Ludwigshafen Seit fünf Jahrzehnten unverzichtbar

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„Gib’ ein Jahr“ – unter diesem Motto hat das Diakonische Werk vor 50 Jahren das Freiwillige Soziale Jahr (FSJ) eingeführt. Seitdem engagieren sich Jugendliche auch in Ludwigshafen täglich in verschiedenen gemeinnützigen Einrichtungen. Einige Organisationen wollen oder können auf die Mithilfe der jungen Frauen und Männer nicht verzichten, wie eine Umfrage der RHEINPFALZ ergeben hat.

„Nach der Abschaffung des Zivildiensts 2011 hatten wir ein großes Problem“, sagt Kai Jugenheimer, Assistent des Regionalvorstands der Johanniter. „Wir hatten immer bis zu 53 Zivildienstleistende. Im September fangen nur fünf neue Leute bei uns an, die entweder ein FSJ machen oder den Bundesfreiwilligendienst (BFD) absolvieren möchten. Mehr finden wir einfach nicht.“ Aufgrund des Bewerbermangels mussten laut Jugenheimer Dienstleistungen der Johanniter zurückgeschraubt werden. „Viele Stellen, die früher von Zivis ausgefüllt wurden, mussten wir mit hauptamtlichen Mitarbeitern besetzen.“ Diese Entwicklung erklärt sich Jugenheimer damit, dass junge Menschen heute nicht mehr zu sozialem Engagement gezwungen werden, wie es zur Zeit des Zivildienstes noch der Fall war. Mit verstärkter Werbung und über die Jugendgruppen versuchen die Johanniter, mehr Freiwillige zur Mitarbeit zu bewegen. Besser sieht die Situation beim Arbeiter-Samariter-Bund (ASB) aus, der erst 1998 damit angefangen hat, das Freiwillige Soziale Jahr anzubieten. Geschäftsführer Jürgen Juchem konnte sich bisher nicht über mangelnde Bewerberzahlen beklagen. „In den vergangenen drei Jahren hatten wir immer mehr Interessierte als freie Stellen, besonders im Rettungsdienst. Nach der Abschaffung des Zivildiensts gab es bei uns geradezu einen ,Run’ auf die freiwilligen Plätze“, sagt er. Diesen Sommer seien die Zahlen allerdings etwas zurückgegangen. Zurzeit sind beim ASB in der Vorderpfalz etwa 40 Personen im FSJ tätig. Freie Stellen gibt es noch, sowohl im Rettungsdienst als auch im Bereich Mobile Soziale Dienste, umgangssprachlich als „Essen auf Rädern“ bekannt. Seit 30 Jahren können Jugendliche sich bei der Lebenshilfe in der integrativen Kindertagesstätte und im Wohnbereich mit erwachsenen Menschen mit geistiger Behinderung engagieren. „Wir hatten bislang keine Probleme damit, genug Freiwillige zu bekommen“, sagt Renate Willuhn, Pädagogische Leiterin und stellvertretende Geschäftsführerin in Ludwigshafen. „Die Zahlen schwanken zwar manchmal, nach wie vor klappt aber alles ganz gut.“ Derzeit machen vier junge Menschen ihr FSJ bei der Lebenshilfe. In der Kita betreuen sie die Kinder, spielen mit ihnen, helfen beim Toilettengang und bei den Mahlzeiten. Im Wohnbereich beteiligen sie sich an der Pflege und begleiten die Bewohner im Alltag. Willuhn betont, dass der Einsatz der Freiwilligen eine willkommene Unterstützung, aber kein Ersatz für die Arbeit der Hauptamtlichen sei. „Sie sind auf jeden Fall eine Bereicherung und bringen immer frischen Wind in die Einrichtungen“, sagt sie. „Viele bleiben uns sogar erhalten, weil sie sich aufgrund ihrer Erfahrungen während des FSJ für einen sozialen Beruf entscheiden.“ Auch im St. Marien- und St. Annastiftskrankenhaus nimmt man die Arbeit der Freiwilligen gerne in Anspruch. „Früher hatten wir bis zu sieben Zivis“, sagt eine Sprecherin. „Zunehmend haben sich auch immer mehr Leute für ein FSJ bei uns beworben.“ Die Zivis seien zwar eine wichtige Unterstützung gewesen, hätten den Dienst aber größtenteils als Arbeit angesehen, die sie zu machen hatten. „Jugendliche, die sich für ein FSJ entscheiden, suchen sich gezielt die Stellen aus, sind interessiert und wollen vielleicht später in der Pflege arbeiten. Das macht sie zu besonders guten Mitarbeitern.“ Auch im Klinikum der Stadt Ludwigshafen spielen die FSJler eine wichtige Rolle. Seit 1970 können Freiwillige bei der Arbeit auf den Stationen mithelfen. „In erster Linie ist das FSJ wichtig für uns, da wir uns auf diese Weise motivierten jungen Leuten als Arbeitgeber präsentieren können“, sagt Elke Lehnert, Leiterin des Instituts für Personalentwicklung. „Die FSJler haben die Möglichkeit, in die Arbeit in einem Klinikum der Maximalversorgung hineinzuschnuppern, und wir freuen uns, wenn wir so engagierte Auszubildende gewinnen können, die schon erste Erfahrungen im Haus gesammelt haben.“ Für Rolf Kieninger, Leiter des Hospiz Elias in der Gartenstadt, steht die Persönlichkeit eines Bewerbers im Vordergrund. „Unsere Freiwilligen arbeiten entweder direkt mit den Patienten oder übernehmen administrative Aufgaben. Das ist abhängig davon, welchen Eindruck der Bewerber macht.“ In den vergangenen zehn Jahren arbeiteten vier Jugendliche freiwillig im Hospiz. Es gebe eindeutig zu wenige Bewerbungen, meint Kieninger. „In der Öffentlichkeit herrscht immer noch das Bild vor, ein Hospiz sei ein ernster, trauriger Ort. Das Gegenteil ist aber der Fall.“ Er findet es wichtig, dass junge Menschen sich mit den Sterbenden beschäftigen. „Die fühlen sich dann nicht ganz wie auf dem Abstellgleis.“

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