Mannheim RHEINPFALZ Plus Artikel Reiss-Engelhorn-Museen zeigen Ugo Dossi

Zeichen sind seine Leidenschaft: Ugo Dossi.
Zeichen sind seine Leidenschaft: Ugo Dossi.

Die Ausstellung „Zeichen und Wunder“ im Museum Peter & Traudl Engelhornhaus der Reiss-Engelhorn-Museen in Mannheim ist dem Maler Ugo Dossi gewidmet. Bis Ende Juni des nächsten Jahres. Was an sich schon ungewöhnlich ist, aber sehr viel mit den immens gestiegenen Kosten zu tun hat, die Museen inzwischen zu stemmen haben.

Die Ausstellung „Zeichen und Wunder“ im Museum Peter & Traudl Engelhornhaus der Reiss-Engelhorn-Museen in Mannheim ist dem Maler Ugo Dossi gewidmet. Bis Ende Juni des nächsten Jahres. Was an sich schon ungewöhnlich ist, aber sehr viel mit den immens gestiegenen Kosten zu tun hat, die Museen inzwischen zu stemmen haben.„Kunst ist ein Werkzeug der Telepathie, der Übertragung geistiger Inhalte, und Zeichen können magische Objekte sein. Allein dass wenige Linien ein auf einer beliebigen Oberfläche die Kraft haben, im Betrachter innere Bilder mit Erinnerungen, Emotionen und damit verbundenen inneren Haltungen ins Leben zu rufen, ist Magie.“ Malerei? Kommt auch aus diesem Innen. „Ich bin kein Maler. Ich gestalte innere Bilder. Sie sind die eigentlichen, weil wirkenden Kunstwerke.“ Da wird der Künstler ganz von selbst zum Seelenführer und Schamanen.

Das hört sich heutzutage nicht gerade gut an. Aber Ugo Dossi, 80 und in München geborener Maler und Objektkünstler, der das zu Protokoll gegeben hat, er hat seine Überzeugungen. Er ist ein durch und durch reflektierter Künstler. Und er kann prächtig formulieren. Lauter Kernsätze im Angebot. Die könnte man zitieren ohne Ende. Bis man merkt, dass sich in Dossis künstlerischem Kosmos alles im Kreise dreht. Immer rundum, zyklisch und ohne Ende, es ist kein modernes Weltbild.

Ein ausgeklügeltes Pingpong

Ugo Dossis Kunst vollendet sich im in die Gegenwart projizierten Rückblick Das Alte Ägypten hat ihn. Das Verborgene fasziniert ihn und das Okkulte. Die Schönheit der Zeichen ist seine Leidenschaft. Und die Alchemie, jene uralte Nicht-Wissenschaft, die auf dem messerscharfen Grat zwischen möglicher Erkenntnis und manifestem Aberglauben balanciert. Daraus seinen Honig zu ziehen, ist eine hohe Kunst. Ugo Dossi beherrscht sie.

Die im neuen Showroom eine Treppe hoch als beziehungsdichte Installation arrangierten Werkgruppen spielen ein ausgeklügeltes Pingpong. Bilder ja, aber keine konventionelle Malerei. Magisch grün leuchtend hängt die Medusa Rondanini als Hologramm an der Wand. Gegenüber narren drei Vasengebilde aus Granit und Marmor auf Säulensockeln das Publikum. Natürlich sind es keine „Vasen“ (das auch), sondern Kelchformen, die durch die Profile von Nofretete, des Gottes Horus und des Künstlers selbst modelliert sind. An der Wand dahinter Nofretetes Gesicht, frontal und überlebensgroß im Hologramm und von einzelnen Symbolen und Schriftzeichen überfangen. Die hängen auf Einzelblättern 28-fach an einer anderen Wand, es ist ein von Dossi aus dem Schatz der Hieroglyphen extrahiertes „Alphabet der Archeogramme“, die im Betrachter innere „Meta-Bilder“ erzeugen sollen.

Renommierter Künstler

Im Zentrum des Raumes ein Dodekaeder aus Metallstäben. Mittig baumelt ein goldfarbenes Gebilde, es könnte ein kleines Tier sein. Oder ein Embryo. Drumherum stehen wie Wächter vier schildartige Objekte. Ihnen eingefräste Zeichen werfen ihre Schatten auf den Fußboden. Draußen hat man die als Bild horizontal aufgespannte Haut einer Python passiert. Uraltes Symbol von Ewigkeit. Im zum begehbaren Kunstwerk aufgehübschten Museumsfoyer zum Chillen eine aufwendige Extended-Reality-Installation, brandneu wie Dossis Beschäftigung mit dem Metaverse, in dem die Grenzen zwischen virtueller und physischer Realität verflimmern; geht nur mit VR-Brille auf der Nase.

Ugo Dossi ist nicht irgendwer. Er war zweimal auf der Kasseler Documenta vertreten (sechste und achte) und auf den Biennalen von Venedig (1986, 3011), Paris (1975) und Buenos Aires (2000). Als musealen Ritterschlag gab es 2021 im Ägyptischen Museum in München die Dossi-Ausstellung „Zeichen und Wunder“. Nun die Mannheimer, die eine vom Künstler überarbeitete Fassung seiner Ausstellung im Forum Würth in Künzelsau ist, das auch den Katalog stellt. Drei weitere Arbeiten befinden sich in der Ägypten-Dauerausstellung im Museum Weltkulturen.

Die Ausstellung

„Ugo Dossi: Zeichen und Wunder“, bis 30. Juni 2024 im Museum Peter & Traudl Engelhornhaus, C4, 12, Mannheim, Öffnungszeiten: Dienstag bis Sonntag 11 bis 18 Uhr

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