Ludwigshafen Reisen wenn der Garten ruht

Viel Handarbeit steckt im Schrebergarten von Siegfried und Margarethe Krawiec. Die 51-Jährige ist seit März Vorsitzende der Siedlergemeinschaft BASF Notwende. Für die eigene Parzelle bleibt dennoch genug Zeit.
Oggersheim. Der Blick bleibt an Details hängen in der Pergola von Margarethe und Siegfried Krawiec. Eine rot-weiße Bahnhofslampe vom Bahnhof Oggersheim, ein Vogelhaus aus einem Birkenstumpf, eine große Flagge und ein Topfhandschuh in rot mit dem Logo des FC Bayern München. Klare Verhältnisse, was das Mitfiebern beim Fußball betrifft. Oder doch nicht? Schließlich ist Borussia Dortmund ebenfalls mit einem Schriftzug vertreten. So genau legt sich Margarethe Krawiec bezüglich ihres Mannes nicht fest. „Champions League Spiele schauen wir hier oft“. Aber das ist nicht die einzige Gelegenheit, bei der sich der Garten mit Leben füllt. Margarethe Krawiec zeigt Fotos, auf denen ihr Mann mit BASF-Kollegen zu sehen ist. Alle freuen sich auf den Spanferkelrollbraten, den ihr Mann auf einen selbst gebauten Drehspieß gesteckt hat. Der dreht sich über dem aus einem Fass gesägten Grill. Das Selbermachen liegt ihrem Ehemann, verrät die 51-Jährige. Als gelernter Schlosser sei ihm nichts zu schwierig. Der selbst gebaute Räucherofen im hinteren Teil des Gartens ist genauso handgemacht wie das Gartenhaus, zwei kleine Gewächshäuser oder das Bienenhotel. Wen wundert es, dass ein geschnitztes Wappen in der Ecke der Pergola neben den Initialen M und S einen Hammer und eine Säge zeigt – und einen Pinsel. „Ich male gerne“, sagt Margarethe Krawiec. Seit 1998 hat das Ehepaar den Garten in der Siedlergemeinschaft BASF Notwende. Die Entscheidung für die Anlage fiel bewusst, schließlich identifizieren sich beide mit dem Stadtteil –obwohl sie nicht hier aufgewachsen sind. „Mein Mann ist 1987 aus Oberschlesien hierhergezogen, ich ein Jahr später“, sagt Krawiec. Als Kind sei sie jedoch regelmäßig in Oggersheim gewesen bei ihrer Tante. Und als sie schließlich den Garten bekamen, machte ihre heute erwachsene Tochter dort ihre Hausaufgaben. „Bis auf die Gartenlaube haben wir alles verändert“, sagt Krawiec zur Parzelle, deren Hecke aus Buchs zum Weg hin wie eine Burgmauer beschnitten ist. Rasenflächen wurden neu angelegt, dazu ein Fischteich, über den lange dünne Drähte gespannt wurden. „Das mag der Reiher nicht.“ Eine kleine Brücke führt hinüber, auf der anderen Seite reihen sich Apfel- Pfirsich- und Birnbäume und ein Baum mit überraschend großen grünen Früchten. Äpfel? „Das ist ein Kakibaum“, klärt Krawiec auf. Beim genauen Hinsehen sind deutlich die Blütenblätter am Stilansatz zu erkennen. Tatsächlich reifen die Früchte hier im milden Klima, allerdings erst, wenn der Baum seine Blätter ganz verloren hat. Ähnlich spät, wie die Kiwis, die in der Regel nach dem ersten Frost geerntet werden. „Früher hatten wir wilden Wein ranken“, sagt Krawiec. Aber der habe zu viel Dreck gemacht. Jetzt sind die Weinreben Brennmaterial für den Räucherofen geworden. Für den Schatten sorgen neben den Kiwis mittlerweile kleine Birnbäume. Williams Christ. Einkochen oder einmachen braucht das Ehepaar die Früchte nicht. „Wir machen Kuchen, essen das Obst so oder verschenken es.“ Immer wieder kommen Spaziergänger nahe des Gartens vorbei, wo die Anlage endet. Dann wandere schon mal ein Eimer gefüllt mit Obst über den Zaun. „Solange ich den leeren Eimer irgendwann zurückbekomme, passt das.“ Lediglich Gurken macht Krawiec haltbar – als Senfgurken, worin eine Prise Oberschlesien mitschwingt. Auch für Tomaten interessiert sich die 51-Jährige, zeigt eine überraschend kleine Sorte mit stacheligem Stil. Die Litschi-Tomaten schmecken süß-säuerlich. „Ich probiere gern neue Sorten aus“, sagt Krawiec. Obwohl sie und ihr Mann arbeiten, bleibt Zeit für den Garten und das Amt der Vorsitzenden, das sie im März übernommen hat. Mit dem Verein laufe es derzeit gut. „Wir haben 83 Gärten, die Warteliste ist lang.“ In der Siedlergemeinschaft sind mehr als 800 Mitglieder. Gute Unterstützung habe sie im Vorstand. So könne sie auch beruhigt im Herbst mit ihrem Mann ihren Jahresurlaub machen, dann wenn sich das Gartenjahr dem Ende zuneigt. Wohin die Reisen bisher gingen, verraten die Mitbringsel in der Gartenlaube. Ein schwarzer Holz-Elefant, ein Sombrero, eine afrikanische Maske. Dazu ein handgeschnitzter Aschenbecher aus Akazien, die hinter dem Garten wuchsen. Die Karte Kubas hat Krawiec daraufgemalt. Im kommenden Jahr wird sich eine Erinnerung aus Brasilien dazugesellen. Ein weiteres Detail im Garten in der Notwende. Die Serie Zum Sonne tanken oder Gemüse ziehen, viele Ludwigshafener zieht es regelmäßig in ihre Schrebergärten. Wer sich warum in seine Parzelle verliebt hat und was aus der Ernte wird, zeigen wir in dieser Serie.