Ludwigshafen Sechs Frauen und ein Katastrophen-Jahrhundert

Schrieb eine Romanbiografie über Max Ernst; Markus Orths.
Schrieb eine Romanbiografie über Max Ernst; Markus Orths.

Der in Karlsruhe lebende Schriftsteller Markus Orths hat schon eine beachtliche Anzahl Romane geschrieben. Im vergangenen Jahr ist „Max“ erschienen, ein Roman über den Maler Max Ernst. Im Begleitprogramm zur kleinen Max-Ernst-Ausstellung im Wilhelm-Hack-Museum in Ludwigshafen hat Orths sein Buch nun vorgestellt.

Das Leben Max Ernsts, 1891 in Brühl bei Köln geboren, 1976 in Paris gestorben, fiel in das katastrophale 20. Jahrhundert. Die traumatischen Erlebnisse im Ersten Weltkrieg verdrängte er und verlor über diese Zeit nur die Worte: „Max Ernst starb am 1. August 1914. Er kehrte zum Leben zurück am 11. November 1918.“ Vier Jahre nach dem Versailler Friedensschluss zog er nach Frankreich, musste von dort 1941 als „Entarteter Künstler“ in die Vereinigten Staaten fliehen und kehrte 1953 nach Paris zurück. Max Ernst war nicht nur ein herausragender, im Kreis der französischen Surrealisten bald anerkannter Künstler, er war auch ein großer Frauenliebhaber. Um sein Künstlerleben zu ordnen, hat Markus Orths den Roman daher in sechs Kapitel unterteilt, die den Namen der Frauen tragen, die in Max Ernsts Leben eine große Rolle gespielt haben. Diese Frauen, von denen Max Ernst mit vieren verheiratet war, sind Louise Straus, seine erste Ehefrau und Mutter seines einzigen Sohnes Jimmy; Gala Éluard, die Frau seines besten Freundes, des Dichters Paul Éluard, die später mit Salvador Dalí verheiratet war; die zweite Ehefrau Marie-Berthe Aurenche; dann die englische Malerin und Schriftstellerin Leonora Carrington; die Kunstsammlerin Peggy Guggenheim, die er 1941 in New York heiratete; und schließlich die Künstlerin Dorothea Tanning, die er nur zwei Jahre später ehelichte und mit der er in Arizona und später in Paris zusammenlebte. Erstaunlicherweise zählt die Mutter Luise Ernst nicht zu den ihn prägenden Frauen. In der Kindheit ist es vielmehr der Vater, der Hobbymaler Philipp Ernst, der ihn stark beeinflusst. Mit Kindheitserlebnissen mit dem dominanten Vater setzt Markus Orths Roman „Ernst“ auch ein. Aus ihnen erklärt sich die zwiespältige Faszination, die auf Max Ernst lebenslang vom Wald ausgeht und die in dem im Mittelpunkt der Ausstellung im Wilhelm-Hack-Museum stehenden Gemälde „Vegetation“ spürbar wird. Einerseits steht der Wald für eine befreiende Offenheit, andererseits für eine unheimliche und beklemmende Düsternis. Markus Orths konnte sich bei der Abfassung seines Romans auf Max Ernsts „Autobiographische Notizen“ stützen. Er habe sich sehr eng an die Fakten gehalten und bei deren Prüfung unter anderen das Max-Ernst-Museum in Brühl zu Rate gezogen, erzählte er. Die Fakten habe er lediglich literarisch ausgeschmückt. So beruht selbst die dramatische Schilderung, wie im Krieg eine Ladung aus dem Dicke Bertha genannten Geschütz fast Paul Éluard tötet, auf Tatsachen. Max Ernst und Paul Éluard, nach dem Krieg beste Freunde, hätten sich wirklich an der Westfront gegenübergestanden. Auch die märchenhafte Rettung bei der Ausreise aus Frankreich ins amerikanische Exil hat sich Markus Orths nicht ausgedacht. Es gab tatsächlich einen französischen Leutnant, auf den das Gemälde „Europa nach dem Regen II“ einen so starken Eindruck gemacht hat, dass er den deutschen Maler nicht auslieferte.

x