Ludwigshafen Sein Weg

MUTTERSTADT. Luca Stellwagen spielt für den FSV Mainz 05 in der Fußball-Bundesliga der B-Junioren. Der 15 Jahre alte Mutterstadter ist der jüngste Spieler seines Teams und als linker Verteidiger gesetzt. Der schnelle, zweikampfstarke Abwehrspieler, der ein gutes Passspiel hat, hat ein großes Ziel vor Augen: Er möchte Fußballprofi werden.
Luca Stellwagen ist ein zurückhaltender, eher schüchterner junger Mann. Das Reden überlässt er lieber seinen Eltern, die den talentierten Fußballer fördern und nach Kräften unterstützen, ohne ihn unter Erfolgsdruck zu setzen. Luca hat aber auch einen trockenen Humor. Die Frage, was er denn seinen Eltern Oliver und Manuela schenken würde, falls er tatsächlich Profi werde, beantwortet er kurz und knapp. „Ein Trikot“, sagt der 15 Jahre alte Fußballer und lacht spitzbübisch. Dabei weiß er den enormen Einsatz seiner Familie, zu der noch die drei Jahre ältere Schwester Denise gehört, zu schätzen. „Luca zu den Spielen zu begleiten, ist inzwischen fast ein Hobby geworden, auch weil wir uns mit den Eltern der anderen Spieler so gut verstehen“, berichten Oliver und Manuela Stellwagen. Der Tagesablauf der Familie richte sich oft nach den Trainings- und Spielplänen des B-Junioren-Bundesligisten. Wenn Luca mal frei hat, dann kann er gut abschalten und geht mit Freunden weg, keineswegs alles Fußballer. Begonnen hatte der Linksfuß in der Jugend der FG 08 Mutterstadt als Stürmer, er schoss Tore am Fließband. Ab der D-Jugend spielte er bei Phönix Schifferstadt, wo ihn Trainer Jürgen Grimm geprägt hat, wie Vater Stellwagen erzählt. „Luca ist einer der wenigen Spieler, die ich trainiert habe und von denen ich sagen kann, sie können es schaffen. Er bringt alles mit, was man für die Profiklassen im Fußball braucht“, lobt Grimm. Er hebt die Spielintelligenz und Einstellung des jungen Mannes hervor, den er ins Mittelfeld zurückzog. Vor zwei Jahren wechselte Stellwagen in die C-Jugend von Mainz 05, die vom Ludwigshafener Paul Faß trainiert wurde. Eine spontane Idee. „Er sollte sich mit uns besprechen, dann aber selbst entscheiden“, berichtet Oliver Stellwagen schmunzelnd. Der 1. FC Kaiserslautern, bei dem der Vater damals Juniorentrainer war, war als Alternative im Gespräch. Luca überrumpelte seine Eltern, indem er ohne Absprache den Mainzern den Zuschlag gab, obwohl er eigentlich FCK-Fan ist. Den etwas verblüfften Eltern entgegnete er: „Ihr habt doch gesagt, ich soll entscheiden.“ Offenbar war es eine gute Wahl, denn obwohl der Südwestauswahlspieler eher klein und schmächtig ist, setzte er sich durch. Das auf Laufarbeit, Technik und Kombinationen ausgelegte Spiel der Mainzer kommt ihm entgegen. Beim FSV wurde er zum Außenverteidiger umgeschult. Eine Position, die er inzwischen als seine Lieblingsposition bezeichnet. Mit der B1 wird vier- bis fünfmal pro Woche trainiert. Eine enorme Anforderung für den Fußballer. „Die Schule leidet nicht, das ist Voraussetzung“, stellen die Eltern klar. Der Schüler, der Mathematik und Sport als seine Lieblingsfächer bezeichnet, besucht die zehnte Klasse in der Realschule Limburgerhof. Nach dem Unterricht geht es nach Hause. Dann stehen Essen und Hausaufgaben auf dem Programm, ehe es mit dem Zug nach Mainz geht. Den vom Verein angebotenen Fahrdienst hat er abgelehnt. „Wie sieht das denn aus, wenn ich mit dem Trainer im Auto komme“, erzählt Luca. Bei Mainz 05 gehe es in allen Bereichen schon sehr professionell zu. Laktattests, Trainingspläne für die Urlaubszeit und Vormittagseinheiten in den Ferien belegen dies. „Mir macht es dennoch viel Spaß, wobei der Erfolg einen die Anforderungen leichter wegstecken lässt“, verdeutlicht Stellwagen. Beim FSV komme der B-Junior auch leicht in Kontakt mit den Profis, die er mal im Kraftraum, mal beim Mittagessen trifft. Im Halbjahres-Rhythmus bekommen die Jugendspieler ihre Leistungsdaten präsentiert und gesagt, ob es für sie in Mainz weitergeht oder nicht. Für Luca Stellwagen, der schon zweimal im erweiterten Kader des Deutschen-Fußballbundes (DFB) stand, ging es bislang immer nach oben. Wenn er im athletischen Bereich zulege und noch häufiger den Abschluss suche, dann ständen ihm alle Türen offen. „In Lucas Entwicklung hat es bisher nie Stillstand gegeben“, sagt Oliver Stellwagen. Bleibt dies so, dann ist die Profikarriere keine Utopie. Und dann gibt es sicherlich auch mehr als nur ein Trikot für seine Eltern.