Ludwigshafen Reiseführer vergangener Tage

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Es sind Geschichten von der Pilgerfahrt zum Grab des heiligen Jakobus in Santiago de Compostela, die Jutta und Klaus Peill am vergangenen Sonntag im Otterstädter Remigiushaus gesungen und erzählt haben. Mittelalterlich gewandet, treten sie als Duo Wünnespil auf. Die Musiker haben dem Publikum bei Kerzenlicht einen Nachmittag zum Träumen gegeben.

Ach, die Moderne hat schon ihre Vorteile. Mit dem Beamer projizieren Jutta und Klaus Peill Bilder zu ihren mittelalterlichen Geschichten vom Pilgerweg an die Wand. Aber trotzdem waren es die nachgebauten alten Instrumente, ihre Gewänder und eben die mittelalterliche Musik, die das Publikum ergriffen. Der Großteil der Lieder kam aus einer Liedersammlung des 13. Jahrhunderts, den „Cantigas de Santa Maria“, die im Auftrag von König Alfons dem Weisen auf der iberischen Halbinsel zusammengestellt wurde. Es sind Lieder in mittelalterlichem Galizisch-Portugiesisch zu Ehren der Jungfrau Maria, aber es zählen auch einige Pilgerlieder dazu. Die Wallfahrt zum angeblichen Grab des Apostels Jakobus in Santiago de Compostela begann etwa im zehnten Jahrhundert und zog das ganze Mittelalter über wahre Pilgerströme aus ganz Europa nach Nordspanien. Ein dichtes Netz von Pilgerwegen überzog alle Länder, das sich bündelte, je näher man dem Ziel kam. Klaus Peill ist den alten Weg an der nordspanischen Küste diesen Sommer gegangen und hat dabei die gezeigten Fotos gemacht, auf denen er sorgfältig alle deutlichen Hinweise auf die Neuzeit vermieden hat. Ungepflasterte Wanderwege durch Wälder und Wiesen, naturbelassene Flüsse, mittelalterliche Brücken – da kann einem schon das Gefühl einer Zeitreise ereilen. Aber was machte man in einer Zeit ohne gedruckte Reiseführer, wo suchte man Rat? Man singt den „Jakobston“, ein deutsches Pilgerlied aus dem 15. Jahrhundert. Es gibt Rat in zahlreichen Strophen. Als Reiseausstattung empfiehlt das Lied beispielsweise Mantel, Hut, an dem die Jakobsmuschel steckt, zwei paar Schuh und den Pilgerstab, mit dem man sich auch wehren kann. Bis heute etwa gegen wilde Hunde auf dem Weg, erzählt Klaus Peill. Es geht auch um Bergpässe, Diebe, betrügerische Anwohner, fremdländisches Essen – übersetzt auf neuzeitliche Verhältnisse kommt einem das gar nicht mehr so fremd vor. Diese Strophen flocht das Duo immer wieder ein und ließ so einen roten Faden entstehen, der trotz der vielen Erlebnisse und Lieder, immer wieder auf den Pilgerpfad zurückleitete. Jutta Peills klarer Sopran wurde begleitet von Klaus Peills kräftigem Bariton. Sie klangen durch die betonte Rhythmik und die Mehrstimmigkeit lebhafter als Sänger es wahrscheinlich im Mittelalter taten. Nachbauten alter Instrumente gaben ihren historischen Klang dazu: zwei Dudelsäcke, Cister und irische Bouzuki – ebenfalls ein Lauteninstrument –, dazu Rahmentrommeln und große Trommel. Für leise Borduntöne, die die Geschichten und Legenden ins Märchenhafte hoben, waren Monochord, die indische Shrutibox, eine Art einfaches Harmonium, und eine kleine Knieharfe da. Nur schwer tauchten die Zuhörer am Ende wieder in die Gegenwart auf. (adö)

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