Segelfliegen RHEINPFALZ Plus Artikel „Segelfliegen ist nicht elitär“

Die lang anhaltenden Trockenphasen begünstigen die Flugverhältnisse der Segelflieger.
Die lang anhaltenden Trockenphasen begünstigen die Flugverhältnisse der Segelflieger.

Die SFG Giulini Ludwigshafen gehörte viele Jahre zu den besten Segelflug-Vereinen in Deutschland. Der Klub ist außerdem ein Gründungsmitglied. Doch zuletzt waren die Piloten eher im Sinkflug. Pilot Uwe Melzer spricht über das Miteinander von Konkurrenten und die Auswirkungen des Klimawandels auf das Segelfliegen.

Herr Melzer, der erste Flugtag in der neuen Bundesliga-Saison vergangenes Wochenende ist vorüber. Konnte die Segelfluggruppe Ludwigshafen wieder zu alter Stärke zurückfinden, nachdem die Mannschaft zuletzt nicht mehr zur Top Ten der Liga gehörte?
Wir hatten einen sehr guten Auftakt in die neue Saison, indem wir gleich den zweiten Platz in der ersten Bundesliga-Runde belegt haben. Das war ein sehr guter Start für uns.

Nicht nur die erfahrenen Piloten, sondern auch der Nachwuchs konnte beeindruckende Ergebnisse einfliegen. Überrascht Sie das?
Richtig, wir verfügen zum Glück über eine starke Jugendabteilung. Besonders die Nachwuchspiloten Alex Meinecke, Max Engich und Karol Müller erzielten tolle Ergebnisse.

Die SFG Giulini und auch Sie bilden Piloten aus. Kam es auch schon mal vor, dass ein Schüler Flugangst hatte?
(schmunzelt). Nö, ich hatte so eine Situation noch nicht. Ganz im Gegenteil, die meisten können es kaum Erwarten, die ersten Erfahrungen in der Luft zu sammeln.

Ist es nicht schwierig, gerade als junger Pilot, das Segelfliegen zu finanzieren?
Das Segelfliegen ist gar nicht so teuer wie man denkt. Modellfliegen zum Beispiel ist im Vergleich zum Segelfliegen deutlich teurer. Das Teuerste ist der Start. Dank den vielen ehrenamtlichen Helfern fallen für die Piloten jährlich bezahlbare Pauschalbeträge an. Das Segelfliegen ist also nicht elitär.

Sie selbst fliegen seit vielen Jahren aktiv in der Bundesliga. Stimmt es, dass ihr Flugzeug schon etwas in die Jahre gekommen ist?
(lacht). Ja, das stimmt. Ich besitze mein Flugzeug schon seit 1994. Das Baujahr ist 1983. Es ist schon etwas älter, aber funktionieren tut es noch ganz gut.

Sind Sie dann also nicht im Nachteil, gerade gegenüber den Piloten mit moderneren Flugzeugen?
Natürlich verfügen die neueren Flugzeuge über eine bessere Ausstattung. Jedoch wird dieser Unterschied bei der Auswertung der Ergebnisse miteinberechnet und somit dann auch etwas relativiert.

2017 ist ihr Vereinsheim auf dem Flugplatz abgebrannt. Wie gestaltet sich der Wiederaufbau?
Wir sind immer noch mit dem Wiederaufbau beschäftigt. Es soll ein neues, modernes Vereinsheim inklusive Werkstatt geben. So ein Wiederaufbau ist aber nur durch enorme Eigenleistung des Vereins möglich.

Es gibt in der Region mehrere Vereine, die in höheren Ligen fliegen. Herrscht da ein Konkurrenzkampf zwischen den Segelflugvereinen?
Hier in Dannstadt sind wir zwei Vereine, stehen aber eher in einem kollegialen Verhältnis zueinander. Sportlich gesehen käme nur der Mannheimer Segelflugverein als direkte Konkurrenz in Frage, da wir der einzige pfälzische Verein sind, der in der Bundesliga aktiv ist.

Wenn man sich etwas näher mit dem Segelfliegen beschäftigt, wird man feststellen, was für eine immense Rolle das Wetter dabei spielt. Können gerade Sie als erfahrener Pilot, die Auswirkungen des Klimawandels bei ihrem Sport feststellen?
Beim Segelfliegen ist so gut wie alles vom Wetter abhängig. Persönlich bemerke ich definitiv eine Veränderung des Klimas in den vergangenen 20 Jahren. Gerade die durch den Klimawandel länger anhaltenden Trockenphasen könnten die Flugverhältnisse der Segelflieger begünstigen.

Zur Person

Uwe Melzer

Uwe Melzer fliegt, seit er 14 Jahre alt ist. Die Jahre zuvor hatte er schon viel Zeit auf dem Flugplatz mit seinem Vater verbracht. Mit 23 Jahren bestand er die Fluglehrerausbildung. Melzer ist 57 Jahre alt und wohnt in Speyer. Er ist seit 2010 Vorstandsmitglied der Segelfluggruppe Ludwigshafen und deren Schriftführer. Melzer arbeitet beim Auktionshaus Henrys in Mutterstadt als IT’ler. Er gehört zu den Piloten der Segelfluggruppe Ludwigshafen, die während der Saison eigentlich an jedem Wettkampftag in die Luft gehen.

Zur Sache

Die SFG und die Liga

Die Segelfluggruppe Giulini Ludwigshafen wurde 1956 gegründet. Entstanden ist sie aus einer Betriebssportgruppe der Firma Giulini in Ludwigshafen. Um die 120 Mitglieder hat der Verein. Giulini blieb bis heute im Vereinsnamen, weil er sich bei den Konkurrenten so gut einprägt. Die SFG Giulini hat ihren Flugplatz zusammen mit dem SSV Ludwigshafen in Dannstadt. Seit 2001 fliegt das Team in der Bundesliga, seit dem Bestehen der höchsten deutschen Klasse. Es gibt noch die Zweite Liga und die Landesliga. Die zweite Mannschaft der SFG stieg vor einiger Zeit in Liga zwei auf, fliegt aber nicht mehr dort. Der SSV Ludwigshafen startet nun in dieser Liga. 30 Teams fliegen in der Bundesliga, sieben steigen ab. In der Zweiten Liga fliegen auch 30 Teams, sieben steigen ab, die ersten sieben steigen auf. Dagegen tummeln sich in den Landesligen der Bundesländer 500 Mannschaften in einer Qualifikationsliga. Nur sieben steigen auf. Geflogen wird an 19 Wochenenden. In die Wertung kommen die drei besten Piloten einer Mannschaft. Alle Daten werden aus dem Flieger an einen Computer geschickt. Die Software durchforstet jeden Flug und nimmt die schnellsten zweieinhalb Stunden eines Fluges heraus. Jeweils die drei schnellsten Flüge eines Teams werden dann nach einem speziellen Schlüssel addiert. Die beste Mannschaft bekommt 20 Zähler, die zweitschnellste 19 …

 Uwe Melzer.
Uwe Melzer.
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