Ludwigshafen
Reiss-Engelhorn-Museen Mannheim widmen der Glaskunst eine Ausstellung
Die Ausstellung „Chromatik – Klang der Farben in der modernen Glaskust“ in den Mannheimer Reiss-Engelhorn-Museen (REM) präsentiert 36 ausgewählte Objekte aus der Sammlung Peter und Traudl Engelhorn. Es ist ein Vorgeschmack auf das neue Museum Peter und Traudl Engelhorn-Haus, das an den REM entsteht. Die Grundsteinlegung für den Neubau im Quadrat C4 ist im Juni gewesen.
Die Ausstellungsstücke kommen aus dem mudac (Museum für zeitgenössisches Design und angewandte Kunst) in Lausanne, wo Traudl Engelhorn lebt. Ihr Mann Peter, ein Urenkel des BASF-Gründers Friedrich Engelhorn, ist 1991 verstorben. Das mudac besitzt eine der bedeutendsten Sammlungen für moderne Glaskunst in Europa. In Mannheim soll künstlerische Gestaltung mit Glas, die bisher in Deutschland als Kunsthandwerk vernachlässigt wurde, einen hochkarätigen Präsentationsort bekommen.
Als Kunstform unterschätzt
Glaskunst war wegen ihrer technisch aufwendigen Materialbearbeitung in der Vergangenheit an Glashütten und Manufakturen gebunden. Künstler arbeiteten mt ihnen zusammen, so wie Metallbildhauer mit Gießereien. Salvador Dalí entdeckte in der Glasmanufaktur Daum in Nancy die sogenannte Glaspaste aus Glaspulver oder -granulat, die in Formen gegossen und nach Erkalten nachbearbeitet wird. Zwei seiner so entstandenen Skulpturen sind in der Ausstellung zu sehen. Durch die Entwicklung von handlicheren Schmelzöfen in den 1960er-Jahren wurde das künstlerisch eigenhändige Gestalten und Experimentieren angeschoben.
Glas ist ein vielseitiges Material. Es wird geblasen, gegossen, geschnitten, auch geklebt. Je nach Machart entstehen runde organische oder scharfkantige kristalline Formen. Die Oberflächen werden geschliffen oder poliert wie in der Steinbildhauerei. Einzigartig wird Glas durch die Brechung des Lichts, die eine durch Beimischung von Metalloxyden entstandene Farbigkeit erstrahlen lässt und je nach Ausleuchtung und Standort des Betrachtes kinetisch variiert. Das ist das Hauptthema dieser Ausstellung.
Wissenschaftlich Physik, für den Betrachter Magie
Die Exponate sind nach dem Farbkreis des Schweizer Künstlers und Kunsttheoretikers Johannes Itten in Augenhöhe auf weißen Sockeln angeordnet, von Rot über Gelb und Grün zu Blau. Sie sind von oben illuminiert. Eine Faszination farbiger Glasobjekte ist ihre Veränderung durch den Einfall von Licht. Wissenschaftlich ist das Physik, für den Betrachter ist es etwas Magisches, vom Künstler gesteuert.
Außerhalb des Farbkreises erhebt sich eine Gefäßskulptur des Amerikaners Jeff Zimmerman, die größer ist als die anderen Objekte und Trompe-l’oeuil-Effekte von Tranparenz, Intransparenz und Spiegelung spektakulär bündlet. Das mundgeblasene Objekt ist vielfältig geknautscht. Unterhalb des kompakten Rot der Vasenöffnung scheint der silberverspiegelte Mittelteil wie Metall auf dem glasklaren unteren Teil zu sitzen. In dessen Faltungen spiegelt sich die weiße Oberfkäche des Sockels als kompaktes Wabenmuster.
Böhmische Tradition
Gefäßskulptren sind auch in der zeitgenössischen Glaskunst ein Thema. Sehr häufig bei den tschechischen Künstlern, die, getragen von der böhmischen Tradition, die größte Gruppe in der Ausstellung sind. In klassisch klaren Schalen werden Intensität und Schattierung von Farbe mittels Oberflächenbearbeitung und Verdichtung des Materials minimalistisch inszeniert. Konstruktiv mit geschnittenen Formen, speziell in Gelb, arbeiten die Künstler. Von dem Duo Stansislav Libensky/Jaroslava Brychtová, das zu den Pionieren moderner Glaskunst zählt, ist ein roter Kopf von 1959 zu bewundern. Er sieht wie ein abgebrochener Block aus.
Der einzige deutsche Künstler in der Ausstellung ist Tobias Rehberger mit zwei blauen Kugeln aus geblasenem böhmischem Kristallglas. Dass auch ordinäres oder gar Plexiglas in schlichten Formen edel wirkt, zeigen Durk Valkema mit einem blauen Doppelkubus aus in Schichten verklebtem Industrieglas und Maurice Ruche mit einem „architektonischen Kubus“ aus Plexiglas. Valkema ist auch ein bekannter Ofenbauer. Er baut gerade einen in Höhr-Grenzhausen, der moderner Glaskunst zu mehr Ansehen verhelfen soll.
Termin
Bis 26. April 2020 im Mannheimer Zeughaus. Öffnungszeiten: Dienstag bis Sonntag 11 bis 18 Uhr, Feiertage außer Heiligabend und Silvester 11 bis 18 Uhr.