Ludwigshafen „Salafisten in Röhrenjeans“

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Als Mann mit marokkanischen Wurzeln hat man es derzeit nicht gerade leicht in Europa. Der Kabarettist und Comedian Abdelkarim macht aus der Not eine Tugend: Er spielt mit den Vorurteilen und begegnet den Ressentiments mit entwaffnendem Humor. Das beschert ihm ausverkaufte Säle wie auch jetzt im Mannheimer Capitol.

Abdelkarim erfüllt optisch perfekt das Klischee vom angsteinflößenden Nordafrikaner: glattrasierter Schädel, Vollbart, Jogginghosen, Lederjacke und ein Blick zum Fürchten. Doch längst kennt man den Comedian aus dem Ruhrpott als scharfzüngigen Kommentator aus TV-Formaten wie „Die Anstalt“, „Nightwash“ oder „Die Heute-Show“. „Staatsfreund Nummer Eins“ heißt sein aktuelles Soloprogramm, in dem er nonchalant über sein Schicksal als „Nafri“ plaudert und Anekdoten aus seiner Kindheit in der Bielefelder Bronx erzählt. Als Moslem sei man Vorurteile gewöhnt, doch derzeit habe man auch handfeste praktische Probleme, erzählt Abdelkarim, der für die Bühne seinen Nachnamen Zemhoute weglässt. Vor ein paar Wochen habe er einem Freund beim Umzug helfen wollen. „Für uns Muslime ist es aber derzeit schwer, einen Lkw zu bekommen. Wenn wir bei der Autovermietung anrufen, dann heißt es: Wir haben nur Fahrräder.“ Mit dem umstrittenen Begriff „Nafri“ geht der 35-Jährige recht freimütig um: „Nafri heißt Araber ohne Erdöl.“ Aber Abdelkarim ist schließlich der Staatsfreund Nummer Eins, und deshalb hat er für das kommende Silvester ein wasserdichtes Sicherheitskonzept entwickelt, das er im Oktober der Polizei von Nordrhein-Westfalen vorstellen will. In Mannheim verriet er aber schon mal einen Schwerpunkt: „Wir postieren einfach Schwule am Kölner Hauptbahnhof.“ Denn Homosexuelle seien die natürlichen Feinde des Antanzers. Er empfiehlt das Bilden von Vierergruppen, die sich dann je eines Antanzers annehmen sollen: „Die wünschen sich dann die Abschiebung.“ Aber darf man so ernste Themen durch den Kakao ziehen? Ja, unbedingt. Mit seinem Humor verharmlost Abdelkarim die Dinge nämlich keineswegs, sondern entlarvt und ermöglichst einen anderen Blickwinkel. Und Lachen kann sehr befreiend sein. Urkomisch sind auch die Geschichten aus Abdelkarims Kindheit. Zum Beispiel, er erzählt, wie er als Kind beim Martinsumzug mitgelaufen ist. Zunächst war sein Vater dagegen, weil es sich um ein christliches Fest handelte. „Als er aber gehört hat, dass es Süßigkeiten gibt, war er begeistert.“ Als der kleine Abdelkarim dann mit Mandarinen nach Hause kam, war er enttäuscht. „Da hätten wir auch in Marokko bleiben können.“ Abdelkarim sieht man an, dass er kein Deutscher ist. Deshalb wird er häufig von der Polizei kontrolliert. Das dürfte mit seinem wachsenden Bekanntheitsgrad jetzt abgenommen haben, doch manchmal passiert es noch, und für den Comedian ist es jedes Mal ein Fest, schließlich ist er bekannt für seine Polizeikontrollen-Stories. Diesmal war er mit dem dunkelhäutigen Comedian Marius Jung unterwegs. „Als wir am Frankfurter Flughafen aus dem Zug stiegen, kamen zwei Polizisten mit Jackpot-Blick auf und zu.“ Nach der Kontrolle habe er gefragt, warum gerade sie überprüft worden seien. Die Antwort: „Es gibt eine Fahndung, darauf passt Ihre Beschreibung.“ Die Beschreibung hätte Abdelkarim nur zu gerne gelesen: „Ob da stand: Ein Schwarzer im Anzug und ein Marokkaner, der angezogen ist wie ein Russe?“ Manchmal haben Vorurteile auch Vorteile: „Meine Tasche will im Kölner Hauptbahnhof niemand klauen“, hat Abdelkarim festgestellt und pflegt seine eigenen Ressentiments, gegen Hipster zum Beispiel: „Das sind Salafisten in Röhrenjeans.“

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