Ludwigshafen Reimer: Der Knoten ist nicht geplatzt
Sindelfingen. Hammerwerfen bei deutschen Hallenmeisterschaften – wie geht das denn? Ganz einfach, in Sindelfingen fanden die sogenannten Winterwurfentscheidungen der Jugend im Flossenstadion statt. Bei nicht einmal zehn Grad. Für Samantha Borutta aus Mutterstadt und ihre 21 Konkurrentinnen wurde dies natürlich zu einer Herausforderung. „Da friert man ganz schön durch“, meinte die Elft-klässlerin am Heinrich-Böll-Gymnasium, die von ihren Eltern Annette und Peter begleitet wurde. Beide sind intensiv in das Training ihrer Tochter eingebunden, die Trainingspläne indes schreibt der Mainzer Landestrainer Lutz Caspers (73), selbst 1968 in Mexico-City Olympiateilnehmer im Hammerwerfen. Wenn Samatha Borutta ihre Bestleistung von 57,48 Meter gebracht hätte, hätte das zum zweiten Platz in der Klasse U18 gereicht, bei geworfenen 55,96 Metern war’s dann nur Platz vier. „Ich hatte mir mehr erhofft“, gab sie zu. Sie scheiterte ein bisschen an ihren Nerven, freute sich letztlich aber dann doch auf die Siegerehrung. Platz vier in Deutschland – das ist doch was. Sie nahm den Tag mit als „einen, der für die Wettkampfhärte was taugte“. Die 16-Jährige wird von Caspers und ihren Eltern behutsam aufgebaut, „auf lange Sicht“, wie Vater Peter sagte. In diesem Jahr sollen die 60 Meter auf alle Fälle noch fallen, sagte die Mutterstadterin, die in der kommenden Woche im Hammerwurf-Bundesstützpunkt in Kienbaum bei Berlin beim Bundeskadertraining vorbeischauen und sicherlich hart arbeiten wird. Meike Reimer (18) war als Titelverteidigerin im hochkarätigen Feld der Hochspringerinnen gestartet. Schade nur, dass das der Hallensprecher nicht würdigte. Aber der Sonntagmorgen im Sindelfinger Glaspalast war nicht ihr Morgen. „Sie läuft nicht rund heute. Sie überlegt zu viel“, sagte ihr Trainer Juri Tscherer. Die Mutterstadterin, die ebenso wie Samantha Borutta einst bei Klaus Schaible mit dem Trainieren begonnen, überflog 1,72 im ersten, 1,75 im zweiten und 1,78 Meter im dritten Versuch. Das reichte am Ende für Platz sechs. Meike und ihr Trainer redeten lange miteinander über mögliche Gründe, weshalb sie die 1,80 Meter nicht packte, die vielleicht erst beim Betrachten des Videomaterials so richtig deutlich werden. „Irgendwie ist der Knoten überhaupt nicht geplatzt heute, ich bin überhaupt nicht zufrieden“, sagte sie. Und ihr Trainer ergänzte: „Wir haben im Winter viel Kraft trainiert. Ihr fehlt da ein wenig die Spritzigkeit, ich denke, im Sommer sieht das viel besser aus.“ Über den Rhein zur MTG Mannheim gewechselt ist Jana Gröne. Die 16 Jahre alte Oggersheimerin, die in die elfte Klasse am Theodor-Heuss-Gymnasium geht, hat aber die Kontakte zu ihrem alten Trainer Roger Cambeis bei der TG Oggersheim nie abreißen lassen. So telefonierte sie auch gleich nach ihrem 200-Meter-Lauf am Sonntag mit ihm und erzählte ihm von ihrer Bestzeit von 25,49 Sekunden. Zwei-, dreimal die Woche trainiert sie auch noch bei ihm, aber ihre Trainingspläne werden nun von der ehemaligen deutschen Spitzenläuferin Cathleen Tschirch in Mannheim geschrieben. „Ich habe mich gesteigert, unter anderem, weil wir viel an meinem Start arbeiteten und auch an meinem Laufstil“, sagte Gröne, die als Startläuferin auch die MTG-Staffel ins Rennen brachte, die dann aber disqualifiziert wurde. Das Mehrkampftalent konzentriert sich offenbar immer mehr auf die Laufstrecke. „Momentan laufe ich die 200 Meter am liebsten“, sagte Jana Gröne. 200 Meter wäre auch gerne Konstantinos Tselios (ABC Ludwigshafen) gelaufen, aber er musste wegen einer Oberschenkelverletzung kurzfristig seine Teilnahme absagen.