Ludwigshafen Regen im Sommer? Undenkbar!

Deutsche und jordanische Pfadfinder kommen zu einer Abschlussbesprechung zusammen.
Deutsche und jordanische Pfadfinder kommen zu einer Abschlussbesprechung zusammen.

«Oggersheim.» Über Kultur und Gepflogenheiten, Geschichte und die Sehenswürdigkeiten ihrer Länder haben jordanische Pfadfinder, die bei der Pfadfinderschaft St. Georg aus Oggersheim zu Gast waren, vor ihrer Heimreise nach Jordanien noch einmal ins Gespräch kommen wollen. Nach der Messe in Christ-König stand eine letzte Möglichkeit zum Meinungsaustausch auf dem Programm. Dazu fanden kleine Gruppen vor der Kirche an schattige Plätzchen zusammen.

Eine Gruppe widmet sich der neueren Geschichte Deutschlands. Tristan Weih spricht darüber, wie sich der Rassismus und Eroberungswahn der Nationalsozialisten Bahn brach und Hitler sich Europa, ja, die ganze Welt, Untertan machen wollte. So kommt der 18-Jährige zum Zweiten Weltkrieg und der deutschen Teilung und schließlich zur Wiedervereinigung, in der der Oggersheimer Helmut Kohl eine gewichtige Rolle spielte. In der Runde sitzt auch Arturo Mispireta. Der junge Theologe stammt aus Peru und ist im Bistum Speyer als Jugendreferent tätig. Gelegentlich mischt er sich ein und versucht, etwas noch verständlicher zu machen. Die Jordanier haben über die Geschichte ihres Königreichs nicht ganz so viel zu erzählen. Dass sie von den Engländern besetzt waren, so wie die Syrer von den Franzosen, ist die kurze Vorgeschichte ihres heutigen Staats. Augenscheinlich ist, dass sie weniger Probleme mit einer Uniform haben als ihre deutschen Altersgenossen. Die jordanischen Pfadfinder tragen diese ganz selbstverständlich, nur auf die Militärhose haben sie in Deutschland zugunsten von Jeans verzichtet. Bei ihren Gastgebern sind die Uniformträger in der Minderheit. Die Bewunderung der Jordanier für Macht und Einfluss der Kirche beim Besuch des Doms von Speyer habe ebenfalls von einer anderen Wahrnehmung gezeugt, berichtet der Jugendreferent. „Hier in Deutschland sträubt man sich eher dagegen, dass die Kirche viel Macht hat“, beschreibt er den Unterschied. Auch im Camp, als jeden Morgen die jordanische und die deutsche Pfadfinderflagge gehisst wurden, sei ihm die unterschiedliche Haltung aufgefallen. Hadee ist 23 Jahre alt und in ihrer Heimatstadt al-Husun bei Irbid schon seit 14 Jahren Pfadfinderin. Leader sei sie mittlerweile, eine Pfadfinderführerin. Die Gruppe sei 2002 mit wenigen Leuten gegründet worden, berichtet sie, zähle heute aber schon 300 Mitglieder und habe sich in der Bevölkerung ein gutes Ansehen erworben. „Die Leute wissen, dass wir zu den Guten gehören“, sagt die junge Jordanierin. Sie würden in und nach der Kirche helfen, bei Hochzeiten mit Dudelsäcken und Trommeln Musik beisteuern. Hadee hat ihr Studium zur IT-Spezialistin abgeschlossen und arbeitet und wohnt heute in der Hauptstadt Aman, die etwa 65 Kilometer südlich von Husun liegt. Trotzdem fährt sie jedes Wochenende nach Hause, um die freie Zeit bei den Pfadfindern zu verbringen. Das Gemeinschaftsgefühl sei so groß, dass sie sich dort einfach zu Hause fühle. „Alles, was wir hier sehen, ist anders als in Jordanien“, beschreibt sie ihre Eindrücke von Deutschland. „Die Bäume, die Burgen, das Leben, das Campen.“ Und dass es im Sommer regne, sei daheim in Jordanien auch nicht denkbar. Sie ist vor allem von der üppigen Natur begeistert und davon, dass die Menschen so freundlich waren. „Wir fühlten uns wie zu Hause, alle lächelten“, erzählt sie von der Gastfreundschaft. Da kommt Mona Engelhardt und verabschiedet sich von ihrer jordanischen Freundin. Herzlich umarmen sich die beiden. Mona war schon bei dem Besuch der St.-Georg-Pfadfinder in Jordanien dabei. „Es war schön, sie wieder zu treffen“, freut sie sich. Selbstverständlich sollen die Freundschaften weiter gepflegt werden, beschreibt Andreas Hilkert vom Bezirksvorstand der Ludwigshafener Pfadfinder die Zukunftsvision. Zunächst heißt es jedoch Abschied nehmen. Die Oggersheimer haben eine Fahne der Ludwigshafener Pfadfinder mit dem Anker und dem Pfadfinderspruch vorbereitet. Die bekommen die Jordanier, als Abschiedsgeschenk und Erinnerung an Deutschland mit auf ihre Heimreise.

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