Ludwigshafen
Reise nach Rheingönheim: „Peter und der Wolf“ im Prinzregententheater
Das ländliche Russland, in dem Peter und sein Großvater am Rand eines Waldes leben, nur eine Gartentür getrennt von ihm, liegt diesmal in der Vorderpfalz. Eindeutig. Man hört es am Dialekt der Jäger Hector Schuss (Ralf Lüdke) und Hubertus Knall (Klaus Sokoli). Und man hört es daran, dass der eine dem anderen weiszumachen versucht, man könne hier außer Tieren auch Wolperdinger und Elwedritsche jagen. Am Ende ist klar, dass beide Fabelwesen nicht im Wald, sondern im Reich der Fantasie zu Hause sind.
Scharfe Krallen, spitze Zähne
Ziemlich echt dagegen kommt der Wolf (Ayleen Heneka) daher, dessen fürchterliches Aussehen mit scharfen Krallen und spitzen Zähnen noch durch Schwarzlichteffekte verstärkt wird. Das grelle Leuchten seiner Augen und Zähne kann zartere Kinderseelen im Publikum durchaus erschrecken – davon abgesehen ist die für Kinder ab vier Jahren freigegebene und am Morgen vor Kindergartengruppen gezeigte, eine knappe Stunde dauernde Inszenierung aber harmlos. Und natürlich geht die Geschichte gut aus: Am Ende führen Peter (Ruben Rapp), der Großvater (Josh Juhn), die Jäger und die Tiere des Waldes zusammen den Wolf (dessen Auftauchen auch positiv gewertet werden kann) in den Zoo – oder vielmehr: in den Wildpark in Ludwigshafen-Rheingönheim. Videoaufnahmen belegen es.
Originell und mit viel Liebe zum Detail haben Bernhard F. Dropmann und Josh Juhn Sergej Prokofjews fast 90 Jahre altes Stück inszeniert. Der russische Komponist schrieb das Musikmärchen 1936. Es wurde schnell zum Klassiker. Dank seiner eingängigen Musik und weil es sich eignet, Kindern ganz spielerisch die Klassik und die Instrumente eines Sinfonieorchesters näher zu bringen. Im Prinzregententheater wird auch erzählt, dass die Violinen für Peter erklingen, das Fagott für den Großvater oder die Hörner für den Wolf.
Wolf verschlingt Handpuppe
Aber die Musik, die vom Band kommt, spielt diesmal eine Nebenrolle. Es wird stattdessen die Geschichte auf mehreren Ebenen erzählt. Es agieren nicht nur Schauspieler, zeitlich etwas versetzt wird mit Handpuppen die Geschichte weitererzählt. Wie der Wolf die Ente verschlingt, zum Beispiel, sieht damit gleich weniger gruselig aus, und die Katze (Stimme: Marion Strese) kann ganz leichtfüßig auf einen Baumstamm hüpfen und sich in Sicherheit bringen. Gleichzeitig sind, zur Verblüffung mancher der kleinen Zuschauer, auf der Leinwand hinter dem von Dropmann gebauten Bühnenbild Bilder und Videoaufnahmen aus dem echten Wald zu sehen. Ein großer Spaß, für die Kleinen und die Großen.
Termine
Weitere Vorstellungen am Freitag um 9 und 10.30 Uhr und am Samstag und Sonntag um 14 und 16 Uhr im Prinzregententheater Ludwigshafen, Prinzregentenstraße 45. Karten: www.prinzregenten-theater.de.