Ludwigshafen „Sei mal frech, dann bist du echt“
Eine wunderbare Geschichte über das Leben und seine Irrungen und Wirrungen ist das Musical „Pinocchio“ des Liberi-Theaters. Das Bochumer Ensemble zeigte sein Stück am Sonntag im Mannheimer Capitol, und es wird am 15. Dezember im Mutterstadter Palatinum gastieren. In einer kleinen, aber liebevollen Kulisse mit entzückenden Kostümen und wohl dosierten Tanz- und Gesang-Einlagen begeisterten sie Kinder ab vier Jahren.
Ein alter einsamer Mann braucht einen Freund, einen Sohn. Und wie in vielen Märchen kommt eine Fee daher und erfüllt diesen Wunsch – hier in Form eines groben Stück Pinien-Holzes: Erzählt wird die Geschichte von der Holzpuppe, die sprechen und laufen kann, und eine Nase hat, die beim Lügen wächst. Eine nicht allzu große Kulisse, ein paar Utensilien und die bunten Kostüme genügen – und die Zuschauer sind mittendrin im Märchen. Pinocchio (René Britzkow) erwacht dank der blauen Fee (Lisa Siegel) zum Leben und bekommt eine Grille (Sarah Honnen) an die Seite gestellt, die nur er sieht. „Ich bin Dein Gewissen“, lässt sie Pinocchio wissen. Und der fragt gleich: „Was ist ein Gewissen?“ Da wird Grilli klar: Die hölzerne Puppe weiß nichts vom Leben, stürzt sich aber umso mehr hinein. Denn Pinocchio ist impulsiv und neugierig wie ein kleiner Junge. Da nützt es wenig, wenn Grilli ihn ins Gebet nimmt: „Kinder, die zu viel fragen, sind allgemein unbeliebt, sei artig, und mach’, was die da oben sagen.“ Und so muss Pinocchio – kaum ist seine Lebenslust erwacht – sich dem Schulzwang unterwerfen. Doch auf dem Weg dorthin lockt die schöne bunte Welt. Rick Middelkoop spielt Geppetto und den Feuerfresser, den schlecht gelaunten Chef des Puppentheaters. Klasse, wie er die beiden unterschiedliche Charaktere spielt, gebrechlich und voller Liebe den einen, zornig und hart den anderen. Als der Feuerfresser den kleinen Jungen überzeugen will, sich ihm und den anderen Marionetten anzuschließen, beeindruckt die Stimme des ausgebildeten Musical-Darstellers besonders. Immer wieder schön ist es, wie vor den Zuschauern die Kulisse umgebaut wird – mit Gags und Musik, ohne dass es den Verlauf der Geschichte stört. Das ist eines der Markenzeichen des Liberi-Theaters, vor allem aber die kindgerechte Adaption alter Märchen – nah am Original, neu, aber nicht zu modern, wohl dosiert eben. Die Kinder können schnell die Refrains mitsingen, weil die Lieder eingängig sind und dabei das Stück immer ein bisschen weitertragen – etwa als Pinocchio seine Fehler einsieht: „Ich glaub’, das Leben ist einfach zu schwer“. René Britzkow spielt den hölzernen Jungen Pinocchio hervorragend, die Kinder mögen ihn sofort, auch wegen seiner naiv-lustigen Sprüche. Und natürlich wegen seiner Nase, die wächst, wenn er lügt. Wer hat schon nicht gelogen, um gut dazustehen oder Ärger aus dem Weg zu gehen? Die Botschaft vermittelt das Liberi-Ensemble ohne erhobenen Zeigefinger. So ist es ein gelungenes Lehrstück über eine Puppe, die sich naiv ins Leben stürzt, Fehler macht, bereut und daran wächst. Aber auch darüber, dass man Freunde braucht und eine Familie, die einen liebt und für die man alles macht. Sogar ins kalte Wasser springen, hinein ins Maul des Seeungeheuers, um seinen Papa zu retten. „Du hast Herz und Verstand“, singt die blaue Fee. Aber auch: „Und sei mal frech, dann bist Du echt.“ Termin „Pinocchio“ am Samstag, 15. Dezember, 15 bis 17 Uhr , im Palatinum in Mutterstadt. Karten unter Telefon 0180/5600311 oder www.theater-liberi.de. Das Stück ist für Kinder ab vier Jahren.