Ludwigshafen
Schullandheim Ramsen: Eine Auszeit für Städter
Rund 1500 Schulkinder und seit 1996 auch nahezu 200 Senioren während der Schulferien sind jedes Jahr für einige Zeit Gäste in dem Haus, das nach Angaben von SPD-Stadtrat Holger Scharff „natürlich ein Zuschussbetrieb – aber mit einem überschaubaren Finanzbedarf ist“. Scharff muss es wissen, denn er ist seit Jahren Vorsitzender des 1995 gegründeten „Freundeskreises Schullandheim Ramsen“, dem etwa 100 Ludwigshafener angehören. Sie stifteten zuletzt eine Rutsche für die Kinder, die in Ramsen einige Tage eine besondere Form des Schulunterrichts mit begleitendem Freizeitvergnügen genießen. Die meisten Mitglieder des Freundeskreises haben selber in jüngeren Jahren eine solche „schulische Freizeit“ bei einem Aufenthalt in Ramsen genossen und helfen nun, dieses Kleinod der Ludwigshafener Sozialverwaltung zu unterstützen.
Belegung reduziert
Die coronabedingten Probleme der vergangenen zwei Schuljahre haben auch im Ramsener Schullandheim ihre Spuren hinterlassen. „Wir haben die Belegung des Hauses derzeit stark reduziert“, zieht Janine Hecht, die Leiterin der Abteilung Schulangelegenheiten bei der Stadt, eine erste Bilanz. Das bedeutet, dass statt wie bisher bis zu 85 Schüler pro Belegung für drei bis fünf Tage nur etwa die Hälfte anreisen darf – und diese Kinder müssen allesamt vor der Anreise per Bus einen Covid-Negativtest nachweisen. „Wir sind diese Vorsichtsmaßnahmen den Busunternehmen, aber auch vor allem den Betreuern schuldig“, sagt Hecht, „denn die meisten Kinder sind noch nicht geimpft.“
In diesem Jahr werden sich noch Schulklassen aus unterschiedlichen Schulen bis kurz vor Weihnachten auf den 40 Kilometer langen Weg nach Ramsen machen – dann haben die Hausbetreuer um den Schullandheim-Verwalter Maik Unfricht das Haus für sich allein. Sie werden eine Generalreinigung in Angriff nehmen, Schäden beseitigen und bei größeren Defekten städtische Fachleute anfordern. „Es wird nicht viel kaputt gemacht – es gibt keinen Vandalismus“, freut sich Unfricht über die Disziplin der jungen Gäste. Der 43-Jährige, der derzeit als Sportchef und „Interimstrainer“ des Fußballclubs SV Südwest eine zusätzliche private Aufgabe zu stemmen hat, ist seit knapp sieben Jahren Chef in Ramsen und von seiner Arbeit begeistert.
Sportmöglichkeiten vor der Tür
Denn er erlebt gelegentlich Erstaunliches. So wollte ein junger Gast bei der Abreise sein liebgewordenes Kopfkissen mitnehmen – ein anderer erst gar nicht in den Bus steigen, sondern weiter in Ramsen bleiben. In fast ungläubiges Erstaunen versetzte den ehemaligen Spitzensportler ein 98-jähriger Senior, „der sich mit einer unglaublichen Energie täglich rund ums Haus in Bewegung setzte“. Dort stehen allen Schullandheim-Gästen ein Sport-Rasenplatz mit Hockeytoren fürs beliebte Elfmeterschießen, aber auch Einrichtungen für andere Sportarten wie Tischtennis zur Verfügung. „Am liebsten gehen die Gäste natürlich in den nahen Wald, den es in Ludwigshafen ja nicht gibt. Viele Kinder haben noch nie einen Wald gesehen“, sagt Unfricht.
Wer in Ramsen seine Freizeit gestalten will, hat es leicht. Nicht weit entfernt liegt der idyllische Eiswoog, zu dem man auch mit einer Schmalspurbahn gelangen kann. Ausflüge kann man auf die nahe Burg Stauf, in die Klosterruine Rosenthal, auf die Burg Altleiningen oder in den Stumpfwald planen. Für die Schulklassen organisieren das die Lehrer – die Senioren haben genügend Freizeit für eigene Aktivitäten. Während die Kinder auch die Nächte im Haus verbringen, werden die Senioren am Abend mit dem Bus abgeholt und nach Hause gebracht, ehe es am nächsten Tag für sie wieder in den romantischen Stumpfwald geht.
Hauseigene Köchin
Für die Verpflegung ist ein hauseigenes Team mit einer Köchin zuständig. Alle Zutaten werden von einem Service montags nach einem festgelegten Plan geliefert. Unfricht sagt: „Wir berücksichtigen nach Möglichkeit auch Sonderwünsche von Allergikern.“ Fahrt, Betreuung und Verpflegung haben natürlich ihren Preis – doch der ist bescheiden: Schüler zahlen 23 Euro pro Tag, Senioren sind mit 26 Euro ebenfalls günstig dran. Wo es finanziell „eng“ wird, gibt es bei der Stadt Sonderkonditionen. Einzige Einschränkung: Wenn alles ausgebucht ist, geht nichts mehr. So sind für Schulklassen bis zu den großen Ferien 2022 keine Termine mehr frei.
Die Senioren sind in Gruppen aus nahe beieinanderliegenden Stadtteilen eingeteilt – sie können während der sechswöchigen Schulferien jeweils zwei Wochen Urlaub ohne Koffer machen. Während die Schüler von ihren Schulen angemeldet werden, müssen die Senioren das selber bei der Stadtverwaltung organisieren.