebnisse sollen in eine künstlerische Arbeit fließen, die am Ende der aktuellen Reihe im Pfalzbau präsentiert werden soll.

Theater als Raum für die Gesellschaft

Spiegelt die Populärkultur, die junge Erwachsene heute konsumieren, im Grunde auch nur wieder ganz viele Stereotype wider, wenn es um das Verständnis von Beziehung und Annäherung geht? Das Theater im Pfalzbau erscheint Guy Dermosessian als ein perfekter Ort für diese Debatte. „Theater wird in Deutschland und in ganz vielen Ländern immer noch aus einer sehr europäischen, einer in erster Linie weißen Perspektive behandelt“, charakterisiert er das Dilemma, woraus die Intention bei ihm entstanden sei, die Künstler und das Publikum selbst zu einem interagierenden Bestandteil zu machen. Theater als ein Raum für die Gesellschaft, in dem die Kunst und der Diskurs zu möglichst vielen Menschen gelangen kann.

„Als ich in Beirut aufgewachsen bin, habe ich beispielsweise die französische Schule besucht, was dazu führte, dass alle Bücher, Wörter und Bilder, die ich konsumiert habe, nicht aus der Kultur meiner Heimat stammen“. Auch das sei eine der Auswirkungen einer kolonial eingefärbten Aufklärung. Für die deutsch-sambische Sängerin Kaleo Sansaa aus Köln ist es darum ein wichtiges Anliegen, die Folgen über das Mittel ihrer Kunst anzusprechen und mit anderen Menschen darüber ins Gespräch zu kommen. Das können und sollen nach dem Wunsch der Verantwortlichen in Ludwigshafen gerade auch Menschen sein, die unterschiedlicher Ansicht sind und sich durch den Diskurs dazu ermutigt fühlen sollen, eine für sie andere Perspektive einzunehmen.

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