Firmenporträt Rhenoflex: Weltmarktführer im Verborgenen
Produktions- und Vertriebsstandorte von Rhenoflex finden sich in den USA, Frankreich, Hong Kong, China und Vietnam. Das Vertriebsnetzwerk erstreckt sich über mehr als 20 Länder, beliefert werden 400 Firmenkunden. Weltweit zählt das Unternehmen rund 300 Mitarbeiter. Der letzte Jahresumsatz der Gruppe habe bei über 80 Millionen Euro gelegen, wie Firmenchef Frank Böttcher beim Besuch der RHEINPFALZ berichtet. „Wir sind ein ,Hidden Champion’ und Marktführer für unsere Produkte“, sagt Böttcher mit sichtlichem Stolz.
Chanel, Gucci, Louis Vuitton
Der englische Begriff „hidden“, also „verborgen“, beziehe sich darauf, dass die Produkte unsichtbar in Schuhen und Handtaschen verbaut sind. Weshalb der Kunde den Namen Rhenoflex nicht kenne, erläutert er. Die Markennamen der fertigen Schuhe und Handtaschen kennt man dagegen sehr wohl. Bei den Schuhen beliefere Rhenoflex im Prinzip alles, was Rang und Namen hat, Schuhfabriken rund um den ganzen Globus.
Unter den Marken der Handtaschen seien auch Chanel, Gucci oder Louis Vuitton. „Wir machen hier die Verstärkungsmaterialien. Sie sind überall da, wo Stabilität gebraucht wird“, erläutert Gunter Scharfenberger, promovierter Chemiker und zuständig für die Forschung und Entwicklung.
Rund um die Ferse eingearbeitet
Ein Beispiel ist die „Hinterkappe“, die im Schuh rund um die Ferse eingearbeitet wird. Zur weiteren Verstärkung gibt es in vielen Schuhen auch eine „Vorderkappe“. Für den Komfort wichtig sei die richtige Mischung aus Festigkeit und Elastizität des verwendeten Materials. Der Vorsprung von Rhenoflex bestehe zum einen aus der Rezeptur und der Mischung der Rohstoffe. Zum anderen in den Herstellungsverfahren, verrät der Chemiker.
So habe Rhenoflex schon in den 80er-Jahren mit Rhenoprint ein Verfahren ähnlich dem 3D-Druck entwickelt. „Mit diesem Verfahren produzieren wir 350 Millionen Paar Kappen im Jahr. Weitere 450 Millionen Paar Kappen stellen wir aus Plattenmaterial her“, nennt Böttcher beeindruckende Zahlen. Vorteil des Rhenoprint-Verfahrens sei, dass es keinen Abfall gebe und der CO2-Fußabdruck gegenüber des Plattenverfahrens um 50 Prozent geringer ausfalle, informiert der Technik-Chef.
Genutzt werden immer mehr nachwachsende Rohstoffe wie Holzmehl oder gemahlene Reisschalen. Auch zu Pulver gemahlene CDs werden dem Material beigemischt. Grundlage sind jedoch „thermoplastische Polymere“, die aus Erdöl gewonnen werden.
400 verschiedene Produkte
Hergestellt werden daraus 400 verschiedene Produkte, erläutert der Firmenchef. Zu den Produkten gehören etwa auch Bestandteile von Einlegesohlen, Einlagen für die Orthopädie und Prothesen. Seit der Gründung vor 70 Jahren sei das Unternehmen ein Pionier in diesem Bereich, betont Böttcher. Dies soll auch künftig so bleiben. Mit neuen und innovativen Verfahren plant das Traditionsunternehmen die Fortsetzung der Erfolgsgeschichte.
„
Revolutionäres Verfahren“
Der Standort Ludwigshafen soll modernisiert werden, kündigt er an. Hier befindet sich die Zentrale der Unternehmensgruppe und die Produkt- und Prozessentwicklung, die für technische Innovationen sorgt. „Mit der nächsten Generation unserer Produkte ist uns ein Quantensprung gelungen“, spricht der Firmenchef von einem „revolutionären Verfahren“. Mit einer neuen Prozesskette werden Lederabfälle recycelt und im Verstärkungsmaterial wiederverwendet. Möglich werde ein Material mit noch mehr Komfort und individuellen Eigenschaften, betont Scharfenberger.
Ziel: Bis 2030 klimaneutral sein
Beabsichtigt sei eine Modernisierung des Standorts Ludwigshafen, verbunden mit einer Investition in neue Anlagen. „Damit werden Arbeitsplätze geschaffen und der Standort gestärkt“, so Böttcher. Das Thema Nachhaltigkeit spielt für das Unternehmen nicht nur bei den Produkten eine Rolle. „Bis 2030 wollen wir im Betrieb klimaneutral sein“, kündigt der Technik-Chef an.
Nachdem das Fest zum 70-jährigen Jubiläum eher intern gefeiert wird, soll es im September beim Tag der Offenen Tür im Industriepark Süd für alle Bürger die Möglichkeit einer Besichtigung geben. Den Rahmen liefern die „Erlebnistage Chemie“ vom 17. bis 23. Juli. Der genaue Öffnungstag in Ludwigshafen stehe noch nicht fest und werde rechtzeitig bekannt gegeben.