Ludwigshafen „Schwierige Zeiten“
Die Europäische Zentralbank (EZB) hat im Euro-Raum den Zins praktisch abgeschafft, um Wirtschaft und Konsum in Europa anzukurbeln. Deutschen Volksbanken und Sparkassen wird dadurch ihre traditionelle Geschäftsgrundlage entzogen. Denn die Gewinne aus dem Zinsgeschäft schrumpfen von Jahr zu Jahr. Das bekommt auch die Sparkasse Vorderpfalz zu spüren. Die größte Sparkasse in Rheinland-Pfalz hat es bisher vermieden, dass Sparer Geld dafür zahlen müssen, dass die Bank ihre Guthaben aufbewahrt. Diese Negativzinsen sollen Privatkunden auch weiterhin erspart bleiben, sagt Sparkassenchef Rüdiger Linnebank. Doch ab 18. April wird seine Bank von gewerblichen und institutionellen Kunden (Kommunen, Verbänden oder Stiftungen) ein „Verwahrentgelt“ von 0,4 Prozent im Jahr verlangen. Betroffen von den Minuszinsen sind Guthaben ab einer Million Euro. In der gestern vorgelegten Geschäftsbilanz für 2016 zeigen sich weitere negative Auswirkungen der EZB-Politik: Der Ertrag der Sparkasse ist gesunken. Das Betriebsergebnis ist um 16,4 Prozentpunkte, und auch die Bilanzsumme ist um 2,5 Prozentpunkte geschrumpft. Vorstandsvorsitzender Linnebank sprach von „schwierigen Zeiten“. Dennoch arbeite sein Haus erfolgreich, betonte der 49-Jährige. „Wir haben Wachstum im Kreditgeschäft, bei Kundeneinlagen und machen mehr Gewinne als geplant“, sagte Linnebank und führte als Beleg den um fast 30 Prozent gestiegenen Jahresüberschuss an. Auch beim Wertpapiergeschäft, bei Versicherungen, Bauspar- oder Leasingverträgen gebe es Zuwächse. Die Bank habe sich früh auf die Verluste im Zinsgeschäft vorbereitet. Dazu zählt auch ein rigoroser Sparkurs: Bis Ende 2018 werden bei der Sparkasse 140 Stellen abgebaut, wovon bereits 127 Vollzeitjobs weggefallen sind, wie Vorstandsmitglied Clemens G. Schnell erläuterte. Dadurch seien die jährlichen Personalkosten bereits um 1,5 Millionen auf 58 Millionen Euro gesunken. Das Geschäftsstellennetz ist von 61 auf 49 Standorte reduziert worden. Elf Filialen sind in reine Selbstbedienungsstellen mit Geldautomaten und Überweisungsterminals umgewandelt worden. „Die eingeleiteten Maßnahmen greifen“, sagt Linnebank mit Blick auf die Bilanz. Der Sparkurs sei nötig. Die Niedrigzinsphase fordere ihren Tribut. Eine positive Auswirkung der europäischen Geldmarktpolitik seien die günstigen Kundenkredite. Kommunen, Unternehmen und Häuslebauer wollen sich die historisch niedrigen Zinsen sichern. Mit rund 561 Millionen Euro ausgezahlten Krediten (plus 24 Prozent) verzeichnet die Sparkasse den höchsten Stand seit der Fusion mit den Sparkassen Speyer und Rhein-Pfalz-Kreis im Jahr 2013. Bei den Darlehen für Unternehmen gab es gar einen Zuwachs von 30 Prozent. Das boomende Kreditgeschäft hat der Sparkasse geholfen, ihre Verluste bei Zinsen wettzumachen. Das billige Geld sorgt auch für eine hohe Nachfrage auf dem Immobilienmarkt in der Region. Viele Sparer investieren in „Betongold“. Über 1300 Häuser und Wohnungen sind von der Bank finanziert worden. Die Nachfrage übersteigt bei Weitem das Angebot. Die Sparkasse will ihren Kunden, die mehrheitlich ihr Geld in Hoffnung auf höhere Zinsen kurzfristig angelegt haben, das Wertpapiergeschäft schmackhaft machen. „Hier gibt es noch eine vernünftige Rendite“, warb Vorstand Schnell. Kunden sollten daher auch in Aktien oder Fonds investieren. Für ihre Beratung sei die Sparkasse als beste Bank in Rheinland-Pfalz ausgezeichnet worden. Die Kundenbetreuung via Telefon oder Internet wächst. Mit über 9,2 Millionen Kontakten sei das Internet mittlerweile die am stärksten frequentierte Filiale der Sparkasse. Die Sparkassenchefs rechnen auch 2017 mit einem schwierigen Geschäft. Ein Ende der Niedrigzinsphase sei nicht absehbar.