Mannheim RHEINPFALZ Plus Artikel Reitend die Welt retten: „Cavalluna“ in der SAP-Arena

Eine dramatische Geschichte mit Musik, Tanz, Artistik und natürlich Pferden ist „Cavalluna“.
Eine dramatische Geschichte mit Musik, Tanz, Artistik und natürlich Pferden ist »Cavalluna«.

Große Pferdeoper und modernes Märchen: Gleich drei Vorstellungen von „Cavalluna – Legende der Wüste“ gab die Apassionata World GmbH in der SAP-Arena in Mannheim.

17 Jahre lang und zuletzt 2019 liefen die zirzensischen Pferdeshows selbst unter dem Namen „Apassionata“, bis ein Markenrechtsstreit dazu führte, dass die Pferde mittlerweile unter dem Etikett „Cavalluna“ traben. Nach „Cavalluna – Welt der Fantasie“ ist „Legende der Wüste“ nun die zweite Show unter dem neuen Namen, der auf das italienische „cavallo“(Pferd) zurückgeht. Bereits vor drei Jahren gestartet, war die laufende Tournee, die durch mehrere europäische Länder führt, wegen der Pandemie lange unterbrochen.

Nun roch es nach Zirkus in der SAP-Arena, in deren Zentrum sozusagen eine zweite Arena errichtet worden war, eine große Manege für Pferde und Reiter, Artisten und Tänzer. Um, von pathetischer und bisweilen sehr süßlicher Musik begleitet, ein schwurbeliges, aber zeitgemäßes Märchen zu erzählen, das natürlich vor allem anderen um die Präsentation von rund 60 Pferden verschiedener Rassen und Reitkünste gestrickt war. Von „Hayawia“ war da die Rede, einer Lebenskraft, die durch alle Geschöpfe fließe und die allumfassende Einheit bringen könnte, wenn da nicht noch „Jahl“, die Ignoranz, wäre, die aller Einheit zuwiderläuft.

Eine entführte Prinzessin

Ein weitgereister alter Jude in einem idyllischen niederländischen Dörfchen, in dem Mensch und Pferd in Einklang leben, erzählt seiner Enkelin die Geschichte der orientalischen Prinzessin Samira. Sie soll gerade zur Königin ernannt werden, als ihr böser Cousin Abdul ihr die Krone streitig macht, sie mit seinen Reitern entführt und in einen Käfig steckt. Wer befreit die Prinzessin aus dieser schier ausweglosen Lage? Dieser „Legende der Wüste“ nach ist es ein unerschrockener Hengst, der der Gefangenen von nun an unausweichlich zur Seite steht, wenn es gilt, Gefahren zu meistern. Er hilft Samira sowohl gegen wilde Tiere als auch gegen feindliche Reiterhorden zu bestehen. Wenn es dramatisch wird, schwillt nicht nur die Musik (des Autors, Regisseurs und Komponisten Klaus Hillebrecht) an, sondern es blitzt und donnert noch dazu, ohne dass der Hengst sich beeindrucken ließe.

Was all die Pferde können, zeigen sie zwischendurch in Zirkuskunststücken und verschiedenen Lektionen der Dressur, während die Reiter sich als mindestens ebenso sportlich erweisen, wenn sie in hoher Geschwindigkeit auf ihnen herumklettern wie Turner auf dem Pauschenpferd.

Karl May in mystisch

Abenteuerlich und etwa so, als wären die Karl-May-Festspiele nach Mannheim gekommen, verläuft die Vorstellung, bis es ganz und gar mystisch wird. Samira wird die Zukunft der gefährdeten Welt offenbar, und eine Stimme, die aus einer Harfe spricht, erklärt ihr wie dem Publikum: „Ignorante Menschen unterdrücken andere Wesen und beuten die Natur zu ihrem Vorteil aus. Doch irgendwann wehren sich Mensch und Natur, und es kommt zu Kriegen, Dürren, Bränden, Fluten und Stürmen.“ Die Prinzessin muss nun vier, freilich berittene und prächtig geschmückte Amazonen finden, die die Elemente „mit Intelligenz und mütterlichem Instinkt“ zu bändigen wissen. Sie selbst, weissagt ihr die Harfe, solle zur fünften Amazone werden, die als einzige alle Elemente beruhigen kann. Die Königstochter, natürlich immer umgeben von waghalsigen Reitern und Vierbeinern von edlen Arabern bis zu niedlichen Shetland-Ponys, tut wie ihr verheißen in dieser ausgesprochen weiblichen Ertüchtigungsgeschichte, die dem jüdischen Erzähler zufolge zwei Jahrtausende alt ist und doch ganz heutig vom Kampf gegen das Patriarchat und die Klimakatastrophe kündet.

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