Mein Weihnachtslied
Regina Litvinova über Tschaikowskij und „Stille Nacht“
Die Pianistin Regina Litvinova wurde 1979 in Moskau geboren. „In der Sowjetunion gab es kein christliches Weihnachten“, stellt sie vorab fest. Aber es gibt Musik, die sie noch heute mit der Jahreszeit verbindet. Und sie hat eine Kirche besucht, um die russisch-orthodoxe Kirchenmusik zu hören.
„Wir waren eine sowjetische Familie, bei uns wurde kein christliches Weihnachten gefeiert“, erinnert sich die Musikerin. Noch nicht einmal das am weitesten verbreitete Weihnachtslied, „Stille Nacht“, kannte sie. Offiziell gefeiert wurde in der Sowjetunion der Jahreswechsel. Zwar habe es Menschen gegeben, die Weihnachten gefeiert hätten, aber das sei völlig im Untergrund passiert.
Nussknacker gegen Mäusekönig
An die Winter in Moskau kann sich Regina Litvinova noch gut erinnern. Es sei sehr kalt gewesen, viel kälter als in den deutschen Wintern, die sie später kennenlernte. Und in Funk und Fernsehen sei viel klassische Musik gelaufen, vor allem von russischen Komponisten. Besonders in Erinnerung ist ihr noch die Musik Tschaikowskijs. Insbesondere die Ballettmusik „Der Nussknacker“ habe ihr gut gefallen. An den bekannten „Blumenwalzer“ kann sie sich noch gut erinnern.
Das Ballett wird auch hierzulande gerne in der Weihnachtszeit aufgeführt. Es geht zurück auf das Kunstmärchen „Nussknacker und Mäusekönig“ von E. T. A. Hoffmann. Tschaikowskij schrieb die Musik für großes Orchester. Sein geschickter Umgang mit Klangfarben machten den besonderen Reiz der Musik aus. Es geht um ein Mädchen, dessen Weihnachtsgeschenke zum Leben erwachen, angeführt von einem Nussknacker. Die Spielzeugsoldaten kämpfen gegen die Armee des Mäusekönigs. Der Nussknacker verwandelt sich in einen Prinzen und geht mit dem Mädchen auf eine phantastische Reise ins Land der Zuckerfee. Die Musik wurde schon von allen renommierten Orchestern aufgenommen. Es gibt auch einen sowjetischen Zeichentrickfilm zur Musik.
Der erste Besuch einer russisch-orthodoxen Messe
Als Regina Litvinova zwölf Jahre alt war, löste sich die Sowjetunion auf. In Russland war Religionsausübung nicht mehr verboten. „Die russisch-orthodoxe Kirche durfte auch wieder Weihnachten feiern, aber das ist in Russland vom sechsten auf den siebten Januar“, erzählt sie. Der siebte Januar sei dann auch ein sehr populärer Feiertag geworden. Und die Musikerin ging erstmals in die Kirche, um die russische Liturgie zu erleben. „Da wird sehr viel gesungen von einem Chor, und die Lieder sind meistens in Moll. Das klingt ganz anders als hier“, erklärt sie. Und so eine Messe dauere auch recht lange.
Mit 22 Jahren kam Regina Litvinova nach Deutschland, um hier ihr Musikstudium, das sie am Konservatorium in Moskau begonnen hatte, fortzusetzen. Da interessierte sie sich auch für deutsche Kirchenmusik, vor allem für Johann Sebastian Bach. „Bach ist natürlich kolossal beeindruckend, einfach mega!“ sagt sie. Und so besuchte sie das Weihnachtsoratorium und auch andere Messen großer Komponisten.
Eine Zeit der Ruhe und des Nachdenkens
Selbst gespielt habe sie deutsche Weihnachtslieder erst, als ihre Klavierschüler danach gefragt hätten. Vorher habe sie keine Weihnachtsmusik gemacht. „Stille Nacht ist natürlich ein super Hit. Es ist einfach gemacht, aber trotzdem schön“, meint die Musikerin.
Für sie bedeutet die Weihnachtszeit eine Zeit der Ruhe und des Nachdenkens, der Reflexion. Dass Traditionen wieder gepflegt werden, gerade auch in Russland, findet sie schön.
Zu Neujahr sei in Russland der Film „Ironie des Schicksals“ aus dem Jahr 1975 beliebt, eine Liebeskomödie, die jedes Jahr gezeigt werde. Darin gebe es viele Lieder, die zu Gitarre und Klavier gesungen würden und sehr populär seien. „Die sind schön und richtig gut gemacht“, sagt Litvinova.