Mannheim
Schritt für Schritt für Schritt: Wie Jonathan Zelter 2030 die SAP-Arena füllen möchte
2030 könnte ein gutes Jahr werden. Rassismus und Sexismus haben wir besiegt, an Donald Trump als US-Präsidenten können wir uns kaum noch erinnern, und was war noch mal genau dieser Klimawandel? Klingt utopisch? „Auf jeden Fall optimistisch“, sagt Jonathan Zelter über seinen Song „2030“. „Und es sind alles Dinge, die ich selbst nicht in der Hand habe.“ Also überlegte er sich ein Ziel für das Jahr 2030, das nicht ganz unrealistisch erschien – und buchte gemeinsam mit seinem Konzertveranstalter die SAP-Arena. Zehn Jahre hat er nun Zeit, die Tickets zu verkaufen. Bis zu 15.000 – sollte Jonathan Zelter ein Superstar werden und sich für eine 360-Grad-Bühne entscheiden.
Schon als Jugendlicher auf der Bühne
„Das ist kein Marketinggag, das ist ein Statement“, sagt der 26-Jährige. Ihm sei natürlich klar, dass er die Arena nicht im nächsten Jahr, Corona hin oder her, füllen würde. Aber er habe ja schließlich zehn Jahre Zeit. Bisher sei er seinen Weg konsequent gegangen, Schritt für Schritt für Schritt, „schön kontinuierlich“. Mit fünf Jahren begann der kleine, in Trier geborene und in Wittlich aufgewachsene Jonathan Akkordeon zu spielen, mit neun oder zehn stand er zum ersten Mal auf einer Bühne, und mit 16 schrieb er seinen ersten eigenen Song. 2012, zwei Jahre vor dem Abitur, hatte er 70 Auftritte pro Jahr. Auf Stadtfesten und Weinfesten, Hochzeiten und Geburtstagen sang er Songs von Elton John, sang „Rote Lippen soll man küssen“, erfüllte er auch viele Wünsche von Feiernden.
Mannheim als Wahlheimat
„Es war eine harte Schule, und mich kann so schnell nichts mehr schocken“, erinnert er sich. „Ich habe dadurch sehr viel Bühnenerfahrung bekommen.“ Schon früh sei ihm klar gewesen – und seinen Eltern auch –, dass die Musik sein Beruf werden solle. „Als manche Freunde nach dem Abi ins Ausland gegangen sind, habe ich mir sozusagen auch eine Auszeit erlaubt“, erinnert er sich. Da sein Produzent in Karlsruhe lebte und er gerne in eine Großstadt ziehen wollte – aber zu groß sollte sie auch nicht sein –, entschied er sich für Mannheim als Wahlheimat. Es wird oft vermutet, dass er an der Popakademie studiert oder studiert hat. Was nicht stimmt, auch wenn es ihn gereizt habe. „Aber ich wollte weder ein Studium noch die Musik halbherzig machen.“ Einige Mitglieder seiner Band waren aber auf der Popakademie, andere auf der Musikhochschule. Er habe sich, sagt er beim Gespräch in einem Café am Mannheimer Wasserturm, schnell zu Hause gefühlt, viele Menschen kennengelernt und Unterstützung erfahren. Von Capitol-Chef Thorsten Riehle beispielsweise, der ihn schon 2016 in seinem Haus spielen ließ, bei freiem Eintritt. „Weil es funktioniert hat, fand es im nächsten Jahr dann mit Eintritt statt, und inzwischen ist es schon so etwas wie eine Traditionsveranstaltung“, sagt Zelter. Für das Konzert, das am vergangenen Sonntag hätte stattfinden sollen und wegen Corona abgesagt wurde, seien im März schon 350 Karten verkauft gewesen: „Wahrscheinlich wäre das Capitol zum ersten Mal ausverkauft gewesen.“ Zu Zelters Popularität beigetragen haben Fernsehauftritte und der zum Hochzeitssong avancierte Hit „Ein Teil von meinem Herzen“, der millionenfach geklickt wird.
Drittes Album erscheint im Dezember
Und wenn er nun in zehn Jahren überhaupt keine Lust mehr haben sollte, Musik zu machen? Eine Frage, die Jonathan Zelter absurd findet. „Ich mache doch schon mein Leben lang Musik“, sagt er, „warum sollte ich denn auf einmal aufhören wollen damit?“ Dass er nicht nur Konzerte gibt, sondern seine Lieder selbst schreibt und auch viel für Kollegen komponiert, habe ihm in der Corona-Zeit geholfen. Und dass sein drittes Album „2030“, das am 11. Dezember physisch und am 19. Februar digital erscheinen soll, so früh fertig geworden sei wie noch nie.
„Aber live auf der Bühne zu stehen, ist natürlich der Sinn“, sagt Zelter. Er hatte Auftritte beim „Jetzt erst recht“-Festival und beim Autokino. Bei einem Auftritt vor 120 Autos und ohne eine Möglichkeit des direkten Kontakts zum Publikum habe er „einfach das gewohnte Feedback und den Applaus vermisst“, sagt er. Normalerweise gebe er nach einem zweistündigen Konzert zwei Stunden lang Autogramme und mache Selfies mit Fans. Spätestens am 12. Oktober 2030 wird er das sicher auch wieder machen können – wenn sämtliches Übel aus der Welt verbannt ist und wir Begriffe wie „Abstandsregeln“ und „Hygienekonzept“ aus unserem Wortschatz gestrichen haben werden.