Ludwigshafen
Rhein-Neckar Creativ und Trau: Was Corona für Messe-Veranstalter bedeutet
Mehr als 10.000 Besucher kamen nach Veranstalterangaben im vergangenen Jahr, um sich in der Eberthalle mit Farben, Wolle, Perlen, Stoffen und Bastel-Ideen einzudecken. In diesem Januar macht Corona den Kreativen einen Strich durch die Rechnung. Die Okken GmbH hat die Rhein-Neckar Creativ auf den 10. und 11. April verlegt. „Das Schlimmste ist die Ungewissheit“, sagt Projektmanager Marvin Okken. Denn ob im April Messen wieder erlaubt und ob sie – je nach Corona-Vorschriften – wirtschaftlich sein werden, kann derzeit niemand sagen. Hinzu könnten unterschiedliche Vorgaben in den einzelnen Bundesländern kommen. „Wir halten uns möglichst viele Optionen offen“, sagt Okken, der seit 2020 für die Rhein-Neckar Creativ verantwortlich und mit zwölf Messen und mehreren Märkten bundesweit und in Luxemburg unterwegs ist.
Damit es wirtschaftlich kein absolutes Corona-Debakel wird, habe das Bonner Familienunternehmen mit elf Mitarbeitern die Vorbereitungen für die Rhein-Neckar Creativ von Anfang an weit nach hinten geschoben. Die Aussteller-Plätze für Januar waren zwar vergeben, doch weder Werbeaktionen noch der Ticketverkauf hatten begonnen, als feststand, dass der Januar-Termin platzt. Der Schaden hielt sich also noch in Grenzen. Das Schlimmste wäre, wenn eine vollständig vorbereitete Messe wenige Tage vorher untersagt wird, sagt der 26-Jährige.
Aufwendige Konzepte
Mit der Niederrhein Kreativ im nordrhein-westfälischen Rheinberg hat das Unternehmen vergangenes Jahr eine Messe unter Corona-Auflagen durchgeführt. „Die war super erfolgreich.“ Das Publikum habe sich sehr diszipliniert verhalten. Man habe die Veranstaltung um einen Tag verlängert, um die Besucherströme zu entzerren. Gerade weil Messe-Veranstalter in ihre Hygienekonzepte viel Zeit und Geld investiert hätten, hat Marvin Okken wenig Verständnis für den aktuellen Lockdown. „Zumindest nicht in dem Ausmaß. Wir haben in der Veranstaltungsbranche super viel gemacht“, sagt er. Auch habe es bei Messen bislang keine nachweislichen Ausbrüche gegeben.
Wenn im April eine Rhein-Neckar Creativ stattfindet, sei er zuversichtlich, dass viele Besucher kommen und basteln wollen. Seit sich die Menschen wegen der Pandemie verstärkt zu Hause beschäftigen, seien Bastelmaterialien sehr gefragt.
Trau ein Jahr später
Auch die Hochzeitsmesse Trau hätte im Januar in der Eberthalle stattfinden sollen. Die veranstaltende Agentur Livetime aus Düsseldorf hat den neuen Termin gleich ein ganzes Jahr später, für den 15. und 16. Januar 2022, angesetzt. Hochzeiten seien „ein Januar- oder Oktoberthema“, sagt Geschäftsführer Frank Schumacher. Das hänge mit dem Planungsablauf für eine Hochzeit zusammen, auch mit dem Zeitpunkt, wann neue Brautkleid-Kollektionen auf den Markt kommen. Eine Messe im Frühjahr „wäre nur eine halbherzige Geschichte“. Es seien zwar viele große Hochzeitsfeiern von 2020 auf 2021 verschoben worden – diese Brautpaare hätten sich aber bereits um alles gekümmert und seien nicht mehr auf der Suche nach Kleid, Ringen, DJ oder Konditor. Mit dem Termin in den Herbst dieses Jahres zu gehen, war ebenfalls keine Option. Für 16. und 17. Oktober ist eine Trau in Mannheim terminiert. Außerdem: „Zu dem Zeitpunkt, wo wir es hätten entscheiden müssen, war die Eberthalle noch als Impfzentrum im Gespräch“, sagt Schumacher.
Verständnis für Lockdown
Frank Schumacher ist mit seinem fünfköpfigen Familienunternehmen schon lange im Geschäft. Alleine die Trau in Ludwigshafen betreut er seit mehr als 25 Jahren, dazu die Hochzeitsmesse an vier weiteren Standorten. Das zweite Standbein des 57-Jährigen ist eine Promotion- und Eventagentur. Auch für Livetime ist die Corona-Zeit schlimm. Wie auch bei der Okken GmbH wurden die Mitarbeiter in Kurzarbeit geschickt. Ein Jahr lang sei das aber auszuhalten, sagt Frank Schumacher und zeigt für den derzeitigen Lockdown viel Verständnis. „Der Lockdown hätte noch viel früher kommen müssen“, sagt der gelernte Messekaufmann sogar – damit man endlich die Kurve kriege und es wieder bergauf gehe.
Auch er hat mit der Trau im vergangenen Oktober in Mannheim bereits eine Messe unter Corona-Auflagen durchgeführt. Ein wirtschaftliches Risiko. Bei einer kurzfristigen Absage hätten alle Aussteller ihr Geld zurückbekommen. Soweit kam es zum Glück nicht. Für die Aussteller sei es damals wichtig gewesen, sich in dieser Zeit präsentieren zu können. Doch aus Veranstaltersicht spricht Schumacher von 40 Prozent Besucherverlust. Umso mehr hofft er auf eine erfolgreiche Messe-Saison ab Oktober 2021. Und Frank Schumacher ist optimistisch.