Ludwigshafen Reiche, regelmäßige Ernten
Fussgönheim. Sie bringt runde, mittelgroße bis große Früchte von grüngelber, sonnenseits trübrot verwaschener Farbe hervor. Sie ist sehr saftreich, wovon man sich leicht mit einem Biss in die reifen Birnen überzeugen kann, bei dem einen sofort ein Schwall Wasser entgegenkommt. Und sie ist in der Fußgönheimer Gemarkung mit acht großen Bäumen am Ortsausgang entlang der Landesstraße 525 in Richtung Ellerstadt noch sehr präsent: Die ,Schweizer Wasserbirne‘.
Die Sorte ,Schweizer Wasserbirne‘ ist alt: Sie wurde bereits 1823 in Hohenheim bei Stuttgart vermehrt. In Deutschland und der Schweiz ist sie die am meisten verbreitete Mostbirne. In Österreich ist sie ebenfalls sehr häufig, im Nordelsass, wo aus ihren Früchten ein „bonne eau-de-vie“, ein wunderbarer Birnenbrand gemacht wird, ebenfalls. Möglicherweise ist die wahrscheinlich aus der Schweiz stammende Sorte nach dem 30-jährigen Krieg mit Schweizer Einwanderern in die Pfalz gekommen, die in den ausgeräumten Landstrich Zuchtvieh, Saatgut und Obstbäume von daheim mitbrachten. Die süßherben Früchte der ,Schweizer Wasserbirne‘ können gedörrt und zu Wein oder Schnaps verarbeitet werden. In Notzeiten dienten die nur wenig Gerbsäure enthaltenden Birnen auch als Essfrucht. Charakteristisch für die Sorte sind hochkugelige, mächtige Bäume, wie auch an den Fußgönheimer Veteranen gut zu sehen ist. Immer noch bringen sie reiche, regelmäßige Ernten hervor. Um Fußgönheim waren sie nicht die einzigen Wirtschaftsbirnen. ,Stuttgarter Geißhirtle‘, ,Herbstfeigenbirne‘, ,Weiler’sche Mostbirne‘ und Birnen mit der volkstümlichen Bezeichnung „Herzdrigger“: Bis vor ein paar Jahren standen entlang der Landesstraße 525 Fußgönheim – Ludwigshafen-Ruchheim etliche Bäume dieser Birnensorten. Im Zuge von Bauarbeiten mussten die meisten weichen. Geblieben sind eine alte ,Weiler’sche Mostbirne‘ am rechten Straßenrand kurz nach dem Ortsausgang von Fußgönheim, die mit ihrem auffällig schiefen Wuchs ihrer volkstümlichen Bezeichnung „Krummbäumlesbirne“ alle Ehre macht. „Mein Onkel Peter Kuß hat früher aus den Früchten der ,Geishirtle‘ immer Birnenwein gemacht“, erzählt Karl Freidel. „Die Bäume entlang der Landstraßen waren sehr gesucht. Die Vergabe erfolgte auf dem Rathaus. Die Bäume wurden für 20 Mark verpachtet“, erinnert der Fußgönheimer an eine alte Tradition. (ain) Die Serie Ob ,Waldseer Schmalzbirne‘, ,Schweizer Wasserbirne‘ bei Fußgönheim, ,Herrgottsapfel‘ bei Schifferstadt, ,Trockener Martin‘ oder ,Kaiserbirne mit dem Eichenblatt‘ in Hochdorf-Assenheim: So manche – zum Teil recht seltene Obstsorte im Kreis – hat ihre eigene Geschichte. Und mitunter auch ihre eigene, besondere Verwendung. Diese möchten wir in unregelmäßigen Abständen in der Serie „Bäume mit eigener Geschichte“ vorstellen.