Radsport
Radrennen in Mutterstadt: Der Macher macht erst mal Schluss
Der kurvenreiche, aber flache Kurs durch das Herz von Mutterstadt scheint ihm auf den Leib geschnitten. Kaum hatte ein Akteur des Teams Möbel Ehrmann die erste Attacke beim Großen Preis der Zeller Recycling gestartet, war auch Andreas Mayr im Trikot des RSC Kempten ganz vorne vertreten im 40. Kerwerennen des RSC Ludwigshafen. Der 39-Jährige ging motiviert in das Rundstreckenrennen der CT- und Elite-Amateure und gewann.
Für Betreuer gefahren
„Wir hatten uns heute vorgenommen, für unseren ,Super-Betreuer’ zu fahren und ihm für seine tolle Unterstützung in den letzten Jahren zu danken“, sagte Mayr. Gemeint war Steffen Willner, zunächst begeisterter Fan, dann auch Unterstützer und Betreuer des Teams aus dem Ostallgäu. Willner, der 56-Jährige aus Böhl-Iggelheim, der das Team zu fast allen Rennen in der Region begleitet, organisiert auch deren Trainingslager, das meist von der Sportschule in Schifferstadt in den Pfälzerwald führt. „Aus einer Freundschaft wurde einfach mehr“, verriet Mayr.
Zunächst hatten sie den Plan, auch das Kerwerennen in Böhl zu bestreiten. Das findet aber nicht mehr statt. Dann eben Mutterstadt. Die Jungs in den schwarzen Trikots legten los. Zunächst die Flucht Mayrs mit seinem Teamkollegen Jonas Schmeiser, dann die neue vierköpfige Spitze mit dem deutschen Kriteriumsmeister Dario Rapp und Moritz Augenstein. Dazu kam Marc Dörrie vom Team Bellheimer Silberpils. 18 Runden vor dem Ende fuhren sie ins Hauptfeld und stellten mit dem Rundengewinn die Weichen auf Sieg.
In Schlussrunde wieder enteilt
Mayr, der Jungbrunnen, wie er sich selbst sieht, wollte mehr. Er suchte erneut die Flucht an die Spitze. Diesmal folgte Lennart Rilling (Team Möbel Ehrmann). In der Schlussrunde enteilte Mayr, als Solist erreichte er unter dem Applaus der Zuschauer alleine das Ziel.
Die 40. Auflage des Rundstreckenrennens in Mutterstadt war eine klare Angelegenheit für den für Stihl in Waiblingen tätigen Ingenieur. Am 7. September feiert er seinen 40. Geburtstag. Schon 2019 hatte er in Mutterstadt die Nase vorn. Diesmal hatte sein Teamkollege Moritz Augenstein („Das war heute absolut geil“) vor Marc Dörrie das Nachsehen. Da wurde die Sektflasche geköpft. Aber ohne Mayr, denn er trinkt keinen Alkohol: „Da bin ich konsequent“.
Mayr denkt nicht ans Aufhören. „In dieser Form schon gar nicht.“ Das Triple in Mutterstadt ist sein Ziel im nächsten Jahr. Ob es 2024 die 41. Auflage des Rundstreckenrennens geben wird, bleibt abzuwarten. Denn Joachim Speckmann, der unermüdliche Organisator des Kerwespektakels und Vorsitzende des RSC Ludwighafen, hat aus Altersgründen seine Aufgabe niedergelegt.
„Nach über 20 Jahren in jüngere Hände legen“
„Nach über 20 Jahren bin ich der Meinung, dass ich das in jüngere Hände legen kann. Dazu bin ich bald 72 Jahre alt und im letzten Jahr ist mein jüngster Sohn verstorben, was man auch nicht so einfach abschüttelt“, sagte Speckmann. Der Mann hat seine Handschrift im pfälzischen Radsport hinterlassen. Er führte nicht nur die GFR Ludwigshafen und nach der Fusion mit dem RC Friesenheim mit drei weiteren Kollegen den RSC, er war viele Jahre Vorsitzender des Pfälzischen Radfahrerbundes (PRB). „Wenn ich gefragt werde, werde ich sicherlich die Kollegen unterstützen, aber jetzt ist erst mal als Verantwortlicher Schluss“, so der 71-jährige.
Kontrolleure der Nationalen Doping-Agentur (NADA) hetzten unmittelbar nach Rennende zu von ihnen ausgewählten Akteuren, um vor dem Duschen um eine Urinprobe zu bitten.