Ludwigshafen Schrille Selbstinszenierungen
Eine Ausstellung im Cinema Paradiso & Arte vereint Gemälde von Olga Skovikova, die in Mannheim lebt, mit dem Geist von Andrey Bartenev, der ein internationaler Performance-Künstler ist. Zur Vernissage war er aus Moskau angereist, um eine Video-Vorführung jüngerer Arbeiten zu kommentieren.
Die Bilder, die Olga Skovikova gewöhnlich malt, sind fröhlich bunt, aber dabei pastellartig zart und verhalten. Sie erzählen mal figurativ, mal eher abstrakt von menschlichen Beziehungen. Die Motive sind großfigurig vereinfacht und ohne narrative Details. Zum Beispiel eine Neigung zweier Köpfe zueinander oder ein organisch konstruktives Gebilde in Zentralposition. Die Farben sind lyrisch emotional. Diese Bilder sind an den Seitenwänden platziert; ungünstig, könnte man sagen. Denn in der reichhaltigen Ausstattung des Saals nimmt man sie kaum wahr. Riesengroße, eigens für die Ausstellung gemalte Bilder bedecken dagegen die hohe Wand, die das Bühnenportal umrahmt. Die meisten sind grell bunt, einige in ernstem Schwarzweiß. Es ist ein Rausch von Farbe und Bewegung und zugleich, wenn auch nicht in allen Bildern deutlich zu erkennen, eine festgefügte graphische Struktur. Die Bilder sind von der Künstlerpersönlichkeit Andrey Bartenevs inspiriert. Auf einigen ist Andrey Bartenev als Kunstperson zu sehen. Im direkten Gegenüber wirkt er wie ein freundlich zugänglicher, eher zurückhaltender Zeitgenosse. Aber in seinen Performances inszeniert er sich als ein schrilles Kunstobjekt. Meist tritt er jedoch nicht selbst auf, sondern lässt seine Schüler auftreten. Er komponiert ihre Körper in schier ausufernder Phantasie zu bewegten Skulpturengruppen, die sich durch poppige Kostüme definieren. Manchmal ist es das Adamskostüm mit ästhetisch frappierenden Akzenten. Auch wenn Bartenev nur kommentiert, wie im Paradiso, ist er kostümiert, allerdings vergleichsweise brav. Die Kostüme sind voluminös und mit großem Anteil an Pappmaché auch schwer. Sie sind meist schrill bunt bemalt, manchmal graphisch schwarzweiß. Bartenev setzt sie zu Musik in Bewegung. Er ist auf den Kunstschauplätzen der Welt unterwegs, in New York, London, Paris, Berlin, Venedig. Er gilt als eine höchst eigenwillige Figur, die Gegensätze wie frühen russischen Konstruktivismus und Pop-Art unbekümmert zusammenschmiedet. Im Paradiso gaben jüngere Videos davon einen Eindruck. Nackte Körper in beglückend schöner, sinnfälliger Choreographie und/oder mit extravaganten Einfällen ironisch garniert. Sie wurden während seiner Lehrtätigkeit in Norwegen mit Studenten erarbeitet. In Moskau inszenierte er ein grellbuntes Karnevalstreiben . Viele Motive finden sich in Skovikovas Bildern wieder. Man sieht eine knallbunte Maske, die wie ein Tellerkragen ein Gesicht umschließt. Bartenev schwebt über einem Feld grellroter Münder. In den schräg herabhängenden Zigaretten drücke sich, so Skovikova, die Skepsis des Publikums aus. Die Freundschaft von Olga Skovikova und Andrey Bartenev begann 1987 in Sotschi, wo beide Dozenten an der Kunstschule waren. „Wir waren jung und voller Ideen“, sagt sie. Angeregt durch ihn habe sie zu malen begonnen. Zusammen gründeten sie die Künstlergruppe „Artel“. Die ging bald darauf in das deutsch-russische Projekt „Quattrologe“ ein. Da war Andrey Bartenev aber schon in Moskau. Olga Skovikova kam in die Rhein-Neckar-Region. Termine Cinema Paradiso & Arte in Ludwigshafen, Hemshofstraße 56. Telefon 0621/5889542