Ludwigshafen Rentner bringen Klassiker auf die Bühne
Mitte Mai hat sich im Seniorenzentrum Lu kompakt eine Rockband 55 plus gegründet. Das Projekt, initiiert von Bernhard Linkenbach, bei der Stadtverwaltung zuständig für die Seniorenförderung, hat sich gut entwickelt. Mittlerweile hat sich eine Profi- und eine Anfängergruppe gebildet. Einen ersten Auftritt gab’s auch schon.
„Die Profis haben sich noch nicht getraut, aber die Anfänger hatten schon einen kleinen Auftritt beim Sommerfest von Lu kompakt“, erzählt Linkenbach und muss lachen. Der Sozialarbeiter hatte bei seiner Arbeit in einem Seniorenzentrum die Idee für eine „Rentnerband“, die Klassiker der Rockmusikgeschichte spielt. Im Mai gab’s das erste Treffen. Mehr als 20 „junge Alte“ hatten dabei Interesse bekundet – manche, die schon seit ihrer Jugend ein Instrument spielen und auch schon Bühnenluft geschnuppert haben, manche, die einfach nur Spaß am Singen unter der Dusche haben, sowie manche, die gerade erst Noten lesen gelernt haben. Schon damals war klar: Diese Menge an Leuten kann nicht in einer Band untergebracht werden. „Mittlerweile haben sich zwei Gruppen herausgebildet“, berichtet Linkenbach: Eine Band mit den Profis – all jenen, die die Musik ihr Leben lang begleitet hat, die ihr Instrument im Schlaf beherrschen und die nun gemeinsam an ihrem Repertoire basteln. Diese Gruppe aus fünf bis sechs Musikern organisiere sich größtenteils selbst. „Sie sind sehr zielorientiert“, meint der Sozialarbeiter, probten auch fleißig zu Hause, damit die Noten bei den wöchentlichen Treffen sitzen. Hilfestellungen von ihm brauche diese Gruppe kaum. „Die haben eine gewisse Eigendynamik entwickelt“, sagt er, „aber das ist okay, wenn sie zusammenfinden.“ Daneben haben sich die Anfänger zu einer Band zusammengeschlossen. Zu ihnen hat Linkenbach engen Kontakt. „Das ist eine Kernmannschaft aus sieben bis acht Leuten. Und dann kommen immer mal wieder zwei bis drei dazu und schauen sich das an“, berichtet er. „Bei den Proben hört es sich manchmal noch schräg an, aber die Gruppe hat Spaß und ist fleißig am Üben.“ Auch wenn noch nicht jeder Ton, jede Note perfekt sitzt – das Publikum bei ihrem ersten Auftritt beim Sommerfest sei begeistert gewesen und habe mitgerockt. Und generell, Anfänger hin oder her: Die Disziplin sei auch in dieser Gruppe hoch. „Die Kerngruppe ist zuverlässig ohne Ende.“ Ein erfahrener Alleinunterhalter, der bei dem ersten Treffen des Projekts Rockband 55 plus dabei gewesen ist, hat das „Coaching“ der Anfängergruppe in die Hand genommen. „Er gibt zum Beispiel Tipps, wie sie sich ihr Repertoire zusammenstellen können, erklärt Einstellungen an den technischen Geräten und so weiter“, sagt Linkenbach. Mittlerweile habe die Gruppe auch Geld in ihr Projekt gesteckt: „Am Anfang waren alle erst mal vorsichtig, Aber jetzt, da sie sich regelmäßig treffen, investieren sie auch.“ Die Sänger haben sich Mikrofone für die wöchentlichen Proben gekauft, Linkenbach selbst eine Gesangsanlage. Zwölf bis 15 Lieder beherrschen sie inzwischen, „50 brauchen sie mindestens“, so der Sozialarbeiter. Bis Sommer 2017 sollen beide Gruppen so weit eingespielt sein, dass „richtige“ Auftritte in Angriff genommen werden können. Und das nicht nur bei Festen, sondern beispielsweise auch regelmäßig in Senioreneinrichtungen. Doch schon jetzt glaubt Linkenbach, sein Ziel erreicht zu haben: „Ich wollte den Senioren eine musikalische Möglichkeit bieten, sich zu treffen. Alle sind motiviert bei der Sache, es macht den Leuten Spaß. Und das ist klasse.“ Noch Fragen? Wer bei den Anfängern mal hineinschnuppern möchte, kann sich bei Bernhard Linkenbach, Telefon 0621/5042683, melden.